Kreis Kaiserslautern Der Gesundheitsmanager auf der roten Liste
Zu einem „Tag der Gesundheit für den Erhalt der hausärztlichen Medizin“ hatten engagierte Mediziner aus der Region am Samstag sowohl Fachleute als auch Patienten ins Haus des Bürgers von Ramstein geladen. Obwohl der Eintritt frei und das Programm vielfältig war, blieb die öffentliche Resonanz doch eher übersichtlich.
Samstag Mittag in der City von Ramstein: Während sich draußen auf dem Platz eine fröhlich-bunte Menschenmenge zur anstehenden Friedensdemonstration vor der Air Base sammelt, herrscht im Haus des Bürgers eine konzentrierte Stille. Knapp hundert Männer und Frauen sind der Einladung des „Vereins für Gesundheit und soziale Verantwortung“ gefolgt und lauschen den Vorträgen von Expertinnen und Experten. Wer es nicht anders wüsste, könnte den großen Saal des Bürgerhauses glatt mit dem Hörsaal einer medizinischen Fakultät verwechseln. Bereits morgens um zehn Uhr hat der erste „Gesundheitstag für den Erhalt der hausärztlichen Medizin“ begonnen. Maßgeblich organisiert wurde er vom Reichenbach-Steegener Mediziner und Grünen-Kommunalpolitiker Eike Heinicke. Seit vielen Jahren sorgt sich der Hausarzt um eine ebenso anspruchsvolle wie am Bedarf orientierte medizinische Versorgung im ländlichen Raum, vor allem natürlich in seiner heimatlichen Westpfalz. Im Mai 2016 mündete sein Engagement in der formalen Gründung des Vereins, in dem neben Ärzten und Psychotherapeuten auch Patienten und Angehörige anderer medizinischer Berufe vertreten sind (die RHEINPFALZ berichtete). Zum Beispiel Doris Siegfried, Physiotherapeutin aus dem benachbarten Weilerbach. Sie hält an diesem Vormittag einen Vortrag zum Thema „Händische Diagnostik und Therapie“. Dabei geht es unter anderem um die Möglichkeiten und Vorzüge der traditionellen Physiotherapie bei der Erkennung von Krankheiten. Als Beispiel nennt Doris Siegfried die menschliche Leber: „Dieses Organ ist in gewisser Weise ein Indikator für viele Erkrankungen“, erklärt die Therapeutin. „Im gesunden Zustand ist sie weich und elastisch, bei bestimmten Krankheiten eher verhärtet und zäh. Und wir können das mit unseren manuellen Methoden oft schon erkennen, bevor ein Facharzt bei seinem Patienten erhöhte Leber-Werte feststellt.“ Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Organe. Und eine angemessene medizinische Betreuung muss immer auch die sozialen Umstände berücksichtigen, unter denen ein Patient lebt. Diese beiden Grundsätze sind gewissermaßen das Programm von Eike Heinicke und seinen Mitstreitern. Und welche therapeutischen Ansätze und Behandlungsmethoden daraus folgen, stand am Samstag im Mittelpunkt der fachlichen Diskussionen. Und das mit durchaus provokativen Absichten: „Machen Schornsteinfeger mehr Umweltmedizin als Hausärzte?“, fragte zum Beispiel Ortwin Zeis, selbst Hausarzt und Umweltmediziner aus Hermeskeil, in seinem Referat. Die nahe liegende Antwort: Zumindest bei der Verbesserung der Luftqualität haben die Handwerker in Schwarz klar die Nase vorn. Und hier liegt eine weitere Absicht, die der Verein und seine Mitglieder verfolgen – nämlich die Vernetzung der lokalen Gesundheitsversorgung mit anderen Berufen und Qualifikationen vor Ort. „Für uns ist ein Hausarzt eine Art regionaler Gesundheitsmanager“, erläutert Eike Heinicke seine Visionen. „Er berät seine Patienten in Sachen Vorsorge und gesunder Lebensführung. Und er nimmt bei schwereren Krankheiten die Rolle eines Lotsen ein, der den Weg zu den jeweils optimalen Fachmedizinern und Kliniken weist.“ Doch um dieses Zeil zu erreichen, muss es in Zukunft überhaupt noch genug Hausärzte geben – vor allem im ländlichen Raum. Und deshalb veranstaltet der Verein nicht nur Fachkongresse, sondern ist auch politisch aktiv. „Erhalt einer patientennahen medizinischen Versorgung vor Ort durch Hauärzte“ lautet denn auch die erste von sechs Forderungen, die von den Teilnehmern am Samstag in einer Resolution verabschiedet wurden. „Und vielleicht kommt zu einer unserer nächsten Veranstaltung sogar ein Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung“, hofft Eike Heinicke. Eingeladen war die Standesvertretung nämlich zu der Veranstaltung – doch leider nicht gekommen.