Kreis Kaiserslautern
Das Ersatzprogramm der Karnevalsvereine
„Das zweite Jahr ist eigentlich fast schlimmer als das erste Jahr. Denn damals war sehr früh klar, dass Fastnacht 2021 nicht stattfinden wird“, gesteht Jürgen Lesmeister, Präsident des Karnevalvereins Bruchkatze Ramstein. Für die aktuelle Saison war schon viel vorbereitet. Dann musste im Januar alles gekippt werden. Es war eine große Enttäuschung.
Online Prunksitzung
Um doch noch einen Teil des Programms präsentieren zu können, haben sich die Bruchkatzen etwas einfallen lassen. Mit dem Produzenten Stefan Schröder vom Offenen Kanal Kaiserslautern wurde im Congress Center Ramstein eine digitale Prunksitzung aufgenommen. Viele der Tanzgarden und Musiker seien dabei gewesen und glücklich angesichts dieser Möglichkeit. Obgleich es sich ohne anwesendes Publikum komisch angefühlt habe, meint der Präsident, der zusammen mit Büttenredner und Hofnarr Andreas Franz und der amtierenden Prinzessin Lisa I. die Sitzung moderierte. Zu sehen seien Ausschnitte aktuell beim Offenen Kanal und auf Instagram, YouTube und Facebook. Prinzessin Lisa leidet ebenso unter mangelnden Einsätzen. Ein Höhepunkt jeder Tollität sei immer der Ball der Prinzessinnen in Bad Dürkheim. In der Hoffnung, dass er nächstes Jahr stattfinden kann, wurden die Vereinsregeln gelockert und die eigentlich einjährige Amtszeit der Prinzessin um ein weiteres Jahr verlängert.
Die Bruchkatzen versuchen das Bestmögliche aus der Situation zu machen, auch um den finanziellen Schaden in Grenzen zu halten. Vergangenen Samstag gab es „Leberknödel to go“ an der Narrhalla in Ramstein. Eine „Faschingstüte“ zum Preis von 11,11 Euro gibt es direkt beim Verein oder in Geschäften wie dem Edeka-Markt. Der Inhalt: ein Piccolo, ein Bierchen, Brezeln, Süßes, Konfetti, Luftballons, eine rote Nase und noch ein paar Sachen mehr, mit denen man Fastnacht auch zuhause feiern kann.
Straße umbenennen
Bürgermeister Ralf Hechler (CDU) hatte aus Sicherheitsgründen die Rathausstürmung der Hexen an Altweiberfasching abgesagt. Dafür erlaubt er sich einen anderen Fastnachtsspaß. Da zwei der bisherigen Prinzessinnen in derselben Straße wohnen, wird Hechler diese am Donnerstag, 24. Februar, um 11.11 Uhr kurzzeitig in Prinzessinnenstraße umbenennen. Dafür wird extra ein Schild angebracht.
Im anderen Stadtteil sind die Miesenbacher Vielläppcher umtriebig – die Karnevalsabteilung des Unterhaltungsvereins Miesenbach. „Nach der Fastnacht ist vor der Fastnacht“, meint Michael Schönborn, der Sitzungspräsident und Leiter der närrischen Abteilung. Nachdem auch die Vielläppcher fest mit der Durchführung aller Faschingsfestivitäten gerechnet hatten, seien vor allem die Tanzgarden und Schautanzgruppen seit April schon fleißig am Trainieren gewesen. Nun sei die Enttäuschung groß.
Kaffee und Kuchen am Brunnen
Die Vielläppcher trösten sich an den närrischen Tagen mit Fahrten zu anderen Veranstaltern. Am Samstagabend steht ein Besuch bei den Starlight-Divas in Wiebelskirchen an – Tanzmariechen Lara Schuff hat dort einen kleinen Auftritt. Am Sonntag geht es zum Verein „Die Daaler“ in Neunkirchen zu einer karnevalistischen Freiluftveranstaltung. Für Rosenmontag, 11.11 Uhr, wird Bürgermeister Ralf Hechler am Impfbus in Ramstein zur Erfüllung des Proklamationspunktes von Prinzessin Jaana I. erwartet. Am Samstag verkaufen die Vielläppcher ab 10 Uhr Kaffee und Kuchen am Gänse-Anna-Brunnen in Miesenbach. Der Erlös ist für die Flutopfer im Ahrtal bestimmt. Für die eigenen Finanzen möchte der Verein im Sommer wieder etwas tun. „Wir hoffen, dass wir im Juni endlich wieder unser Seewoogfest durchführen können“, sagt Schönborn. Am Faschingsdienstag steht ein kleiner Empfang des Bürgermeisters im Rathauskeller an.
Sinika Walter-Haselbauer, Präsidentin des Unterhaltungsvereins Bruchmühlbach (UVB), war bis Anfang Januar noch guter Dinge, irgendetwas auf die Beine stellen zu können. Wenn schon keine Prunksitzung, dann „das Rad neu erfinden“. „Ich war voller Tatendrang“, sagt die Präsidentin. „Umso größer war die Enttäuschung, als alles abgesagt wurde. Sehr schade für alle Aktiven, die schon seit Monaten geübt haben, aber Gesundheit geht nun mal vor und wir tragen auch eine große Verantwortung.“ Sie habe schon alles geplant, von der Terminierung bis zur Hallen- und Technikbuchung. Sie hätte sich auch zugetraut, kurzfristig alles an aktuell geltende Corona-Vorschriften anzupassen, aber das wäre nicht befriedigend gewesen. „Eine Saalfastnacht mit Masken, Abstand, 80 Personen im Saal, ohne Schunkeln, Bar und Feiern – das wollte ich niemandem antun.“ Dennoch lässt sie sich nicht unterkriegen.
Bingo im Vereinsheim
Also hat sie sich für die närrischen Tage einiges einfallen lassen. Am Altweiberdonnerstag gibt es eine Fastnachtsgaudi mit Bingo, Essen und Getränken im Vereinsheim. Einen Umzug durch den Ort mit Prinzessin Tabea I. gibt es am Sonntag. Am Rosenmontag findet dann etwas Besonderes für die Kinder statt. Zuerst besucht eine Delegation mit der Prinzessin zwei Kindergärten. Danach werden 50 angemeldete Kinder jeweils zuhause besucht. Diese sollen dann verkleidet an der Haustür stehen, um sich an Bonbons, Konfetti, kleinen Spielsachen und Faschingsmusik erfreuen zu können. Außerdem laufe eine Verkleidungsaktion. Dafür kann sich jeder zuhause kostümieren, schminken und ein Schild mit der Aufschrift „UVB – gemeinsam werden wir das schaffen“ malen. Danach heißt es: Schild halten, Foto machen und an den Verein mailen. Die Prinzessin lost aus den Zusendungen die Gewinner aus, die sich dann auf Preise freuen dürfen. Zum Abschluss heißt es an Aschermittwoch „Heringe to go“ – zum Abholen oder per Lieferung nach Hause. Um die Verluste etwas auszugleichen und sich nützlich zu machen, hat die Präsidentin zusammen mit vielen freiwilligen Helfern ein Corona-Testzentrum im Vereinsheim eröffnet. Trübsal blasen gibt es bei echten Narren eben nicht.