Kreis Kaiserslautern
Der Lindener Harald Gabriel ist neuer Vorstand der Volksbank Lauterecken
Am 31. Juli hat Harald Gabriel die Volksbank Lauterecken Richtung Südhessen verlassen. Als Prokurist. Am 1. November kehrte er zurück. Als Vorstand in spe. Seit 1. Januar steht er als Kollege von Joachim Wagner an der Spitze des Instituts. Fünf Monate im Turbomodus.
Allzu viel will der 54-Jährige nicht zu seiner kurzfristigen Abwesenheit sagen. Er bestätigt nur kurz und knapp, dass dieser Kurzzeitwechsel mit gewissen Personalien zu tun gehabt habe – was stark darauf hindeutet, dass es zwischen ihm und seinem Vorgänger Tim Blumenberg nicht gerade das beste Einvernehmen gegeben hat. Blumenberg war 2018 zur Volksbank gekommen, ein Jahr später Vorstand geworden und zum Jahreswechsel aus familiären Gründen wieder gegangen.
Volksbank seit fast 25 Jahren seine berufliche Heimat
Lieber spricht Gabriel darüber, wie sehr er sich darüber freut, nach kurzem Intermezzo wieder in Lauterecken zu sein. Denn die Volksbank war in den vergangenen 25 Jahren fast durchgehend seine berufliche Heimat. Und auch die Pfalz ist seine Heimat, der er nicht einmal wirklich untreu geworden ist, als er nach dem Studium vier Jahre lang in Frankfurt bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gearbeitet hat, die sich um Banken kümmert. Er wohnte damals zwar unter der Woche in Königstein, blieb aber in seinem Heimatort Linden verwurzelt.
Dort, nahe Kaiserslautern, ist er aufgewachsen, nachdem er am 19. Juni 1965 im Landstuhler Krankenhaus das Licht der Welt erblickt hatte. In Landstuhl ging er auch aufs Gymnasium – bis zur zehnten Klasse. Dann wechselte er nach Kaiserslautern, in die erste Sportklasse am heutigen Sportgymnasium Heinrich Heine.
„Ich war immer ein Sprinter“
Gabriel war Radfahrer. Bahnradfahrer, um genau zu sein. Keine Überraschung angesichts der Bahnradtradition in seiner Heimatgemeinde. „Ich war immer ein Sprinter“, erzählt er. Er fuhr die 1000 Meter, schaffte es immerhin bis auf Platz neun bei deutschen Meisterschaften. „Heute gibt es im Bahnradsport viel mehr Disziplinen als damals. Vielleicht hätte ich es dann auch mal zu internationalen Meisterschaften geschafft. Aber über 1000 Meter durfte halt nur einer“, fügt er mit einem gewissen Bedauern hinzu.
Dem Radfahren ist er mit zunehmendem Alter erhalten geblieben, unternimmt heute noch ausgedehnte Touren auf dem Velo. Und er war jahrelang im Vorstand des Lindener Radsportvereins. Als Banker natürlich in der Funktion des Kassenwarts. Erst vor kurzem hat er das Amt aufgegeben. Daneben geht er zumindest einmal im Jahr Skifahren und verbringt, natürlich, viel Zeit mit seiner Lebensgefährtin und den beiden Kindern, 17 und 19 Jahre alt.
Nach dem Abitur und Bundeswehr zur Banklehre
Zurück zur beruflichen Laufbahn. Nach dem Abitur in Kaiserslautern ging er zur Bundeswehr, diente an der Ostsee und in Zweibrücken und begann 1985 seine Banklehre bei der Landesbank. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule in Ludwigshafen, nahm für seine Diplomarbeit 1991 die Firma Pfaff unter die Lupe. „Schon damals waren die Zahlen nicht so gut“, sagt er mit Blick auf das Schicksal, das das Kaiserslauterer Traditionsunternehmen Jahre später ereilte.
Frankfurt war im zu groß
Nach dem Studium ging er zu den Wirtschaftsprüfern in die Finanzmetropole am Main, hielt vier Jahre durch, obwohl „ich mich in Frankfurt nie wirklich wohlgefühlt habe. Die Stadt war mir zu groß“. Also studierte der bekennende Pfälzer Stellenanzeigen – und wurde 1995 auf die Volksbank Lauterecken aufmerksam. Die suchte jemanden für ihr Rechnungswesen. Er kam, sah und übernahm dessen Leitung.
Noch einmal wagte er den Weggang. 2001 wechselte er nach Kaiserslautern. Zu einer Finanzmanager-Tochter der Wasgau AG. Ein Jahr später kam er wieder. „Das war einfach nicht meine Welt.“ Zwar war seine frühere Stelle besetzt. Doch Verwendung gab es allemal für den humorvollen und quicklebendigen Ex-Mitarbeiter: Er baute das Controlling auf, erhielt Prokura 2007, stieg zum Betriebsleiter Betrieb auf, in die zweite Ebene unmittelbar unter dem Vorstand, den er vertrat.
„Zeit noch mal was anderes zu machen“
Dem nächsten Karrieresprung stand dann die Berufung Blumenbergs im Weg. Ein Jahr später ging er. „Ich fand, es war Zeit, nochmals etwas Anderes zu machen“, umschreibt Gabriel seine Entscheidung vom vergangenen Frühsommer. Doch seine Zeit bei der Raiffeisenbank Ried war nur kurz. Denn schon im September erreichte ihn ein Anruf aus Lauterecken: ob er denn nicht Vorstand werden wollte. Natürlich wollte er.
Schon im November war er wieder da, bereitete sich auf das Vorstandsamt ab Jahreswechsel vor. „Es ist leicht, wenn man die ganzen Leute schon kennt“, sagt er, meint Angestellte wie Kunden gleichermaßen. Daher falle es ihm auch nicht schwer, dass er nun, nach 25 Jahren, in denen er sich vor allem um Bankinternes gekümmert hat, den Vertrieb unter sich hat.