Kreis Kaiserslautern Blaue Erdäpfel und rosa Tannenzapfen
Zum gemütlichen Bummeln über den Wendelinusmarkt war der Samstagnachmittag bestens geeignet. Rund um den Marktbrunnen in der Ramsteiner Innenstadt hatten rund 70 Beschicker ihre Stände aufgebaut. In aller Ruhe konnten die Besucher das Angebot in Augenschein nehmen. Teils waren die Händler zufrieden, teils nicht. Vom Sonntag, an dem auch die Geschäfte nachmittags geöffnet sind, versprachen sie sich mehr Andrang.
Dort, wo am Vorabend beim Oktoberfest noch Halligalli geherrscht hatte und noch am Morgen der Markt mit Tiersegnung und Fassanstich eröffnet worden war, klappert jetzt Geschirr. Das Festzelt auf dem Prometheusplatz ist geschlossen. Drinnen sind die Vorbereitungen für die nächste Sause am Abend in vollem Gange. Eine Passantin lugt durch die verschlossene Eingangstür ins Innere. Kein Trubel herrscht hier, die Bänke stehen auf den Tischen. Vorm Rathaus lassen sich zwei junge Fahrgäste im Feuerwehrauto des Karussells im Kreis chauffieren und am Stand daneben versucht sich ein Mädchen im Pfeilwerfen. Links und rechts in Richtung Marktplatz bieten die Händler Holzarbeiten, Metallfiguren und Handarbeiten an. Die Menschen schlendern gemütlich entlang der Passage, lassen ihre Blicke über die Auslagen schleifen. Einige Besucher im Radfahrerdress halten dampfende Becher in ihren Händen. „Der erste Glühwein in diesem Jahr“, meinen Bernd Köppe und Jürgen Bessai lachend und nehmen vorsichtig einen Schluck. Von Kaiserslautern aus ist die 13-köpfige Gruppe losgeradelt, hat einen Stopp am Seewoog eingelegt, um sich ein Bild von dem Voranschreiten der Neugestaltung zu machen, und ist jetzt mit klammen Fingern auf dem Wendelinusmarkt angekommen. Da wärmt das Heißgetränk wohltuend von innen. So einen Zwischenhalt in Verbindung mit Essen und Trinken unternimmt die Gruppe regelmäßig. Hier in Ramstein haben sie sich das Warenangebot angeschaut. „Es ist vielseitig“, finden die beiden Männer. Lange verweilt die Gruppe nicht mehr. Der Aufbruch steht kurz bevor, schließlich will man zuhause sein, bevor es dunkel wird. Am Marktbrunnen spielt im wahrsten Sinne des Wortes die Musik. Marco Eifler musiziert auf seinem Keyboard für die Besucher, die sich auf den Bänken rund um den Brunnen niedergelassen haben. Eine Gruppe junger US-Amerikaner genießt Wein und schmaucht dicke Zigarren. Da kommt Horst Irsch mit seinem Akkordeon und einem Hut mit Trikolore vorbei. Er stattet seinem Musikerkollegen einen Besuch ab. „Die Stimmung ist gut“, meinen die beiden Männer. Allerdings sei bei den Händlern aus Frankreich wenig los. Die Händler in der Landstuhler Straße haben Schmuck, Taschen sowie Wärmendes aus Wolle und Filz für die kalten Tage mitgebracht. Die Leute flanieren vorbei, einige schauen genauer hin und greifen zu. Am Obst- und Gemüsestand begutachten zwei ältere Damen das Angebot, eine von ihnen hat sich gerade Bio-Meerrettich in die Papiertüte gepackt. „Was macht man mit Pastinaken?“, will sie wissen. Das ist nicht die einzige Frage, die Martin Fischer hinter der Theke beantwortet. Das Sortiment vom Herrenfelderhof mit Topinambur, Curcuma und Ingwer, Süßkartoffeln, blauen Kartoffeln und Rosa Tannenzapfen interessiert und regt zu Fragen an. „Ich bin gelernter Koch und kann auch Tipps für die Zubereitung geben“, erzählt der junge Mann. Für ihn läuft es nicht schlecht. „Die Leute fragen nicht nur, sie kaufen auch.“ Weniger zufrieden ist am Samstag Sina Traber, die in ihrem Foodtruck mit Tex-Mex-Küche auf dem Marktplatz steht. Ganz anders sei der Andrang beim deutsch-amerikanischen Freundschaftsfest gewesen. Wieso dies heute nicht der Fall ist, beantwortet sie mit einem Schulterzucken. „Ich hoffe auf morgen und auf keinen Regen.“ Alois Bold, der Kartoffelspiralen anbietet, zeigt sich etwas optimistischer: „Morgen läuft das Geschäft.“