Sembach
Bürger pflanzen neue Bäume auf gerodete Waldfläche
Der Novembernebel hat den Wald bei Sembach fest im Griff. Grauweiße Wände zeichnen alte Baumriesen-Silhouetten wie Schattenrisse auf die Hügelkuppen. Entlang des schmalen Anstiegs nordwestlich des Ortes ist aber schon buntes Leben unterwegs. Familien und viele Kinder marschieren bergwärts. Und trotz des meist professionellen Outdoor-Outfits hat die Nebelkälte reihenweise die Gesichter mit einem gesunden rötlichen Touch versehen.
Dann tritt auf halber Höhe der Wald zurück und gibt den Blick frei auf eine weite gerodete Fläche. Über und über ist sie noch bedeckt von Fichtenzweigen, dünnen Ästen und auch massigerem Totholz. Der gesamte Bestand des Areals hatte geschlagen werden müssen, da der Borkenkäfer sich breitgemacht hatte. Jetzt sieht es hier wieder ganz arg nach Arbeit aus, denn es soll aufgeforstet werden, und zwar von Freiwilligen. Die solide Vorbereitung der Forstleute zeigt sich an einem Spalier aus Dutzenden Spaten in allen Variationen. Kiloschwere Fäustel stehen kopfüber auf dem Baumstumpf daneben. Und ein Stückchen weiter liegen ganz unauffällig die eigentlichen Objekte der morgendlichen Aktion: frisch zu pflanzende Bäumchen.
Die Wurzeln sind empfindlich
Die kleinen geschnürten Setzlingsbündel sind nur halb sichtbar. Feuchter, feiner Sand bedeckt die Wurzeln. „Wenn Sie später ans Werk gehen, achten Sie bitte darauf, dass die feinen Wurzeln höchstens wenige Minuten der Luft ausgesetzt sind,“ mahnt Nikolai Kalinke, Landesgeschäftsführer der „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“. Eben hebt er das erste Bündel in die Höhe und prüft das Waldwissen in der mittlerweile großen Runde. Die Eiche oder die Esskastanie erkennt fast jeder. Beim Spitzahorn muss es schon Hilfen geben. Die Vogelkirsche oder die Walnuss erkennt kaum einer als Setzlinge. Die Revierleiterin packt die Bündel schnell wieder mit Sand zu und meint: „Die feinen Wurzeln leiden schnell an der Luft.“ Als sie sich der Gruppe wieder zuwendet, macht jemand darauf aufmerksam, dass ihre an der Leine geführten Hunde die Bündel gerade wieder aufscharren.
Golditz greift jetzt selbst zum Spaten und demonstriert den forstlichen Laien die nun geforderten Handgriffe. Sie weist darauf hin, dass der eigentliche Waldboden zunächst freigelegt werden müsse. Das Pflanzloch dürfe nicht zu flach sein, um die Pfahlwurzel gerade aufzunehmen. Der Boden um die Taglichtgrenze herum solle festgetreten werden. Und am Ende müsse der Haltestab für die Verbiss-Schutzhülle eingeschlagen und letztere mit Kabelbindern bodenbündig fixiert werden. Ortsbürgermeister Fritz Hack (SPD) dankt den Forstleuten für ihre Vorbereitungen und Andreas Manthe von der Sparda-Bank Südwest für das Sponsern der Baumpflanzaktion.
Sich in der Natur nützlich machen
Nun endlich beginnt die Kletterei in den Hang zu den markierten Pflanzstellen. Kai Assmann hantiert mit Kraft und sichtlichem Eifer bereits mit dem Spaten. Nach seiner Motivation für die heutige Aktion gefragt, gibt er zurück: „Ich bin gezwungen worden“, und deutet grinsend auf Ehefrau Sarah. Die erklärt gelassen, dass es eine gute Sache sei, sich in der Natur nützlich zu machen. Auch Lilly Robarge, vier Jahre alt, ist mit ihrer Mama da. Sie antwortet auf die Frage, warum sie hier mitmache: „Bäume pflanzen ist doch schön.“