Kreis Kaiserslautern
Beim Wendelinusmarkt in Ramstein-Miesenbach werden auch Plüschtiere gesegnet
Die Tiersegnung ist seit Jahren fester Bestandteil des Wendelinusmarktes in Ramstein. Zahlreiche Kinder und Erwachsene fanden sich am Sonntagvormittag im großen Zelt auf dem Prometheusplatz mit ihren Haustieren, ob echt oder aus Plüsch, ein, um den Segen für sich und ihre geliebten Begleitern zu empfangen.
Vor der Bühne, wo es an den beiden Vorabenden beim Oktoberfest hoch herging, hat sich am Sonntagvormittag der Kinderchor der Wendelinus-Grundschule im Halbkreis aufgestellt. Die 25 Sänger aller vier Klassenstufen werden unter der Leitung von Carmen Backes im Rahmen des Gottesdienstes mit Tiersegnung drei Lieder anstimmen. Den Auftakt bildet das Wendelinuslied, das dem Namensgeber der Schule gewidmet ist.
Den Anwesenden gegenüber sitzen Kinder und Erwachsene mit ihren tierischen Freunden. Große und kleine Hunde liegen entweder ruhig und entspannt auf dem Boden, wedeln mit ihren Schwänzen, sobald sich ein Mensch oder ein Artgenosse nähert, oder tippeln unruhig hin und her. Immer wieder ist auch kurzes Gebell zu hören. Dagegen sind Affe, Tiger und Küken mucksmäuschenstill: Die Stofftiere werden von ihren jungen Herrchen und Frauchen fest in ihren Armen gehalten.
Für Gemeindereferentin Tina Becker vom katholischen Pfarramt Heiliger Wendelinus ist diese Tiersegnung eine Premiere. Sie kündigt an, dass sie Einzelsegnungen vornehmen wird und fordert die jungen Herrchen und Frauchen dazu auf, sich im Anschluss an den Gottesdienst in einer Reihe vor ihr aufzustellen. Dabei betont sie, dass sie Kuscheltieren genauso wie allen anderen mitgebrachten Tieren den Segen erteilen wird.
In ihrer Predigt greift Becker die Bedeutung der Schöpfung und der Haustiere für ihre Menschen auf. Sie berichtet auch von ihren persönlichen Erfahrungen als Hundehalterin und bezieht die Kinder mit ein. „Es ist schön, zu wissen, dass mich mein Hund so liebt, wie ich bin. Es gibt noch jemanden, der uns so bedingungslos liebt, wie Tiere das tun.“
Dann bildet sich eine Schlange vor ihr. Frauchen und Herrchen in jedem Alter sind darunter. Sie führen ihre Hunde an der Leine zu der Gemeindereferentin oder halten ihn auf dem Arm. Nicht anders die Kinder, die ihr oft freudestrahlend ihre Kuscheltiere entgegenstrecken, während sie den Segen spricht und liebevoll über deren Fell streicht. Selbst der Ramsteiner Löwe, das Maskottchen der Stadt, ist darunter.
Diese Segnung geht auf eine Tierseuche zurück, die vor mehr als 300 Jahren in der Region grassierte. Aus Angst um ihr Vieh wandten sich damals die Bauern an den Heiligen Wendelinus und baten um Beistand. Aus Dankbarkeit dafür, dass Ramstein größtenteils verschont blieb, wurde 1710 ein erstes Wendelinusfest gefeiert. Zu Beginn der 1980er Jahre griff der Werbering dieses Fest wieder auf und rief den Wendelinusmarkt ins Leben, mit dem seit 1986 ein verkaufsoffener Sonntag einhergeht.