Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ausstellung „Zur Geschichte der US-Amerikaner in Pirmasens“ im Doku Center Ramstein

Doku-Center-Leiter Michael Geib (Mitte) lässt sich vom Pirmasener Oberbürgermeister Bernhard Matheis und dessen Frau Gudrun Math
Doku-Center-Leiter Michael Geib (Mitte) lässt sich vom Pirmasener Oberbürgermeister Bernhard Matheis und dessen Frau Gudrun Matheis Anekdoten aus der Nachkriegszeit aus Pirmasens erzählen.

Zur Eröffnung der Sonderausstellung „Remember: Zur Geschichte der US-Amerikaner in Pirmasens“ im Doku Center Ramstein gab es nicht die üblichen Ansprachen. Statt dessen hat sich der Leiter des Centers, Michael Geib, mit Oberbürgermeister Bernhard Matheis (CDU) als Zeitzeugen unterhalten.

Pirmasens war eine zerbombte Stadt“, sagte Matheis zur Einführung. Zu 85 Prozent seien die Gebäude zerstört gewesen, als die Amerikaner am 22. März 1945 einmarschierten. Für die deprimierte und desillusionierte Bevölkerung stellte die Begegnung mit den Amerikanern eine Art Kulturschock dar, so der Bürgermeister. Die Militärangehörigen hätten sich nicht auf der Husterhöhe zurückgezogen, sondern von Anfang an den Kontakt zur Bevölkerung gesucht. „Das war eine ganz andere Lebenskultur. Eine frohe und lockere Lebensart“, erzählte Matheis. Sie sei zum „Signal der Hoffnung“ geworden und die US-Amerikaner mit ihrer technischen Ausstattung hätten sich als „Aufbauschutzmacht“ erwiesen.

„Wohl nicht ganz ohne eigenes Interesse begannen die Amerikaner noch im März ’45 mit dem Wiederaufbau der Parkbrauerei“, meinte Matheis augenzwinkernd. Auf die Frage von Bernhard Geib, ob für die damalige Jugend die amerikanischen Clubs nicht eine große Anziehungskraft gehabt hätten, war die Reaktion des Bürgermeisters doch recht verhalten: „In diesen Etablissements konnte es sehr schnell Zoff geben, auch untereinander.“ Und wenn dann die Jeeps der Militärpolizei herangebraust seien, hätten sich „Berge von Menschen aus den Fahrzeugen“ herausgeschält. Und dann sei es hart zur Sache gegangen. Später allerdings gab es dann richtige Musikclubs, das sei dann eine andere Geschichte gewesen, meinte der Bürgermeister.

Die Anwesenheit der Amerikaner sei auch ein enormer Wirtschaftsfaktor mit erheblicher Wertschöpfung gewesen. Aus seiner eigenen Biografie steuerte Matheis als Beispiel die Geschichte vom Geschäft seiner Eltern in Rodalben bei. Die dort angebotenen sogenannten „Hummel-Figuren“ hätten den Geschmack der Amerikaner getroffen und es habe einen reißenden Absatz dieser Figuren gegeben. „Die Soldaten waren begeistert.“

Zu einem doppelten Absturz und zu einer enormen Herausforderung für die Stadt sei der Niedergang der Schuhindustrie seit den 1970er Jahren sowie auch der Abzug der Amerikaner Ende Juli 1997 geworden, resümierte der Bürgermeister. In wirtschaftlicher Hinsicht habe der Verlust kompensiert werden können durch die Ansiedlung von mehr als 100 Firmen auf dem Konversionsgebiet „Husterhöhe“. Nicht zu unterschätzen sei aber für die Bevölkerung der Verlust an Identifikation mit der Region, sagte Matheis. Aber auch in dieser Hinsicht habe sich nach seinen Worten etwas getan. Durch den sogenannten „Lindwurm“, den Abtransport von giftigen Kampfstoffen mit großem logistischem Aufwand aus Clausen und Fischbach, wurden die Bürger politisiert.

In der Stadt Pirmasens sei die Kultur mittlerweile zu einem neuen Identifikationsfaktor herangewachsen, berichtete Matheis. In dieser Woche sei nämlich bei der Besucherzahl im Dynamikum die Million überschritten worden, teilte der Bürgermeister mit.

Info:

Die Ausstellung auf dem Gelände an der Schernauer Straße 46 in Ramstein-Miesenbach ist noch bis zum 9. Juni zu sehen. Geöffnet sind die Räume dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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