Kreis Kaiserslautern Der Aufmüpfige
Ungeduldig, geradeheraus und gerechtigkeitsliebend, so sei er: Bernd Lohrum, über viele Jahre für die SPD im Ortsverein Zweibrücken-Mitte aktiv, ist von den etablierten Parteien enttäuscht. Jetzt will er für den Wahlkreis Pirmasens-Zweibrücken – zu dem auch die Verbandsgemeinden Bruchmühlbach-Miesau, Kaiserslautern-Süd, Landstuhl und Ramstein-Miesenbach gehören – nächstes Jahr in den Bundestag einziehen – für die „Initiative DirektkandidatInnen“, die sich der direkten Mitwirkung der Bürger an politischen Entscheidungen verschrieben hat.
Wenn der 58-Jährige anfängt, über die Politik in Brüssel, Berlin, oder Zweibrücken zu reden und was dort seiner Ansicht nach schief läuft, ist er kaum zu bremsen: Die Bürger würden nicht ernst genommen. Könnten nicht mitreden, mitbestimmen. In der Kommunalpolitik zählten „vernünftige Ideen und Arbeit“ weniger als der Beamtenstatus eines Parteimitglieds. Und immer wieder: Glyphosat, TTIP und Ceta, und zu welchen faulen Kompromissen hier die Volksvertreter in den Parlamenten bereit seien. Der Zweibrücker, in Speyer geboren und in der Westpfalz aufgewachsen, will das ändern: „Wir müssen laut sein und den Leuten auf die Füße treten.“ Daher hat sich Lohrum der Initiative der Musiklehrerin Marianne Grimmenstein aus dem Sauerland angeschlossen. Grimmenstein hat sich als Initiatorin der Bürgerklage gegen das kanadische Handelsabkommen Ceta einen Namen gemacht. Das Ziel der Initiative: Für die Bundestagswahl in möglichst allen 299 Wahlkreisen Deutschlands einen Direktkandidaten zu stellen. Dabei war Lohrums politische Laufbahn über Jahrzehnte klar umschrieben: „Mit 16 war ich bei den Jusos, die übliche Karriere“, erzählt er. Ab Mitte der 2000er war er mehrere Jahre Sektionsvorsitzender im Ortsverein SPD Zweibrücken-Mitte. Doch als Mitglied einer etablierten Partei, die sich das Thema soziale Gerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben habe, sei er immer wieder enttäuscht worden. Bisher habe die vor wenigen Monaten gegründete Initiative für knapp die Hälfte der Wahlkreise einen Bewerber, berichtet Lohrum. Er selbst geht für den Wahlkreis Pirmasens-Zweibrücken ins Rennen. Gegenkandidaten? Bisher keine. „Aber es gibt hier in Zweibrücken noch mehr, die für solche kruden Ideen empfänglich sind“, erzählt der 58-Jährige selbstironisch. Mitglied der SPD ist er nach wie vor – für ihn kein Widerspruch. Und wie ordnet sich die Initiative, die ausdrücklich keine Partei sein will, selbst ein? „Wir sind politisch eher auf der aufmüpfigen Schiene“, beschreibt Lohrum. Betont aber zugleich, dass sie sich von Populisten nicht vereinnahmen lassen wollen. Sie seien einfach „ein kleines Häuflein Anfechter“, das hoffentlich bald im neuen Bundestag sitze. Ein Querdenker mit starkem Unrechtsempfinden, der nicht so recht ins System passt: Das war der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder schon immer. So scheute er etwa nicht davor zurück, sich mit dem Zweibrücker Ordnungsamt anzulegen, als die Ordnungshüter ihr Auto im Halteverbot abstellten. Überhaupt sei sein Lebenslauf kein „kanalisierter Bach“, sondern „renaturiert“, stellt Lohrum augenzwinkernd den Vergleich an. In der väterlichen Versicherungsagentur, in die er nach dem Abitur eingestiegen war, hielt er es nicht lange aus. Auch als IT-Angestellter bei einer Tochter der Metro AG in Saarbrücken wurde er nicht glücklich: „Aus dem Gefühl, dass immer nur die Eigentümer von Entscheidungen profitieren, stieg ich aus.“ Mittlerweile ist Lohrum Zeitungsausträger für die RHEINPFALZ und führt als zertifizierter Wanderführer Schulklassen durch die heimatlichen Wälder. Seine Frau Sabine, Diakonin im Evangelischen Krankenhaus in Saarbrücken, hält ihm finanziell den Rücken frei – und steht hinter ihm, sollte er im nächsten Jahr als Bundestagsabgeordneter halbjährig nach Berlin ziehen. Und was will Bernd Lohrum in der Hauptstadt bewegen? „Ein verbindliches Bürgerbegehren wäre für mich das A und O“, sagt er ohne Zögern. Außerdem will er sich als Direktkandidat so oft wie möglich mit den Bürgern zu Hause austauschen: Dafür sind Bürgerkomitees geplant. Bis dahin gebe es aber noch einiges zu klären, weiß der Zweibrücker und ergänzt: „Unsere Idee ist ja noch ganz frisch.“