Enkenbach-Alsenborn
Bürgerbus als Ergänzung zum Nahverkehr
Wer in der Verbandsgemeinde (VG) Enkenbach-Alsenborn ohne Auto unterwegs ist, hat häufiger ein Problem. Busse fahren nicht zu allen Zeiten und manche Ziele werden gar nicht angesteuert. Das könnte sich durch einen Bürgerbus ändern.
Frau Meusel, wieso sehen Sie die Notwendigkeit für einen Bürgerbus in Enkenbach-Alsenborn?
Der Initiative ist es wichtig, dass die Menschen in der Verbandsgemeinde selbstbestimmt leben und soziale Kontakte pflegen können. Ich arbeite ehrenamtlich bei der Tafel in Enkenbach. Da kommen junge Frauen mit dem Kinderwagen aus Mehlingen zu Fuß gelaufen. Und dann stellen Sie sich mal vor, wie diese mit vollen Tüten wieder zurücklaufen müssen. Oder ältere Mitbürger aus Sembach, Neuhemsbach oder Alsenborn, die nicht mehr selbst mobil sind, wollen sich besuchen. Da gibt es keine Verbindung!
Was wären die Vorteile eines Bürgerbusses?
Wir wollen nicht in Konkurrenz zum ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr, Anm. d. Red.) gehen, sondern Ergänzung sein. Bei dem Modell Ruftaxi werden auch nur die Haltestellen des ÖPNV angefahren und es kostet 2,60 Euro pro Fahrt. Wir möchten die Leute kostenlos an der Haustür abholen und wieder nach Hause zurückbringen. Das funktioniert in allen anderen Gemeinden auch. Wir starten ja nicht mit dem Projekt. Das gibt es bereits 86 Mal in Rheinland-Pfalz.
Im Juni gab es bereits eine Bürgerversammlung zum Thema, 60 Personen nahmen daran teil. Wie konnten die Teilnehmer anschließend ihre Meinung zu dem Projekt äußern?
Wir hatten Fragebögen ausgegeben. Nach der Auswertung war der dringende Bedarf klar. Knapp 100 Prozent hatten sich für die Einrichtung eines Bürgerbusses ausgesprochen.
Wie geht es jetzt konkret weiter?
Am Abend der Bürgerversammlung war auch Karl-Heinz Schoon von der Agentur Landmobil und Mobilitätsbeauftragter des Landkreises Kusel zugegen. Er hat die größte Fachkompetenz in diesem Bereich. Er meinte, dass es sehr viele Möglichkeiten der Anschaffung gibt. Leasing wäre wesentlich günstiger, als Busse zu kaufen. Schoon hat uns empfohlen, den Bürgerbus in Trägerschaft der Verbandsgemeinde laufen zu lassen. Da sind wir gerade dabei, diese Möglichkeit zu eruieren.
Apropos Verbandsgemeinde. Wie kommt diese ins Spiel?
Die Verbandsgemeinde (VG) würde die Busse besitzen. Je nachdem wie viele Sponsorengelder zusammenkommen, belaufen sich die Kosten laut Schoon für die VG für Leasinggebühren, Versicherung und Reparaturen zwischen 15.000 und 20.000 Euro im Jahr. Alles andere wird von Ehrenamtlichen gemacht. Gebraucht wird eine Person, die zum Beispiel Fahrten koordiniert.
Sollen jetzt Busse angeschafft werden?
Nein, gekauft oder geleast, das soll über Sponsoring von ortsansässigen Betrieben gehen. Die Protestantische Altenhilfe Westpfalz hat bereits ihre Unterstützung zugesagt. Ebenso will sich der Verband der Selbständigen in Enkenbach mit einem kleinen Betrag beteiligen. Vom Land Rheinland-Pfalz, vom Kreis Kaiserslautern und von der Sparkasse Kaiserslautern gibt es ebenfalls Zuschüsse.
Wie hoch sind die Zuschüsse von Land und Kreis?
Das Land gibt 8500 Euro und der Kreis 5000 Euro dazu. Das sind einmalige Zuschüsse.
Es gibt bereits einen aktiven Bürgerbus in der Verbandsgemeinde, und zwar in Hochspeyer. Das Projekt wird ehrenamtlich geleitet von Jochen Marwede. Wäre das nicht eine Dopplung?
Nein, wir werden versuchen, übergreifend zu arbeiten und uns in Sachen Planung und Verteilung der Fahrten in der Verbandsgemeinde abzusprechen.
Wie stellt sich die neue Verbandsbürgermeisterin Silke Brunck dazu?
Silke Brunck war auch an dem Abend der Bürgerversammlung dabei. Sie hat sich für das Projekt ausgesprochen und ihre volle Unterstützung bei der Umsetzung zugesagt.