Frankenstein / Reichenbach-Steegen
Das steht auf der Agenda der neuen Ortsbürgermeister
Ein Anruf an einem Sonntagmorgen hat Hans Jörg Nett vor 20 Jahren dazu gebracht, politisch aktiv zu werden. Damals war Manfred Petry am Apparat und überzeugte den Mittzwanziger, sich für die FWG für die Gemeinderatswahl aufstellen zu lassen. Nett sagte zu, wurde Mitglied und kurz darauf in den Rat gewählt. Seit diesem Zeitpunkt bringt er sich ein, zunächst als Abgeordneter, von 2013 an als Erster Beigeordneter und damit als Stellvertreter des Ortsbürgermeisters Eckhard Vogel. Nun folgt er seinem Parteifreund nach. 80 Prozent der Frankensteiner Wähler gaben ihm ihre Stimme.
Die Abläufe an der Ortsspitze sind dem mittlerweile 46-jährigen Frankensteiner also nicht fremd. Dennoch empfindet er die Fußstapfen, in die er tritt, als groß. Vogel habe viele Kontakte zu verschiedenen Gremien und Institutionen gehabt. Sich selbst ein solches Netzwerk aufzubauen, noch dazu im Ehrenamt, sei eine Herausforderung, findet der staatlich geprüfte Maschinenbautechniker, der bei der Firma Adient in Kaiserslautern in der Entwicklung arbeitet.
Herausfordernd sind auch die Aufgaben, die auf den neuen Ortschef warten. Denn in Frankenstein müsste einiges dafür getan werden, die Gemeinde wieder attraktiver zu machen. Zwar kann Nett sich im Gemeinderat auf eine starke FWG-Fraktion verlassen, die neun der zwölf Sitze innehat, es fehlt jedoch das Geld, um dringend anstehende Sanierungen anzugehen. So ist seit eineinhalb Jahren die Heizungs- und Lüftungsanlage in Bürgerhaus und angrenzender Turnhalle defekt. Der Austausch scheiterte aber bislang an der schlechten Finanzlage. Hoffnung macht Nett die Ankündigung des rheinland-pfälzischen Innenministers Michael Ebling, dass 308.000 Euro an Fördermitteln dafür zur Verfügung gestellt würden. „Der Förderbescheid liegt aber noch nicht vor“, sagt Nett, daher kenne er noch nicht die genauen Förderbedingungen. Sobald diese jedoch klar seien, gehe es mit dem Einbau einer neuen Anlage los. Denn für Nett steht fest: Das Ensemble in der Ortsmitte „ist das Herzstück der Gemeinde“. Es müsse jede Anstrengung unternommen werden, es zu erhalten.
Brandschutz ein Thema
Einen richtigen Schub für den Ort erhofft sich der neue Ortsbürgermeister, der selbst Vater zweier kleiner Töchter ist, von der geplanten Draußen-Schule, die ein Verein in Frankenstein etablieren möchte. Die Finanzplanung liege auf dem Tisch, im Schuljahr 2025/26 könnte der Betrieb starten. Zwar soll der meiste Unterricht im Freien stattfinden, einen Stützpunkt in Form eines überdachten Klassenzimmers aber wünschen sich die Betreiber. Den könnte die Gemeinde im ehemaligen Grundschulgebäude zur Verfügung stellen. Zuvor müsse die alte Schule allerdings noch brandschutztechnisch auf den neuesten Stand gebracht werden. Darum will er sich so schnell wie möglich kümmern, denn: „Es hat höchste Priorität, dass Frankenstein wieder eine Schule bekommt.“ Gelinge es dann noch, die protestantische Kindertagesstätte Zwergenstube als Biosphärenkindergarten auszuweisen, könnte das junge Familien in den Ort locken. Auf der Vorrangliste nicht ganz so weit oben steht in Zeiten klammer Kassen der Bau eines Wasserspielplatzes oder Generationenparks auf dem alten Postplatz. Dem FWG-Mann wäre es aber schon ein Anliegen, dieses Vorhaben, das die Lebensqualität steigern würde, umzusetzen.
Ob er bei all diesen Projekten künftig noch viel Zeit haben wird, seinen Hobbys, dem Wandern, Radfahren und Lesen, nachzugehen, bezweifelt Nett. Sein Telefon aber könnte nun noch häufiger als zuvor klingeln, schließlich ist er jetzt der erste Ansprechpartner für die Bürger.
