Kreis Kaiserslautern
Corona-Kontaktverbot für Senioren eine besondere Belastung
„Diejenigen, die noch verstehen, was gerade passiert, gehen sehr souverän mit der Situation um“, sagt Thomas Barz, Geschäftsführer der Senium Seniorenhilfe GmbH in Otterbach. Auch die Angehörigen der 77 Bewohner hätten großes Verständnis für die Regelung, vor allem nachdem die Zahlen der an Corona Infizierten nach oben geschnellt seien. „Viele telefonieren jetzt mehr mit ihren Angehörigen“, sagt Barz. Nicht viele, aber immerhin ein kleiner Teil der Senioren habe ein Handy und habe sich von den Enkeln erklären lassen, wie ein Videoanruf funktioniert.
Ausländische Betreuer gehen heim
Mehr Sorgen als seine Bewohner machen dem Heimleiter dagegen derzeit die alten Menschen, die durch den ambulanten Dienst betreut würden. „Derzeit bekommen wir viele Anfragen von Angehörigen, weil die ausländischen Betreuer, die ihre Eltern bisher versorgt haben, jetzt wegen der Corona-Krise das Land verlassen“, weist Barz auf ein weiteres Problem hin. Wegen der dünnen Personaldecke könnten die ambulanten Dienste diese Abwanderung nämlich nicht so schnell ausgleichen.
„Mit einigen Bewohnern mussten wir schon zweimal reden, bis sie verstanden haben, dass diese Regelung zu ihrem Schutz dient“, schildert Michael Nickolaus, der Geschäftsführer des Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes, das Seniorenheime in Queidersbach, Ramstein und Weilerbach betreibt, die Situation. Die Angehörigen hätten dagegen mit sehr viel Verständnis reagiert. Seit einer guten Woche sind die DRK-Heime für Besucher geschlossen. „Wir haben relativ früh reagiert und die Todesfälle in dem Würzburger Seniorenheim haben uns darin bestärkt, dass diese Maßnahme richtig war“, sagt Nickolaus, der betont, dass er der Heimleitung dort aber keine Vorwürfe machen will.
Damit die Bewohner ihre Angehörigen auch mal sehen können, wird derzeit geprüft, ob in jedem der Häuser Skype eingerichtet werden kann. Aber auch wenn diese technischen Hilfsmittel die Sehnsucht etwas lindern könnten: Der DRK-Kreisverbandsgeschäftsführer kann sich nicht vorstellen, das Besuchsverbot über Wochen hinweg aufrecht erhalten zu können. Gerade für die Osterfeiertage müsse man sich etwas überlegen. „Wenn die Situation es zulässt, könnten wir darüber nachdenken, ob es vertretbar ist, an einem Tag einen Angehörigen pro Besucher zuzulassen“, formuliert es Nickolaus sehr vorsichtig. Festlegen lassen wolle er sich derzeit nicht. „Wenn es bei uns so kommt, wie in Italien, dann geht es nicht.“
Trotz der belastenden Situation seien die Mitarbeiter sowohl in den Heimen als auch bei der ambulanten Betreuung sehr motiviert, lobt Nickolaus. Falls dort jemand ausfalle, könne man auf einen Springer-Pool zurückgreifen.
Abgeschiedenheit kein Nachteil
„Dass wir so abgeschieden liegen, ist in dieser Situation kein Nachteil“, sagt Dieter Müller, Leiter des Alten-, Pflege- und Übergangsheim Schernau bei Martinshöhe. Viel Besuch bekämen die Bewohner der Schernau, die sich jetzt mit sozialen Medien ablenkten, generell nicht. Wer noch mobil sei, finde auf dem großen Gelände ausreichend Platz, um sich die Beine zu vertreten. Spaziergänger würden seit über einer Woche mit Schildern darauf aufmerksam gemacht, dass sie das Gelände nicht betreten dürfen.
Kinoabend und Stammtisch
Neben der Möglichkeit, im eigenen Zimmer zu telefonieren, hat das Haus Edelberg Seniorenzentrum Bruchmühlbach die Angebote für die Bewohner erweitert, teilt Marketing-Managerin Stefanie Wimmer mit. „Das Basteln mit den Bewohnern, den Kinoabend oder Männerstammtisch betreuen unsere Mitarbeiter zum Teil ehrenamtlich nach ihrem regulären Dienst“, schreibt Wimmer. Nötig seien aber auch immer wieder Gespräche mit den Bewohnern, um ihnen die Situation zu erklären. Von den Angehörigen gebe es ein großes Verständnis für die Situation. „Sie haben keine Probleme mit den Maßnahmen, die Ihre Lieben schützen.“ Als Dank für die Pflegekräfte habe ein Verwandter eines Bewohners kürzlich ein Gedicht für die Pflegekräfte übers Telefon vorgetragen. Auch ein Geburtstag sei zumindest ein bisschen gefeiert worden. „Ein Enkel hat einer Bewohnerin vor der Glasscheibe zum Geburtstag gratuliert und ihr Blumen zukommen lassen“, berichtet Wimmer.