Landstuhl
Bischof-von Weis-Schule: Der Kreis springt ein
Der Kreistag hat in nicht öffentlicher Sitzung grundsätzlich zugestimmt, die Angebote der staatlich anerkannten, privaten Bischof-von-Weis-Schule zu übernehmen und in der Berufsbildenden Schule (BBS) Landstuhl fortzuführen. Letztere wird vom Kreis getragen. Dem Ganzen ging ein halbes Jahr an Verhandlungen voraus, wie die Erste Kreisbeigeordnete Gudrun Heß-Schmidt betont. Alles sei auf Herz und Nieren geprüft worden. Wie die bisherige Schulträgerin, die Bischof-von-Weis-Stiftung, mitteilt, seien die Pläne mit dem Mainzer Bildungsministerium und der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) koordiniert worden. Die Bildungsangebote sollen mit Beginn des Schuljahres 2024/2025 übertragen werden. Nach der grundsätzlichen Zustimmung des Kreistags könnten nun die organisatorischen und vertraglichen Details geregelt werden, meint die Stiftung weiter.
Für die Schüler ändert sich nichts
Für die rund 700 Schüler, die zum Großteil in den Bereichen Pflege und Erziehung ausgebildet werden, ändert sich künftig lediglich der Schulträger, heißt es von Seiten des Landkreises. Sie können ihre Ausbildung unverändert in Landstuhl fortführen. Durch die Übernahme entstehe eine „riesige BBS“ mit über 1100 Schülern, stellt die Erste Kreisbeigeordnete fest. Da die bisherige BBS räumlich nicht darauf ausgerichtet ist, gehen die Gebäude der Bischof-von-Weis-Schule plus Sporthalle an den Kreis über: Die Schüler werden also weiterhin in den gewohnten Sälen unterrichtet. Die Gebäude wurden laut Kreis von einem Gutachter bewertet. Diese befänden sich in einem guten Zustand: „Sehr gut gepflegt“, urteilt Heß-Schmidt.
Rund 60 Beschäftigte habe der Schulbetrieb, sagt Winfried Busche, geschäftsführender Vorstand der Stiftung. Vier Mitarbeiter davon seien im Sekretariat oder als Hausmeister tätig. Das bestehende Lehrpersonal soll in den Dienst des Landes übernommen werden. „Detailfragen zu den Voraussetzungen und Möglichkeiten einer Weiterbeschäftigung werden in der Folge zwischen dem Bildungsministerium, der ADD und dem bisherigen Schulträger geklärt“, meint Busche. Das weitere Schulpersonal, Sekretariatsmitarbeiter und Hausmeister, wird vom Landkreis weiterbeschäftigt. Die Mitarbeiter seien am Dienstag noch einmal über das Vorhaben informiert worden.
Stiftung gibt auch das Kinderheim ab
Die Bischof-von-Weis-Stiftung, die unter der Aufsicht des Bistums Speyer steht, hatte zuvor schon angekündigt, dass sie sich auch von der Trägerschaft des Kinderheims St. Nikolaus in Landstuhl zurückziehen wird. Dieses übernimmt der Caritasverband für die Diözese Speyer. Hier ist der Betriebsübergang zum 1. Januar 2024 vorgesehen. Kinderheim und Schule sollten an Träger übergeben werden, die den Landstuhler Standort und die Arbeitsplätze langfristig sichern könnten, meinte die Stiftung damals über ihre Bemühungen. Ziel sei es gewesen, dass die Angebote erhalten bleiben können, stellt Busche fest. Für die Stiftung sei es seit einigen Jahren schwieriger geworden, die unterschiedlichen Aufgaben in beiden Einrichtungen zu managen und zu finanzieren. Synergieeffekte gebe es kaum. Geschuldet sei das der hohen Komplexität und den steigenden Anforderungen. Das Konstrukt sei nicht groß genug, um zukunftsfähig und wirtschaftlich tragbar zu sein, sagt nun der geschäftsführende Vorstand der Stiftung, die eine Anstalt des öffentlichen Rechts ist.
Kritik an Rückzug des kirchlichen Trägers
Die CDU-Fraktion im Kreistag begrüßt die grundsätzliche Bereitschaft des Landkreises, die Bildungsangebote der Bischof-von-Weis-Stiftung in Landstuhl zu übernehmen, wie Vorsitzender Marcus Klein in einer Pressemitteilung betont. Das bringe der Schülerschaft Klarheit, die wichtigen sozialen Bildungsgänge am Standort Landstuhl blieben erhalten. Wesentliche Details könnten nun hoffentlich schnell ausgehandelt werden. Klein zeigt sich wegen der Entwicklung aber auch besorgt: „Ein weiteres Mal zieht sich ein freier, hier ein kirchlicher Träger zurück.“ Ein bekanntes Muster sei das bei Kindergärten in den Ortsgemeinden, jetzt sei eine große Schule betroffen – am Ende müssten die Kommunen einspringen und die Zeche zahlen. Wenn sich der Trend fortsetze, müssten auch Bund und Land einspringen und helfen, fordert Klein.
Ähnlich sieht es SPD-Fraktionschef Harald Westrich: „Was ich nicht gut finde, ist, dass die Kirche etwas abstößt und wir die Kosten übernehmen müssen.“ Die Finanzierung müsse ja sichergestellt werden, befürchtet er, dass es auf eine höhere Kreisumlage hinauslaufen könnte. Dennoch steht auch er der Übernahme positiv gegenüber, insbesondere wegen des Pflege- und Erzieher-Schwerpunktes der Schule. Wenn dieser verloren gegangen wäre, wäre das in Hinblick auf den Fachkräftebedarf katastrophal gewesen.
Erzieher und in der Pflege Tätige würden gebraucht, betont auch die Erste Kreisbeigeordnete. Nicht beziffern kann sie derzeit, was an Kosten auf den Kreis zukommt. „Wir sind in Verhandlung.“