Kreis Kaiserslautern Den verschwundenen Millionen auf der Spur

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Wo sind die mehr als sechs Millionen Euro geblieben, die gutgläubige Kunden aus ganz Deutschland einer kleinen Palmöl-Handelsfirma mit Sitz im Landkreis Kaiserslautern anvertraut haben? Diese Frage stand gestern im Mittelpunkt des dritten Verhandlungstages vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts. Angeklagt wegen Betrugs und Konkursverschleppung sind vier Geschäftsleute, davon zwei aus der Westpfalz (wir berichteten).

Wochenlang brüteten offenbar gleich mehrere Beamte des Landeskriminalamts (LKA) über den Geschäftsbüchern des kleinen Unternehmens. Im Sommer 2009 hatten sie die Unterlagen beschlagnahmt, nachdem eine ganze Reihe von Kunden mit Strafanzeigen darauf drängten, ihre zum Teil erheblichen Vorauszahlungen auf die Lieferung von westafrikanischem Palmöl wieder zu bekommen. Ihnen war versprochen worden, den wertvollen Treibstoff für ihre Energieversorgung deutlich unter den Preisen des Weltmarkts zu bekommen.

Doch was die LKA-Fahnder in dem Betrieb vorfanden, bezeichneten ihre Kollegen von der Wirtschaftsprüfung gestern vor dem Landgericht als „ein mittleres Chaos“: keine vollständigen Verträge über die Geschäftsführung vor Ort und die Vereinbarungen mit dem angeblichen Lieferanten des Palmöls an der Elfenbeinküste. „Es gab in weiten Teilen nicht einmal eine nachvollziehbare Buchführung“, berichtete der damals zuständige Kriminalkommissar den verblüfften Richtern. „Stattdessen fanden wir eine Vielzahl von Bargeld-Entnahmen, deren Verwendung wir nicht nachvollziehen konnten.“

Ein großer Teil dieses Bargelds, so die Mainzer Ermittler, floss offenbar auf verschwiegenen Pfaden in Richtung Elfenbeinküste. „Dafür sprechen die zahlreichen Belege der Western-Union-Bank, die wir in den Unterlagen gefunden haben.“ Schließlich sollten dort mit Hilfe eines Schweizer Geschäftsmanns, der ebenfalls jetzt in Kaiserslautern vor Gericht steht, Palmöl-Plantagen und eine Ölmühle gebaut werden. Ob die Überweisungen aus Deutschland jedoch jemals in die Fertigstellung des Projekts flossen, ist bisher unklar.

Gleichwohl statteten sich die beiden Unternehmer aus der Westpfalz, die ihren Kunden erfolgreich die Vorauszahlungen in Millionenhöhe abnahmen, mit durchaus großzügigen „Beraterverträgen“ aus. „Jeweils 4000 Euro brutto pro Monat“ hätten sie für ihre Tätigkeit berechnet, fanden die Ermittler heraus. Dazu teure Leasingverträge für repräsentative Autos, die auf Kosten der Firma gingen. Und selbst der Verlobten eines der beiden „Berater“ wurden offenbar ausstehende Krankenkassen-Beiträge von Firmenkonten beglichen, obwohl sie als gelernte Friseuse nichts mit dem Palmöl-Handel zu tun hatte.

Am Ende seiner Recherchen stand für das LKA fest: Den Vorauszahlungen der Kunden stand zu keinem Zeitpunkt die Lieferung von eigenem Palmöl gegenüber. „Und selbst wenn das Geschäftsmodell funktioniert hätte, wären nach den abgeschlossenen Verträgen rund 20.000 Tonnen monatlich an Kunden in ganz Deutschland zu liefern gewesen“, rechnete ein Ermittler dem Gericht vor. „Dafür gab es in dem Unternehmen, das in einem normalen Wohnhaus residiert, weder die logistischen noch die personellen Kapazitäten.“

Als die Polizisten ihre Ermittlungen abgeschlossen hatten, fanden die Palmöl-Träume ein Ende: Der Insolvenzverwalter übernahm das Regiment. Sein Fazit gestern vor Gericht: „Forderungen in Höhe von mehr als acht Millionen Euro stand ein angeblicher Kassenbestand von 240.000 Euro gegenüber. Und selbst diese Summe haben wir nirgends gefunden.“ Das Konkursverfahren wurde „mangels verwertbarer Masse“ eingestellt, die Gläubiger gingen leer aus.

Der Prozess wird am 14. April fortgesetzt. (mibo)

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