Enkenbach-Alsenborn
Bürgerbus Enkenbach-Alsenborn: Begeisterung nach hartem Kampf
„Wir sind begeistert! Er wird wirklich sehr gut angenommen!“ Christel Meusel ist nicht die Einzige, die in Lob verfällt, wenn vom Bürgerbus die Rede ist. Mitte März ging er in der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn an den Start – und die SPD-Fraktionschefin im VG-Rat hat einen großen Anteil daran. Sie hat sich lange dafür eingesetzt, dass für Mitbürger, die kein Auto haben, mehr Mobilität geschaffen wird.
2022 hatte sie die Initiative „Bürgerbus – Bürger fahren für Bürger“ angestoßen. Eine Bürgerbefragung hatte großen Bedarf ergeben – was die jetzige Nachfrage bestätigt. Doch die Umsetzung verzögerte sich ständig. Vor allem CDU, FWG und FDP forderten immer neue Konzeptvarianten und Kostenkalkulationen. In diesem Frühjahr stand endlich alles: Sponsoren waren gewonnen, 8500 Euro gab das Land, 5000 der Kreis. Gute 770 Euro zahlt die VG an monatlicher Leasingrate. Für die Fahrgäste ist der Service kostenlos.
„Es ist schlecht, wenn ein Politikum daraus gemacht wird ...“, seufzt Meusel. Um sofort erleichtert hinterherzuschieben: „Ich bin jetzt einfach nur froh, dass es läuft, und zwar parteiübergreifend!“ Auch CDU-Mitglieder seien nun aktiv dabei.
„Können die Nachfrage gerade noch bedienen“
Zweimal pro Woche, dienstags und donnerstags, fährt der Renault Trafic Combi mit acht Plätzen zwischen 8 und 18 Uhr in der VG dort hin, wo er gebraucht wird. 14 Personen, davon zwei Frauen, sind inzwischen im Fahrdienst aktiv. Das Disponententeam, das montags und mittwochs zwischen 14 und 16 Uhr die Fahrwünsche telefonisch entgegennimmt, fasst derzeit rund zwölf Personen, hauptsächlich Frauen.
„Wir können die Nachfrage gerade noch bedienen“, meint Meusel. Aber „wenn es so weitergeht, müssen wir wohl einen dritten Tag anbieten“. Das ist jedoch nicht so einfach: Denn dazu bräuchte es mehr Ehrenamtliche.
„Wir suchen noch Fahrer“, meint Horst Michel, der bereits in Schifferstadt acht Jahre lang einen Bürgerbus steuerte. Denn schon jetzt „sind jene, die im Fahrdienst sind, stark ausgelastet“. Ein Fahrer und ein Beifahrer übernehmen jeweils eine Vor- und eine Nachmittagsschicht, „wir brauchen also acht Personen pro Woche“. Drei Wochen im Voraus werde der Dienstplan aufgestellt, „und man kann sich die Zeit frei einteilen, so viele Stunden übernehmen, wie man will“, macht er das Ehrenamt schmackhaft.
Weniger Nachfrage in Sembach, Frankenstein und Hochspeyer
Am häufigsten sei der Bus in „Enkenbach, Alsenborn, Mehlingen und Baalborn“ unterwegs, die geringste Nachfrage komme aus „Sembach, Frankenstein und Hochspeyer“, berichtet Michel, „vielleicht, weil dort weniger Werbung gemacht wird“, auch im Amtsblatt stehe der Bus dort nicht unter den Ortsgemeinden. Neben den regulären Diensten übernimmt der Bürgerbus auch Sonderfahrten, zum Beispiel für Schüler oder die Kirchengemeinde.
Bürgermeisterin Silke Brunck (SPD), die froh ist, „dass der Bürgerbus parteiübergreifend so gut angenommen wird“, spricht von einer Win-Win-Situation: „Vielen Ehrenamtlichen tut der Helfer-Einsatz gut, es sind auch schon Freundschaften untereinander entstanden.“
Die hauptsächlich älteren Fahrgäste sind laut Meusel sehr „dankbar und füttern großzügig das Schweinchen im Bus“. Während diese Spenden ans Projekt gehen, freuen sich die Fahrer ab und zu über „ein persönliches Dankeschön wie Pralinen oder Schokolade“, erzählt Michel. Fast noch mehr Freude bereite es ihm aber, wenn Bekannte sich im Bus treffen und ins angeregte Gespräch kommen.
Die Helfer tragen Einkäufe zur Wohnung
Zum Service gehöre auch, dass die Helfer „Einkäufe an oder in die Wohnung tragen“. Rollatoren werden verstaut, „Rollstuhlfahrer können wir jedoch nicht mitnehmen, da wir keine Rampe und keine Sicherung haben“. Alle Fahrgäste müssen selbstständig ein- und aussteigen können. Zu den Stammgästen gehöre „ein 97-Jähriger, der bisher aus Baalborn zum Altenheim in Enkenbach gelaufen ist, um dort seine Frau zu besuchen“ und seit Neuestem auch „eine blinde Dame mit ihrem Blindenhund“.
Die Fahrtwünsche nimmt das Disponententeam „in einem Büro in der VG-Verwaltung“ entgegen, berichtet Gerlinde Sprengart. Auch dort „werden noch Leute gebraucht“. Um die Fahrten zu koordinieren, hat die bundesweite Bürgerbusberatung „Landmobil“ ein Programm gestellt, „in das wir die Zeit, Start und Ziel eingeben, es errechnet dann die beste Variante“. Der Bürgerbus hat auch eine E-Mail-Adresse, „doch die ist nicht mit dem Programm verknüpft, die Anfragen müssen wir zu Schichtbeginn manuell eingeben“. Dass der Bürgerbus nicht nur ein Transportmittel, sondern auch eine Kommunikationsplattform ist, wird schon beim Telefondienst deutlich: „Teils müssen wir die Gespräche beenden, damit noch andere durchkommen“, lacht Sprengart.
Info
Der Bürgerbus fährt dienstags und donnerstags von 8 bis 18 Uhr. Fahrtwünsche werden montags und mittwochs zwischen 14 und 16 Uhr unter Telefon 06303 913913 entgegengenommen. Potenzielle Helfer können sich dort sowie per E-Mail an buchung@buergerbus-ea.de melden.