Kreis Kaiserslautern Das Kaninchen von Welt trägt Tattoo

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Ohne Hase fehlt was an Ostern. Auch oder gerade in der RHEINPFALZ. Den Osterhasen haben wir nicht gefunden, dafür aber echt knuffige Osterkaninchen. „Moritz“, der Rote Neuseeländer, und eine Schwarzlohfamilie aus der Zucht von Klaus Walgenbach posieren in Bann gekonnt vor der Kamera.

Der Rammler namens „Moritz“, ein Roter Neuseeländer, ist sich seiner Schönheit bewusst. Mal schließt er neckisch die Augen zur Hälfte, mal spielt er lässig mit den Ohren. Die sind kräftig, lang sind sie nicht. Es gibt aber in der Tat Kaninchen mit langen Löffeln. Das ist kein Privileg des Hasen. Ansonsten hat das Kaninchen mit dem Meister Lampe nicht wirklich viel gemein. Zwar gehören beide zu den „Hasenartigen“ und nicht zu den Nagetieren, aber damit hat es sich schon fast mit der Übereinstimmung. Ihre Arten liegen so weit auseinander, dass sie sich nicht einmal kreuzen lassen. Der Feldhase − und einen anderen gibt es bei uns nicht − ist ein rechter Einzelgänger und ein Langstreckenläufer noch dazu. Ihn auf dem Feld zu fangen, ist nicht nur schwer, sondern ganz und gar verboten. Ein Hase als Kuscheltier geht also nicht. Das Kaninchen nimmt das mit dem Kuscheln locker. Allerdings ist es ein geselliges Tier und darf auf keinen Fall allein gehalten werden. Es gibt unzählige Rassen − und die gehen alle aufs Wildkaninchen zurück, ob es das zehn Kilo schwere Riesenkaninchen ist oder der ein Kilo leichte Hoppel-Zwerg. „Moritz“, der Neuseeländer, gehört zu den mittelgroßen Rassen. „Den Namen hat ihm der Enkel gegeben“, gibt Züchter Klaus Walgenbach zu. Namen tragen seine Tiere in der Regel nämlich nicht. Das Kaninchen von Welt − und dazu zählt das Banner Schaukaninchen! − trägt übrigens Tattoo. Im Ohr von „Moritz“ prangen die Nummern 1, 5 und 14. Hat alles seine Bedeutung: Die 1 steht für den Januar, den Geburtsmonat; die 5 ist das Ende des Geburtsjahrs 2015; die 14 ist die Zuchtbuchnummer. Das wäre geklärt, was die Frage nach dem Kochtopf folgen lässt. „Er ist der Vater aller jungen Neuseeländer im Stall, der erhält das Gnadenbrot“, muss Walgenbach lachen. Gut, bis zum Gnadenbrot hat er noch ein bisschen hin, die nächsten vier bis fünf Jahre soll er mal ordentlich für Nachwuchs sorgen. Und Brot muss er dann immer noch nicht fressen. „Heu ist das Brot der Kaninchen.“ Sagt jedenfalls Karl-Heinz Schöpp, ein Kaninchenzüchterkollege, der sich die Fotositzung im Garten der Walgenbachs nicht entgehen lässt. Schöpp berichtet nebenbei, dass er gleich drei Rassen im Stall hat. Ihm gehöre aber nur die Rasse Castor Rex. Für die Enkeltochter füttere er die Rasse der Zwerg-Widder und für den Enkel kümmere er sich um das Deutsche Klein-Widder-Kaninchen. So einen Opa wünschen sich bestimmt viele Kinder. Der Queidersbacher Kaninchenverein, dem Schöpp und auch Walgenbach angehören, ist ob solch generationenübergreifender Stallungen bestimmt auch glücklich. Nur so wächst Vereinsnachwuchs heran. Der 68-jährige Klaus Walgenbach hat auch schon als Sechsjähriger mit der Kaninchenzucht angefangen. Damals auf einem Markt hat er sich in die Rasse der Roten Neuseeländer verguckt, in die Kaninchen mit den breiten Gesichtern. Seitdem begleiten sie ihn, daheim in Bann, im Kaninchenverein Queidersbach, als Vorsitzender im Kaninchenzüchterverband Westpfalz. Im Club der Roten Neuseeländer ist er natürlich auch. Im Gras legt derweil „Moritz“ einen gekonnten Hüpfer hin und zeigt deutlich: Taille besitzt so ein Neuseeländer nicht. Der sieht hinten so breit aus wie vorne. Und so was wie ein Hals ist beim besten Willen nicht einmal zu erahnen. „Genau so soll es sein“, schwärmt der Züchter von diesem Prachtexemplar. Seit etwa zehn Jahren ist mit den Schwarzlohkaninchen noch eine weitere Rasse in Bann eingezogen. Ein Muttertier samt putzigem Sechs-Wochen-Nachwuchs bringen den Beweis: Kaninchen ist echt nicht gleich Kaninchen. Diese Tiere sind kleiner und eleganter als die halslosen Neuseeländer und mit einer wahrhaft reizenden Fellzeichnung versehen. Herrlich. „Zum Kreisverband Westpfalz gehören 17 Ortsvereine und dort werden um die 60 verschiedene Kaninchenrassen gezüchtet“, gibt der Vorsitzende zum Abschied noch einen kleinen stolzen Einblick ins Kaninchengeschehen der Westpfalz. Seien wir jetzt doch mal ehrlich: Wer braucht bei solchen Kaninchen-Zahlen denn überhaupt noch einen Osterhasen?

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