Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Charrak Nutrition produziert bald glutenfreie, kohlenhydratarme Produkte im IZW

 Monika und Samir Charrak bauen im Industriezentrum Westrich eine Produktionshalle für ihr Unternehmen Charrak Nutrition GmbH.
Monika und Samir Charrak bauen im Industriezentrum Westrich eine Produktionshalle für ihr Unternehmen Charrak Nutrition GmbH.

Ein glutenfreies und kohlenhydratarmes „Ramsteiner Brot“? Dies will die Charrak Nutrition GmbH möglicherweise tatsächlich bald produzieren. Das derzeit noch in Bobenheim-Roxheim ansässige Unternehmen baut eine neue Produktionsstätte im Ramsteiner Industriezentrum (IZW).

Das von Samir und Monika Charrak gegründete Unternehmen produziert seit sechs Jahren unter dem Produktnamen Dr. Almond Back- und Fertigmischungen für Brote, Gebäck, Teigwaren, Desserts und Müsli. Allein 25 Brotbackmischungen hat das Unternehmen im Programm. „Da wir alle unsere Brote nach Orten genannt haben, mit denen wir etwas verbinden, werden wir uns überlegen, was zu Ramstein passt“, sagt Monika Charrak.

Das Start-up mischte seine ersten Backmischungen zu Hause in einem 20-Quadratmeter-Keller in Friesenheim, bis es seine Produktion nach Bobenheim-Roxheim in ein größeres Wohnhaus verlagerte. Im Ramsteiner Industriegebiet soll jetzt auf der letzten großen Fläche – einem rund 28.000 Quadratmeter großen Areal – eine Lebensmittelfabrik mit Büros und einer Betriebsleiterwohnung entstehen. Rund fünf Millionen Euro investiert das Unternehmerpaar in die Gebäude und die Produktionsanlagen. Der Grundstückskauf inklusive Erschließung und Kanalbeitrag schlug mit über 500.000 Euro zu Buche. Mit knapp 900.000 Euro wird die Neuansiedlung vom Land und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Backmischungen ein Verkaufsschlager

Dass die Backmischungen, die das Unternehmerpaar aus Nordrhein-Westfalen zunächst nur zum Privatgebrauch gemischt hatten, ein Verkaufsschlager werden würden, hätten beide vor ein paar Jahren nicht gedacht. Frisch promoviert hatten die zwei Chemiker bei einem Chemieunternehmen in der Pfalz Arbeit gefunden. Um ihre durch die überwiegend sitzende Tätigkeit angesammelten Pfunde wieder loszuwerden, begann das Paar, seine Ernährung vor sieben Jahren auf eine Low-Carb-Diät umzustellen. Zucker und Stärke, wie sie in Getreide und Kartoffeln vorkommen, meiden die Charraks. Doch Unwohlsein brachte Monika Charrak nach der Ernährungsumstellung darauf, dass „stärkereduzierte Brote viel mehr Gluten enthalten als Standartbrot“. Und auf diesen Weizenkleber führt Charrak ihre Beschwerden zurück.

Die Kombination „Low Carb und glutenfrei“ habe es damals auf dem Lebensmittelmarkt noch nicht gegeben. Weil sie allerdings auf Brot nicht verzichten wollten, tüftelten die beiden Chemiker schließlich an ihrem eigenen Brot. Nach rund 500 Versuchen hatten die beiden schließlich eine Backmischung erfunden, die nur wenige Prozente Kohlenhydrate und kein Gluten enthält und – mit Wasser verrührt und gebacken – die gewohnte Konsistenz hat und auch schmeckt. „Die wichtigsten Zutaten sind entölte Mehle aus Nüssen, Kernen und Ölsaaten“, so die Charraks.

Nachdem ihnen das Brot so gut gelungen war, kam dem Paar die Idee, die Backmischung auch zu vermarkten. Schnell habe sich die Sache in Low-Carb-Kreisen herumgesprochen und eine große Nachfrage erfahren.

Rund 80 Mischungen im Angebot

Inzwischen stellt das Unternehmen, das am Standort Bobenheim-Roxheim vier Mitarbeiter beschäftigt, rund 80 Mischungen her: vornehmlich für Brot, Kuchen, Pasta und Desserts. Rund 60.000 Kunden im In- und Ausland und eine Internetcommunity mit zurzeit 113.000 Followern hat das Unternehmen laut Samir Charrak. „Wir sind in den vergangenen Jahren stetig gewachsen“, möchte er nicht mehr zu den Umsatzzahlen verraten. Um die wachsende Nachfrage zu bedienen, sei die Erweiterung in Ramstein jetzt dringend an der Zeit.

Gelagert wird die Ware in Viernheim. Von dort wickelt ein Logistikunternehmen die online eingegangenen Bestellungen ab und versendet die Produkte an die Endverbraucher. Das werde auch so bleiben, wenn die Produktion im Herbst kommenden Jahres in Ramstein anlaufe, sagt Samir Charrak. Dort sollen in den Anfangsjahren 30 bis 40 Arbeitsplätze entstehen, unter anderem für Laboranten, Produktentwickler, IT-Fachkräfte, Produktionshelfer, Kaufleute, Vertriebsmitarbeiter, Ernährungswissenschaftler und Lebensmittelchemiker.

Sorge, in der Region genügend Fachkräfte zu finden, hat das Paar weniger. Mit der Nähe zu den Universitäten in Kaiserslautern und Homburg sehe man sich gut aufgestellt, zumal vor allem Kräfte für die Produktion gesucht würden. Man sei auch offen für Quereinsteiger. Samir Charrak: „Das wird sich finden, die Mitarbeiter werden sich einarbeiten. Denn es macht uns großen Spaß, anderen Menschen die Dinge zu erklären.“

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