Ramstein-Miesenbach
Der Karnevalverein Bruchkatze blickt auf eine trostlose Saison
Die schwarze Katze auf dem Jahresorden lächelt. An ihrem einen Ohr baumelt eine Gesichtsmaske. Vor ihr stapeln sich Toilettenpapier und Nudeln – heiß begehrte Objekte während des ersten Lockdowns. Mit dem Motto „Ein Lächeln auch in schwerer Zeit, schenkt Euch die Katz trotz Traurigkeit“ beweisen die Ramsteiner Karnevalisten, dass ihnen das Lachen angesichts all der Widrigkeiten nicht vergangen ist. Die Orden wurden von Gruppenleitern und Helfern zusammen mit einer grünen Bruchkatze-Maske und einem Weihnachtspräsent an die Aktiven als Dankeschön für ihren Einsatz unter den erschwerten Bedingungen verteilt.
„Nun sind wir halt daheim“
„Es fehlt etwas, da ist eine Lücke“, meint denn auch Heike Rudolphi. Seit rund 35 Jahren gehört sie dem Verein an. Sie war Mitglied der Garden und schwingt heute noch in der Senatsgarde das Tanzbein. Waren die Wochenenden im Januar und Februar immer verplant – seit zwei Jahren war sie in Begleitung ihrer zwölfjährigen Tochter aus der Jugendgarde unterwegs –, ist in diesem Jahr alles anders. „Nun sind wir halt daheim“, bedauert sie mit Resignation in der Stimme.
So oder so ähnlich geht es wohl allen Bruchkatzen. Aber sie haben nicht die Hände in den Schoss gelegt, als kurz nach Aschermittwoch klar war, dass kein regulärer Übungsbetrieb stattfindet. Die Hofkater, eine aus sechs Herren bestehende Gesangsgruppe, trafen sich im Mai per Videochat, um das neue Programm festzulegen. Termine im Tonstudio mussten gestrichen werden, stattdessen wurde online arrangiert und noch im Herbst in der Hoffnung geprobt, dass eine Teilnahme an der Live-Fernsehprunksitzung der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine möglich wäre. Die zerschlug sich wegen mangelnder Gelegenheit zum Üben.
Training per Video
Der närrische Nachwuchs – 80 Kinder, Jugendliche und junge Frauen – wurde von den Trainerinnen per Video in Bewegung gehalten, denn Training im Freien war nur zeitweise möglich. Die Eltern der sechs- bis zehnjährigen Bruchkätzchen empfingen auf ihren Smartphones regelmäßig Aufnahmen mit einem Erklärfilm für ein Aufwärm- und Fitnessprogramm, Tanzschritten und Dehnübungen. Die Grün-Weißen Funken erhielten wöchentlich Übungsaufgaben mit Schwerpunkt auf anspruchsvoller Akrobatik, Fitness und Kondition. Die Senatsgarde entschloss sich dazu, ihren Tanz „Alice im Wunderland“ aus dem Vorjahr bei möglichen Veranstaltungen aufzuführen. Parallel dazu entwickeln die Trainerinnen Ideen für die Folgekampagne.
Geprobt und ein neues Programm erarbeitet haben die vier Holzlandsänger. Riss die Gruppe mit ihren Gassenhauern ihr närrisches Publikum im Saal stets mit, bleibt es jetzt ruhig um sie. Nicht andres ergeht es dem Prinzenpaar Nadine II. (Schaan) und Markus I. (Kuproth), das ohne repräsentative Aufgaben dasteht, und all den anderen Gruppen und Aktiven. Für die Vorstandsmitglieder waren digitale Sitzungen angesagt.
Alles abgesagt
Beide Prunksitzungen, Kinderfastnacht, Kreisseniorensitzung, Neujahrsempfang der Stadt mit Schlüsselübergabe, die Rathauserstürmung zur Altweiberfastnacht, Ehrungen der verdienten Mitglieder und jede Menge Auftritte bei befreundeten Vereinen – alles abgesagt. Weh tut auch, dass der 70. Westricher Fastnachtsumzug als Höhe- und Schlusspunkt der Saison ausfällt. Jede Menge Arbeit, Zeit und Kosten waren damit verbunden, die Finanzierung nur mit dem Verkauf der Plaketten und der Unterstützung von Sponsoren und Stadt möglich – und dennoch blieb für den Verein meist ein Minus übrig.
Das schlägt in diesem Jahr zwar nicht zu Buche, aber Einnahmequellen sind ebenfalls weggebrochen. Monatliche Fixkosten für das Vereinsheim, der Jahresorden und die mit dem Logo bestickten Masken stehen dem Verlust durch fehlende Eintrittsgelder, einem Verkaufsstand auf dem Zimt- und Waffelmarkt und den Altkleidersammlungen gegenüber. Nur die geringen Mitgliedsbeiträge füllen die Vereinskasse.
Wenigstens online aktiv
Um nicht komplett aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden, sind die Bruchkatzen online über ihre Homepage und in den sozialen Medien aktiv. Die von Hobbyfilmer Stefan Schröder produzierten Beiträge aus vergangenen und aktuellen Tagen lassen ein wenig Fastnachtsfeeling aufkommen. Für den Vorsitzenden Erik Martin, seine Stellvertreterin Rudolphi und die Jeckenschar hinter ihnen bleibt die Hoffnung auf die Saison 2021/2022. Die Termine ab der Eröffnung am 11. November und danach sind gemacht, das Congress Center Ramstein gebucht und befreundete Vereine eingeladen.
Ganz unter den Tisch fallen wird die Fastnacht zumindest im Hause Rudolphi wohl nicht. „Ich könnte mir schon vorstellen, dass wir daheim etwas Stimmungsmusik hören, mit Luftschlangen dekorieren und Süßes verzehren“, verrät sie. „Ralau“, der Ramsteiner Narrengruß, wird dann bestimmt auch zu hören sein.