Sembach
Betrugsversuch bei Portofino: Die Masche mit dem Scheck
Ein zwölfköpfiges Team von Tennislehrern aus Liverpool (England) meldet sich per E-Mail an, um eine anstehende Trainingsreise im Raum Kaiserslautern zu planen. Anreisetage, Essenswünsche und Bezahldetails – alles wird im Vorfeld sorgsam geklärt. So weit, so unauffällig. Monica Kolender-Tiano, Tochter der Inhaberin des italienischen Restaurants Portofino in Sembach, regelt für ihr Mutter Edda Tiano den Schriftverkehr. „Es klang alles ganz üblich und seriös“, erinnert sich die Tochter. Natürlich habe sie sich auch darüber gefreut, dass aus ihrem übermittelten Essensangebot jeweils die teuersten Speisen gewählt wurden. Nach rund vier Monaten ging Ende Juni schließlich die Buchungsbestätigung des Teams für sechs Abende Bewirtung in einer Gesamthöhe von rund 2300 Euro ein. Über Vorkasse per Scheck sollte das Finanzielle abgewickelt werden. Da wurde Monica Kolender-Tiano zum ersten Mal misstrauisch.
Der Scheck macht stutzig
Nach Rücksprache mit der Hausbank, der Volksbank Kaiserslautern, bekam sie die Information, dass ein Scheck als Zahlungsmittel durchaus üblich sei und nichts zu befürchten stünde. Zwei Wochen später lag ein Scheck über 9600 Euro im Briefkasten – also über deutlich mehr Geld als vereinbart. „Da bin ich stutzig geworden“, sagt Monica Kolender-Tiano. Schnell stellte sich heraus, dass das tatsächlich eine gängige Betrugsmasche ist. „Lös’ den Scheck auf dem Konto ein und überweise uns die Differenz zurück“, lautete der Lösungsvorschlag der Betrüger. Monica Kolender-Tiano ging daraufhin zur Kriminalpolizei in Kaiserslautern. Doch die Gauner ließen zunächst nicht locker. Es folgten Erinnerungen per Whatsapp, E-Mail und mehrere Anrufe von unterschiedlichen Rufnummern.
Auf Anraten der Kriminalpolizei brach Monica Kolender-Tiano schließlich den Kontakt zu den Betrügern Anfang September komplett ab. Nun befürchtet sie, dass andere Gastronomiebetriebe in der Region Opfer dieser Betrugsmasche werden könnten oder bereits geworden sind. Deshalb hat sie sich an die RHEINPFALZ gewandt, um ihren Fall öffentlich zu machen.
Fake-Anfragen kaum erkennbar
Der Leiter der Stelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Polizeipräsidium Westpfalz, Michael Hummel, erklärt auf Anfrage dazu folgendes: „Im Zusammenhang mit Gastronomiebetrieben trat diese Begehungsform im Zuständigkeitsgebiet der Kriminalinspektion Kaiserslautern erstmals auf. Allerdings gibt es diese Variante schon seit Jahren, wobei eher Anbieter von Kraftfahrzeugen, Ferienwohnungen oder Gegenständen bei eBay betroffen waren. Letztendlich geht es darum, dass der in Rede stehende Scheck gefälscht oder gestohlen und demnach nicht werthaltig ist. Nach Versand des Schecks wird das Geschäft storniert und es wird gebeten, den Betrag nach Abzug einer gewissen Summe für Storno oder entstandene Unannehmlichkeiten zu transferieren. Das Gefährliche ist, dass die Schecks bei Einreichung auf dem Kontoauszug zunächst als Gutschrift erscheinen, wobei diese rückgängig gemacht wird, sobald der Scheck ,platzt’. Bis das passiert vergeht jedoch viel Zeit, weil der Scheck zunächst zur ausstellenden Bank geschickt wird. Es gibt auch die Variante, dass der Scheck zu hoch ausgestellt wurde und man dies von Seiten der Betrüger als Irrtum erklärt. Anschließend wird darum gebeten, die Differenz zwischen Zahlbetrag und Scheckhöhe zu transferieren. Wenn es klappt, ist das Opfer zusätzlich zum Geldschaden sogar noch die Ware los, weil sie im Glauben der Bezahlung verschickt wurde.“
Fake-Anfragen seien als solche kaum erkennbar, weil die Täter in der Regel plausible Gründe nennen können. Sobald ein Scheck als Bezahlung geschickt wird, sollte man hellhörig werden und auf einer korrekten, üblichen und zeitgemäßen Bezahlung bestehen. Auf keinen Fall sollte man unbekannten Menschen Geld schicken, nur weil diese dazu auffordern, betont Hummel. Im Zweifel sollte auf das entsprechende Geschäft verzichtet werden.