Kreis Kaiserslautern
Das Hermelin: Meister des jahreszeitlichen Fellwechsels
In unseren Breiten zieht das Hermelin, auch Großwiesel oder Kurzschwanzwiesel genannt, seit jeher die Aufmerksamkeit des Menschen auf sich. Besonders beeindruckend ist sein jahreszeitlicher Fellwechsel: Im Sommer hat es die typische Färbung eines Wiesels mit brauner Oberseite und weißer Unterseite. Im Winter hingegen ist es – mit Ausnahme der schwarzen Schwanzspitze – vollständig weiß. Die schwarze Schwanzspitze, die es auch im Sommer behält, unterscheidet das Großwiesel vom Mauswiesel.
Wie Alfred Klein, Mitglied des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) Rodenbach, berichtet, lässt sich das Hermelin regelmäßig im Bereich des Samuelshofes, des Krauser-Bruches und des Rischbachtales zwischen Weilerbach und Eulenbis blicken. Dem Naturfotografen Alexander Weis gelangen Aufnahmen dieser scheuen Tiere sowohl im Sommer- als auch im Winterfell.
Mancherorts wird das Fell nicht gewechselt
Das Hermelin gehört zur Familie der Marder und ist in den gemäßigten und subarktischen Zonen Asiens, Nordamerikas und Europas (ausgenommen Südeuropa) verbreitet – bis in Höhen von über 3000 Metern. Der Fellwechsel ist allerdings nicht überall zu beobachten: In wärmeren Regionen bleibt das Hermelin ganzjährig braun-weiß, während es im hohen Norden stets das weiße Winterfell trägt.
Das sehr anpassungsfähige Hermelin bevorzugt als Lebensräume abwechslungsreiche, wassernahe Landschaften mit Wiesen, Feldern, Hecken und kleinen Feldgehölzen. Es ist jedoch auch in Siedlungsgärten anzutreffen und meidet größere zusammenhängende Waldgebiete weitgehend.
Mäuse sind ihre Leibspeise
Außerhalb der Paarungs- und Aufzuchtzeit leben die Großwiesel einzelgängerisch. In der warmen Jahreszeit sind sie sowohl tag- als auch dämmerungsaktiv, im Winter hingegen eher dämmerungs- und nachtaktiv. Sie jagen vor allem Mäuse, Ratten, Maulwürfe und Kaninchen, die sie meist mit einem Biss in den Nacken töten und in ihren Bau tragen. Bei Nahrungsknappheit fressen sie auch kleinere Vögel, Reptilien, Fische und Insekten und holen gelegentlich Eier aus Geflügelställen. Die Populationsdichte der Hermeline hängt hauptsächlich vom Beutetierangebot, insbesondere vom Vorhandensein von Scher-, Erd- und Feldmäusen ab.
Die Paarungszeit, in der Jägersprache Ranz genannt, ist von April bis Juli. Mit einer Tragzeit – einschließlich Eiruhe – von acht bis zwölf Monaten zieht sich die Wurfzeit von Februar bis Juli hin. Die Jungen, meist vier bis acht, werden bis zur siebten Woche gesäugt und nehmen bereits ab der vierten Woche feste Nahrung auf. Ob sich die Rüden an der Aufzucht des „Gehecks“ beteiligen, ist bislang ungeklärt. Ab Herbst sind die Jungtiere selbstständig.
Experte stellt Bejagung infrage
In Rheinland-Pfalz ist das Hermelin – im Gegensatz zum Mauswiesel – auf der Liste der jagdbaren Tiere enthalten und darf vom 1. August bis zum 28. Februar bejagt werden. Im Jagdjahr 2023/24 wurden im Landkreis Kaiserslautern fünf Hermeline als erlegt und drei als verkehrstot registriert. Die Kürschnerei Leonhard Hofstetter im bayerischen Rötz zahlt derzeit je nach Qualität einen bis vier Euro für einen Hermelin-Winterbalg – das bietet kein großer Anreiz für die Jagd auf die weißen Mäusejäger.
Nach Ansicht des früheren Berufsjägers und Jagdschriftstellers Bruno Hespeler hält sich der Schaden durch die kleinen Räuber in sehr engen Grenzen. Er stellt daher die Jagd auf das Hermelin grundsätzlich infrage und lehnt insbesondere dessen Fang mit der Wippbrettfalle ab, da diese seiner Ansicht nach nicht tierschutzgerecht ist. Die Natur lasse die Anzahl der Großwiesel auch ohne jägerische Eingriffe „nicht in den Himmel wachsen“. Neben zahlreichen natürlichen Feinden wie Katze, Fuchs, Marder, Habicht, Krähe, Kolkrabe, Steinadler und Parasiten begrenzt auch der Mensch durch die Vergiftung von Mäusen die Bestände, so Hespeler.
Von da Vinci ein Denkmal gesetzt
Obwohl es weitaus wertvollere Pelze gibt, wurde das Hermelin in früheren Zeiten wegen seines weißen Winterbalges gejagt. Seit dem ausgehenden Mittelalter wurden Teile des Königsornats oft mit Hermelinfell ausgefüttert oder verbrämt. Das „reine Weiß“ des Winterfells symbolisiert Reinheit und Makellosigkeit und machte das Hermelin zum Zeichen moralischer Lauterkeit und Ehrenhaftigkeit. Auch heute tragen Monarchen, Mitglieder des Hochadels sowie weltliche Amts- und kirchliche Würdenträger bei besonderen Anlässen Hermelinbesätze an ihren Roben, wie bei der Krönung des englischen Königs Charles III. am 6. Mai 2023. In der Kunst hat Leonardo da Vinci mit seinem Gemälde „Dame mit Hermelin“ dem Großwiesel im weißen Winterfell ein Denkmal gesetzt.