Kreis Kaiserslautern Der Kampf geht weiter

Sie geben sich noch nicht geschlagen: Die Weihnachtsaufführung nutzten Kinder wie Eltern und Politiker für ihren Appell ans Mini
Sie geben sich noch nicht geschlagen: Die Weihnachtsaufführung nutzten Kinder wie Eltern und Politiker für ihren Appell ans Ministerium.

In Frankenstein ist der Kampf für die Grundschule noch nicht beendet. Am Sonntag machten Kinder, Eltern und Politiker bei der Aufführung zum Weihnachtsmarkt deutlich, dass sie sich trotz der Entscheidung des Ministeriums weiter für den Erhalt einsetzen werden. Unsere Leserzuschriften gehen ebenso in diese Richtung, es wird aber auch Kritik an der Politik laut.

Diese Schule muss erhalten bleiben! Unsere Kinder und wir Eltern lieben die Schule. In einer kleineren Schule kann man sich viel intensiver mit den Schülern befassen, als wenn 30 oder mehr Schüler in einer Klasse sitzen. Das ganze Dorfleben würde auch unter einer Schließung leiden. Die Schule ist der zentrale Veranstaltungsort für Aufführungen der Schule und des Kindergartens. Was ist mit den Vereinen? Wie Kinderturnen, Fasching, Ostermarkt mit Sommertag, Weihnachtsmarkt, Seniorennachmittage – alles spielt sich in dieser Schule ab. Es wäre traurig, wenn es zur Schließung der Schule kommen müsste! Neben zahlreichen, für den Erhalt unserer Grundschule sprechenden Argumenten (...) treibt mich die Frage um, ob die jetzige Situation nicht auch durch strategisches Missgeschick der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn als Grundschulträgerin vorprogrammiert gewesen ist. Ich kann mich gut an die Podiumsdiskussion der RHEINPFALZ im Vorfeld zur Bürgermeisterwahl 2014 erinnern. Bereits damals war der Erhalt der Grundschule Thema, das (...) letztlich einen entscheidenden Beitrag zur Wahl des jetzigen Bürgermeisters geleistet hat. Im Gegensatz zu seinem damaligen Mitbewerber hatte er nämlich versichert, sich vorbehaltlos für den Erhalt einzusetzen. Kurze Zeit später musste man zur Kenntnis nehmen, dass der neue Bürgermeister (...) die alleinige Zuständigkeit für das Schulwesen an seinen hauptamtlichen Beigeordneten und ehemaligen Mitbewerber übertragen und somit nach legitimer Sichtweise „den Bock zum Gärtner“ gemacht hat. Trotz aller Bekundungen des Schulträgers, das Möglichste für den Erhalt der Schule getan zu haben, bleibt es nach dieser Vorgeschichte schwer vorstellbar, dass die Positionierung gegenüber dem Bildungsministerium von Anfang an mit echter innerer Überzeugung und äußerster Vehemenz erfolgt ist. Es bleibt somit das ungute Gefühl, dass vielleicht doch nicht alle politischen Hebel in Bewegung gesetzt wurden (...). Im Übrigen kann ich den Umgang des Ministeriums mit den von einer Schließung Betroffenen nur als ignorant und alles andere als bürgernah empfinden. Der Fortbestand der Frankensteiner Grundschule stand auch schon in der Vergangenheit zur Debatte. Während sich eine der Amtsvorgängerinnen unserer jetzigen Bildungsministerin in ähnlicher Situation die Zeit für einen Besuch der Schule und Gespräche mit Eltern, Lehrern und Kommunalpolitikern genommen und sich hierdurch einen persönlichen Eindruck von der Lage verschafft hat, konnte ich bisher nur lesen, dass Frau Hubig ihre Meinung unter Zwischenschaltung der Schulbehörde, also quasi vom grünen Tisch aus, getroffen hat. Von unseren Landtagsabgeordneten erwarte ich deshalb, dass sie ihre Ministerin vor deren endgültiger Entscheidung zu einem Besuch in Frankenstein motivieren. Auch ich sehe zwar nur noch geringe Chancen für eine Abwendung, aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Die Grundschule Frankenstein ist das Herzstück Frankensteins. Ohne sie würde das Dorfleben sterben; es gäbe keinen Vereinssport, keine Feste, keine Altennachmittage und kein kulturelles Leben mehr. Diese Schule hat Charakter: Kinder aus anderen Ländern und Kulturen werden aufgenommen, und in wenigen Wochen sind sie voll integriert, sprachlich wie menschlich. (...) Werte wie Menschlichkeit, Höflichkeit, Mitgefühl und Toleranz werden vermittelt und gelebt. Durch die kleine Klasse wird individuell auf die Kinder eingegangen. Schwächen werden festgestellt und beseitigt, in dem für den Einzelnen entsprechenden Tempo. Dies ist in Klassen von bis zu 24/30 Kindern gar nicht möglich. (...) Es sollten keine Schulen abgeschafft werden, weil sie zu klein sind, es sollte eher mehr Schulen wie diese geschaffen werden. Das Argument, dass Eltern seit Jahren ihre Kinder in anderen Schulen anmelden, liegt nicht an der Qualität, sondern an der Ungewissheit für viele Eltern. Ich frage mich: Wenn eine Schule all dies zu bieten hat – individuelle Förderung, Werte, Geborgenheit, Gemeinschaft, Engagement in der Gemeinde, Qualität des Unterrichtes, Lehrer, die fördern und fordern, Kinder dürfen Kinder bleiben – warum soll so eine Institution geschlossen werden? Wir brauchen keinen unbetreuten Linienbus, der jährlich 50.000 bis 60.000 Euro kostet. Warum Kinder in andere Schulen schicken, deren Kapazitäten ausgeschöpft sind? (...) Unsere Schule ist klein, aber wir sind eine Familie, und genau für diese kämpfen wir. Jeder, der nicht in die Gesichter unserer Kinder geschaut hat, wenn sie von ihrer Schule berichten, darf und soll sich kein Urteil erlauben! Wir lieben und brauchen unsere Schule. (...) Wer Schulen zumacht, denkt nicht weiter! Durch eine über zwei Jahrzehnte verfehlte Ortspolitik der gewählten Ortsbürgermeister, Beisitzer und Ratsmitglieder in Frankenstein steht man jetzt vor einem Scherbenhaufen und sucht wie so oft die Schuld bei den anderen – jetzt bei der Landesregierung und den Eltern. Hätte der Ortsbürgermeister Herr Vogel (FWG) sich die städtebauliche Entwicklungsstudie von Frankenstein – für sehr viel Geld erstellt – einmal intensiv durchgelesen oder vom Verfasser erklären lassen, beherzigt und mit dem Ortsgemeinderat umgesetzt, wäre die Grundschule auch in der Zukunft noch am Leben. In dieser Studie wurde sehr genau aufgezeigt, was jetzt eingetreten ist und wie dies zu vermeiden gewesen wäre! Das Dorfleben besteht nicht nur aus einem zoologischen Garten.

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