Otterberg
Der neue Stadtbürgermeister und seine Vorhaben
Etwa einen Monat nach der Kommunalwahl muss Jan Hock immer noch ab und an erst eine Sekunde lang überlegen, wenn er von jemandem darauf angesprochen wird: „Stimmt, ich bin ja Stadtbürgermeister.“ Es war tatsächlich eine Überraschung am 9. Juni: FWG-Mann Jan Hock, der bislang noch ohne Ratserfahrung war, setzte sich gegen Amtsinhaberin Martina Stein von der SPD durch. Nicht nur das: Im Stadtrat bilden die Freien Wähler künftig die größte Fraktion, kommen von bisher nur zwei Sitzen auf neun Mandate. Hock führt das zu 70 Prozent auf die Situation im Bund und dessen Ampelkoalition zurück und dass deswegen alternative Gruppierungen wie die FWG vielerorts Zuwächse verzeichnen konnten. Von den Freien Wählern sei in Otterberg wohl auch kein so starker Wahlkampf erwartet worden. Die anderen Parteien hätten nicht gewusst, wie sie auf die FWG reagieren sollten, mutmaßt der 44-Jährige. Zumal diese nunmehr ganz neue Kandidaten präsentierte. Zu 30 Prozent hängt der Erfolg seiner Meinung nach mit dem menschlichen Faktor zusammen: Die Otterberger hätten sich einfach einen Wechsel an der Stadtspitze gewünscht.
„Junge Truppe mit frischen Ideen“
Seine Mitstreiter bei den Freien Wählern beschreibt Hock als politisch junge Truppe, die aber auch vorher schon vielfach engagiert gewesen sei: in Vereinen ebenso wie im Schulelternbeirat. Die mangelnde Erfahrung in der Ratsarbeit sieht er nicht als Manko. Im Gegenteil: Da nun womöglich unbedarft Fragen gestellt würden, die ansonsten nie in den Raum gestellt worden wären. Das könne „erfrischend und gut“ sein. Neue Gedankengänge könnten so angestoßen werden.
Einen potenziellen Nachteil macht er aber doch für sich aus: „Ich werde erst einmal Gegenwind bekommen“, meint er. In so manches Fettnäpfchen werde er bestimmt ebenso treten. Doch aufgeregt ob der neuen Aufgabe sei er nicht. „Es ist viel“, stellt Hock fest, der seit rund eineinhalb Jahren im Controlling der Verbandsgemeinde Weilerbach arbeitet, vorher lange im Sparkassen-Vertrieb tätig war. Bedenken, dass er das alles nicht schaffen, dass es nicht passen und er der falsche Mann für den Posten sein könnte, hat er trotzdem nicht. Die konstituierende Sitzung, in der er als Stadtbürgermeister ernannt wird, findet erst Ende August statt. Die derzeitige Stadtspitze bezieht ihn davor schon in Themen ein, so war Hock beispielsweise bei einem Termin in der kommunalen Kindertagesstätte dabei. Mit Martina Stein zusammen habe er einen Fahrplan für die Übergabe erstellt. „Das läuft professionell,“, betont er. „Dass die SPD das so macht, finde ich richtig stark.“
Apropos Kita Buntspecht: Die bauliche Situation werde ihn als neues Stadtoberhaupt direkt beschäftigten, sagt Hock, der seit mehr als zehn Jahren auf dem Althütterhof wohnt, verheiratet ist, einen Sohn und eine Tochter hat. In der Einrichtung gab es einen größeren Wasserschaden, wodurch sich Schimmel bildete. Im Zuge der Arbeiten stehe zur Debatte, ob nicht gleich noch energetische Maßnahmen ergriffen werden sollen, um den älteren Bau auf Vordermann zu bringen, sagt der FWG-Mann.
Hock will den Vereinen helfen
Ein Anliegen, das er als Stadtbürgermeister auch hat: Verdienstmöglichkeiten für Vereine schaffen. Die Frage sei: Wie könnte die Stadt Feste organisieren, bei denen die Vereine Geld verdienen und damit ihren Betrieb aufrechterhalten können? Otterberg komme das auf lange Sicht zugute, selbst wenn die Kommune erst einmal in Vorleistung treten müsse, indem sie beispielsweise keine Standgebühren verlange. „Vereine sind die Kultur eines Dorfes oder einer Kleinstadt“, stellt Hock fest, der selbst als Kassenwart im Otterberger Tennisclub fungiert. Zudem schauten junge Familien auf die vorhandene Infrastruktur, wenn sie in einen Ort ziehen wollten. Transparenz und Bürgerbeteiligung sind weitere wichtige Punkte für ihn in der Amtszeit: Warum nicht die Jahresabschlüsse und Haushaltspläne online stellen, schlägt er in Hinblick darauf vor. „Ich erhoffe mir davon, dass die Leute sich so mehr einbringen und mehr Verständnis für die Situation haben“, sagt Hock, der auch in den Verbandsgemeinderat gewählt wurde. Vorstellen kann er sich zudem eine Art Bürgerbeirat.
Alles in allem hofft er darauf, dass die Otterberger ihm eine Chance und Zeit geben. Sie könnten darauf vertrauen, dass er mit Herzblut dabei sei: „Ich hänge mich rein und versuche, es zu einer guten Sache zu machen.“
Tennis und Laufen als Hobbys
In seiner Freizeit spielt der künftige Stadtbürgermeister Tennis, wobei er zugibt: „Das macht viel Spaß, ich bin aber kein guter Spieler.“ Hat er doch erst mit 38 Jahren mit dem Sport begonnen. Deutlich ambitioniertere Ziele steckt er sich wohl als passionierter Läufer, der schon auf der Marathonstrecke unterwegs war. „Irgendwann artet das immer in Leistung aus“, meint er lachend darüber, dass er das Ganze gerne strukturiert angeht und Pläne macht.
Die Serie
In unserer Serie „Neu im Amt“ stellen wir in loser Folge die Ortsbürgermeisterinnen und Ortsbürgermeister im Kreis vor, die diesen Posten nun ganz neu übernehmen.