Kreis Kaiserslautern Burgturm entern und Fahne hissen

Das persönliche Ziel erreichen und sich im Wettkampf mit anderen messen – mit diesem Vorsatz traten die Teilnehmer des jährlichen Sportfests für Menschen mit Behinderungen am Donnerstag in Ramstein an. Ausrichter waren die Westpfalz-Werkstätten Landstuhl, deren Staffellaufriege ganz oben auf dem Siegertreppchen landete.
Spannung liegt in der Luft. Kaum einer, der es nicht erwarten kann, dass endlich der Startschuss fällt. Während die einen sich in Grüppchen Mut zusprechen, wärmen sich andere bereits auf. Mit Dehn- und Lockerungsübungen, die fit für den Einsatz machen sollen. 16 Werkstätten aus dem südlichen Rheinland-Pfalz sind zum großen Ereignis auf der Sportanlage in der Schernauer Straße angereist und gehen mit insgesamt 230 Teilnehmern an den Start. Unterstützt werden sie von ihren Trainern und Betreuern, aber auch von 80 Schülern des örtlichen Gymnasiums, der Realschule plus und der Berufsfachschule Prof. König & Leiser, Kaiserslautern. Die Beteiligung ist für Sonja Tophofen, Direktorin des Ramsteiner Gymnasiums, eine Selbstverständlichkeit. „Ein wichtiger Punkt unseres Schulprofils ist es, soziale Verantwortung zu übernehmen“, sagt sie bei einem Rundgang über den Sportplatz. „Deshalb haben wir auch eine Miteinander-AG gegründet, die mit der Förderschule der Reha Westpfalz kooperiert.“ Ihr Leiter ist Martin Hauter, Lehrer für Geschichte, Deutsch und Latein. „Der Arbeitsgruppe gehören 15 bis 20 Mädchen und Jungen an. Sie unternehmen mit Schülern der Förderschule Ausflüge, gehen gemeinsam klettern oder wandern und veranstalten Grillfeste. So haben wir spontan zugesagt, als die Westpfalz-Werkstätten bei uns um Unterstützung angefragt haben.“ Prompt wird die AG um Schüler der neunten, zehnten und zwölften Klasse erweitert. 45 ehrenamtliche Helfer, die im Vorfeld vom Projektteam der Werkstätten auf ihren Einsatz vorbereitet wurden. Einer von ihnen ist Marius Staudt. „Ich finde es toll, beim Sportfest mithelfen zu können“, erklärt er und hat ebenso wenig Berührungsängste im Umgang mit den beeinträchtigten Teilnehmern wie Schüler Max Kühner. „Für mich ist das nichts Neues. Ich habe schon im Rahmen des Konfirmandenunterrichts ein Praktikum in den Siegelbacher Werkstätten absolviert.“ Und so stoppen die Schüler unermüdlich die Zeiten beim Wettlauf, messen die Weitsprünge und sammeln die Bälle beim Weitwurf ein. So wie Jessica und Joshua von der Realschule plus. Sie finden es „cool, dass es solche Veranstaltungen gibt. Und auch, dass die Menschen trotz ihrer Behinderung so selbstständig sind. Viele haben ja einen Beruf und verdienen ihr eigenes Geld.“ Erkenntnisse, die beide von einem Sozialpraktikum in den Westpfalz-Werkstätten mitbringen. „Das war für die Schüler eine wichtige und positive Erfahrung. Sie haben schnell anfängliche Unsicherheiten abgebaut und gelernt, ganz normal und unbefangen mit beeinträchtigten Menschen umzugehen“, sagt Lehrerin Karin Stolz. Währenddessen leisten andere Schüler Hilfestellung beim Parcours der Rollstuhlfahrer. Der hat’s in sich und erfordert viel Geschick. „Macht aber auch Spaß“, meint Alexandra Illgen, die erfolgreich alle Stationen meistert. Vom Slalom, über die Wippe und das Zielschießen bis hin zur letzten Herausforderung: das Einparken auf engstem Raum. Wer es schafft, die Bucht in Form eines mittelalterlichen Burgturms zu entern, darf zur Belohnung die Fahne hissen. Die Wettkämpfe sind über das gesamte Sportgelände verteilt. „Die Riegen messen sich in den unterschiedlichsten Disziplinen. Vom 50- bis zum 400-Meterlauf ist alles dabei. Dazu kommen die Sprints für die Rollstuhlfahrer, Weitwurf und -sprung, Kugelstoßen, Hindernis- und Geschicklichkeitsparcours“, zählt Dieter Rauland auf. Er ist Fachdienstleiter der Landstuhler Betriebsstätte und als Mitglied des Organisationsteams ein gefragter Mann. Höhepunkt des Sportfests ist die Ehrung der Staffellauf-Gewinner durch die Bahnrad-Weltmeisterin und Olympiasiegerin Miriam Welte. Gemeinsam mit Verbandsbürgermeister Klaus Layes überreicht sie den drei besten Mannschaften die silbernen Pokale. Ganz oben aufs Podest hat es die Riege der Westpfalz-Werkstätten Landstuhl geschafft, gefolgt von den Ludwigshafener Werkstätten Schifferstadt auf Rang zwei und Oggersheim auf dem dritten Platz – allesamt strahlende Sieger.