Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Büchereien im Landkreis Kaiserslautern wollen das Vorlesen fördern

Melody zeigt ihrem Vater Tarik Isik das Buch, das sie gerade aus dem Regal gezogen hat. Er hat seine Tochter in der Ramsteiner B
Melody zeigt ihrem Vater Tarik Isik das Buch, das sie gerade aus dem Regal gezogen hat. Er hat seine Tochter in der Ramsteiner Bücher angemeldet. Foto: Olle

Am 15. November findet der bundesweite Vorlesetag statt. Dann lesen quer durchs Land Freiwillige aus Büchern vor. Ziel ist es, Lesefreude zu wecken, denn Lesen ist wichtig für die kindliche Entwicklung. Doch etwa 32 Prozent aller Eltern in Deutschland lesen laut einer Studie der Stiftung Lesen ihrem Nachwuchs selten oder nie vor. Bibliotheken versuchen gegenzusteuern.

Der dreijährige Johann besucht mit seiner Mutter, Anna Lotte Lechner, regelmäßig die Bücherei Stelzenberg. „Wir lesen Johan jeden Abend im Bett vor“, sagt Lechner. „Er fordert das schon ein und übernimmt Ausdrücke aus den Büchern. Ich finde, dass er sich durchs Vorlesen sprachlich gut entwickelt.“ Einmal im Monat gibt es in der Bücherei Stelzenberg einen Vorlesenachmittag für die Kleinen von drei bis sieben Jahren. Anlässlich des bundesweiten Vorlesetages steht heute „Das kleine Gespenst“ auf dem Programm.

Das Team erwartet auch die Kindergartenkinder, die von der Einrichtung aus gemeinsam losmarschiert sind. Mit einem Plakat wurden die Eltern auf die Kibü (Kinderbücherei) aufmerksam gemacht und konnten ihren Nachwuchs zum Vorlesetag anmelden. „Wir machen hier Leseförderung für Kinder ab drei Jahren“, erzählt Marie Demuth vom Büchereiteam. Sie zeigt eine Aktionskiste zum heutigen Thema. Darin enthalten ist etwa eine Plüscheule, eine Fledermaus und Schlüssel.

Das Basteln und ein Spiel gehören ebenso zum Programm

Die Kinder sollen nicht nur zuhören, sie werden mit ins Programm, zu dem Basteln und ein Spiel gehören, eingebunden. „Es ist wichtig, früh mit der Leseförderung anzufangen. Wir haben festgestellt, dass wir den Leserstamm so tatsächlich behalten“, erklärt Demuth. Als einen Grund, warum es bundesweit rückläufige Zahlen beim Vorlesen gibt, vermutet das Büchereiteam gesellschaftliche Veränderungen und gestiegene Anforderungen an die Eltern. Häufig wohnen die Großeltern, die sie unterstützen könnten, weit entfernt. Seit 2012 organisiert das Büchereiteam zum bundesweiten Vorlesetag zwei Veranstaltungen, die beide gut angenommen werden. Nicht nur Kinder, sondern auch die Erwachsenen kommen dann in den Genuss, sich vorlesen zu lassen.

Lesereihe für Kinder in der Bücherei Ramstein

In der Bücherei Ramstein liest die siebenjährige Melody ihrem Vater aus dem Buch vor, das sie eben aus dem Regal gezogen hat. Sie ist zum ersten Mal hier und begeistert von dem großen Angebot. „Lesen wird heutzutage durch die vielen Ablenkungen wie Fernsehen und Computer oft vernachlässigt“, findet Tarik Isik, Melodys Vater. „Es ist gut für Melodys Zukunft, wenn sie nicht nur in der Schule liest.“ Darum hat er seine Tochter in der Bücherei angemeldet, wo sie auch die Vorleseangebote wahrnehmen will. Es gibt hier die monatliche Lesereihe „Hör gut zu, verzaubert bist du“. Sie ist für Kinder im Alter von vier bis acht Jahren gedacht und wird gut angenommen. Zusätzlich findet alle zwei Wochen eine Märchenstunde mit zusätzlichem Kreativangebot statt. „Wir hatten dafür schon so viele Anmeldungen, dass wir die Kinder auf zwei Termine verteilen mussten“, berichtet Karin Leiner, Leiterin der Stadtbibliothek. „Unser Angebot hat sich herumgesprochen. Das hat ein bisschen gedauert, aber jetzt haben wir viele Familien, die regelmäßig zu den Vorlesetagen kommen. Die Kinder kennen sich und haben das Gefühl, dazuzugehören. Es ist fast so was wie ein Club.“

Auf dem Programm stehen Klassiker wie Werke von Astrid Lindgren. Aber auch aus aktuellen, bei den Kindern beliebten Büchern wie Conni oder Bibi wird vorgelesen. Eine schöne Dekoration sorgt für den feierlichen Rahmen, der die Vorlesezeit zu etwas Besonderem macht. „Vorlesen sollte auch daheim ein Ritual sein, man braucht Zeit und Ruhe dazu. Um eine Lesegewohnheit zu entwickeln, ist Regelmäßigkeit sehr wichtig. Das ist, wie ein Instrument zu lernen“, sagt Leiner. Eltern, die nach passender Lektüre suchen, empfiehlt Leiner eine Lesedauer von 20 Minuten, denn länger können sich die Kleinen noch nicht konzentrieren.

Jetzt werden erst einmal die Leser befragt

„Vorlesen, das ist ein Thema, das wir immer wieder besprechen“, erklärt Ivonne Ntatis von der Bücherei Trippstadt. „Da hat sich sehr viel verändert in den letzten ein, zwei Jahren. Wir mussten feststellen, dass wir in Trippstadt mit einem Vorlesetag keine Kinder mehr erreichen.“ Aus diesem Grund gibt es in diesem Jahr erstmalig kein Angebot am Vorlesetag mehr. Doch warum interessieren sich die Kinder nicht mehr für diese Aktion? Liegt es daran, dass die Nachmittagsbetreuung im Ort bis 16 Uhr angeboten wird und die Kleinen danach keine Energie mehr haben? Ist es die Altersstruktur der Zielgruppe? „Wir überlegen, was wir noch machen können“, sagt Ntatis, „das Medium Buch ist noch vorhanden im Interesse der Leute, doch wir bemerken einen schleichenden Prozess, der vom Buch weggeht.“ Dabei sei die Bücherei gut besucht, es gebe Eltern, die mit ihren Kindern vorbeikommen und auch Großeltern, die sich in der Bibliothek hinsetzen und ihren Enkeln vorlesen. Eine allgemeine Leserbefragung soll nun zeigen, was den Besuchern gut gefällt, was sie eventuell vermissen und welche Angebote sie annehmen würden.

Ntatis verweist auf ein weiteres Konzept, an dem die Bibliothek teilnimmt, den sogenannten Lesesommer. „Wir hatten in diesem Jahr durch unsere Erfahrung mit dem Vorlesetag die Befürchtung, dass das nichts wird. Und dann haben so viele Kinder mitgemacht wie noch nie“, sagt sie. Anders als allgemein üblich werden in Trippstadt nicht die Schüler ausgezeichnet, die die meisten Bücher gelesen haben. Stattdessen wurden die Geschenke ausgelost. „Die Kinder haben sich mit ihrer Teilnahme schon selbst belohnt“, sagt Ntatis und betont: „Besonders die Leser, die mitgemacht haben, obwohl sie normalerweise keinen Spaß am Lesen haben, hatten das große Erfolgserlebnis: Ich habe es geschafft.“

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