Alles lief glatt
Die konstituierende Sitzung des Gemeinderates, in der sie in ihr Amt als Ortsbürgermeisterin von Reichenbach-Steegen eingeführt wurde, erlebte Kathrin Wolf Anfang Juli. Am Mittag davor sei sie noch gelassen gewesen, aber dann war die Premiere, die über 40 Bürger verfolgten, doch „sehr aufregend“, erzählt die 35-Jährige. Es lief aber alles glatt. Der Übergang zwischen ihrem Amtsvorgänger Dirk Wagner, der bei der Kommunalwahl nicht mehr angetreten war, und ihr sei in der Sitzung fließend gewesen, findet Wolf.
Am 9. Juni war die Fachleiterin am Studienseminar für Grundschulen als parteilose Einzelkandidatin angetreten. Schon im ersten Wahlgang kam sie auf 54,5 Prozent der Stimmen und ließ ihre zwei Mitbewerber Günter Albrecht (FWG) und Sascha Metzger (Unser Ort) hinter sich. Hat sie das erwartet? „Ich persönlich ja“, meint sie als „durch und durch positiv gestimmter Mensch“. Im Wahlkampf habe sie zudem viel Zuspruch aus dem Dorf erfahren, wo sie mit ihrem Bollerwägelchen unterwegs war. Dabei auch mit im Gepäck: selbst gebackene Kekse in Wolfsform. 1700 Stück hat sie letztlich an den Mann und die Frau gebracht. Die Wählergruppe Wolf, bei der sie auf Platz eins der Gemeinderatsliste stand, hat mit neun Sitzen die Mehrheit in dem Gremium. FWG und Unser Ort konnten jeweils drei Mandate erringen, die CDU eines. Mit Blick auf die Wähler sagt sie deswegen: Es sei offenbar so gewollt, dass man nicht auf der Parteischiene fahren, sondern gemeinsam an einem Strang ziehen solle. Den Erfolg ihrer Wählergruppe erklärt sie unter anderem damit, dass es offenbar eine Personenwahl gewesen sei. Etliche bekannte Gesichter befänden sich darunter, die zum Teil schon zuvor im Rat gesessen hätten oder in Vereinen engagiert gewesen seien.
Zu den bekannten Gesichtern im Ort zählt die 35-Jährige auch selbst, die bislang noch nicht kommunalpolitisch aktiv gewesen ist. Fast ihr ganzes Leben lang war sie in Reichenbach-Steegen zuhause, lebt mittlerweile in einem Anbau an das Elternhaus. Das Dorf sei für sie die „absolute Heimat“, für sie gebe es keinen ähnlich schönen Platz, sagt Wolf, die mit ihrem Mann gerne reist. Jahrelang war sie als Vereinstrainerin aktiv. In der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit engagiert sie sich, ist Presbyterin, die bald ihre Lektorenausbildung abschließt, und hat einen Generationentreff gegründet. „Ich bin gerne beschäftigt, einen leeren Terminkalender finde ich schlimmer als einen vollen“, sagt Wolf, die mit ihrem Mann auch gerne Fahrrad fährt, zuhause an Geräten Sport macht. Familie, Freunde und die zehn Patenkinder nehmen ebenfalls einen wichtigen Teil im Leben der beiden ein.
Ideen gesucht
Der Kalender der Ortsbürgermeisterin wird mit Sicherheit nicht leer bleiben. Die Kindertagesstätte werde eines der Projekte sein, die sie mit als Erstes beschäftigen, meint Wolf. Da geht es nicht nur um die mögliche Anbindung an den Kita-Zweckverband von Erzenhausen, Kollweiler und Schwedelbach, sondern auch um die Erweiterung der Einrichtung. Als Interimslösung ist angedacht, erst einmal einige Container aufzustellen, um genug Platz zu schaffen. Der Glasfaser-Ausbau ist ein weiteres Thema, das Wolf nennt. Und dann gibt es noch das Musikantenlanddorf, als das Reichenbach-Steegen im Rahmen des Trafo-Projekts Westpfälzer Musikantenland nominiert wurde. Ziel ist es dabei, mehr kulturelle Beteiligung in den jeweiligen Orten zu generieren, rund um Musik, Kultur und Toleranz. Unter dem Titel „KulTour“ fand in Reichenbach-Steegen schon ein Dorfspaziergang statt. Das Musikantenlanddorf-Konzept soll nun bis Ende des Jahres wieder mit Leben gefüllt werden, sagt Wolf. Zunächst ist aber ein Ideenworkshop anvisiert, bei dem überlegt wird, was noch angegangen werden könnte.
Die Serie
In unserer Serie „Neu im Amt“ stellen wir in loser Folge die Ortsbürgermeisterinnen und Ortsbürgermeister im Kreis vor, die diesen Posten nun ganz neu übernehmen.