Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Ausstellung zum Thema Hausschlachtungen eröffnet

Die Exponate der Ausstellung sind so angeordnet, dass sie den Ablauf eines Schlachttags in der Westpfalz darstellen, verrät Muse
Die Exponate der Ausstellung sind so angeordnet, dass sie den Ablauf eines Schlachttags in der Westpfalz darstellen, verrät Museumsleiter Mario Aulenbacher.

An die in der Westpfalz fast nahezu verschwundene Tradition der Hausschlachtung will das Museum im Westrich mit seiner neuen Sonderausstellung „Wellfläsch un Worschdsupp“ erinnern. Dienstag wurde sie unter großer Beteiligung der Bevölkerung eröffnet.

Spätestens als nach dem offiziellen Teil zum obligatorischen Glas Riesling Brote mit Leber- und Blutwurst gereicht werden, läuft den meisten Museumsbesuchern an diesem Abend das Wasser im Mund zusammen. Appetitanregend ist vieles in der neuen Sonderausstellung, auch wenn die zahlreichen Bilder an der Wand bei manchen Gästen ein ambivalentes Gefühl hervorrufen. „Heute schaudert es mich, wenn ich mich an die Arbeit von damals zurück erinnere, bis alle Dosen mit Wurst gefüllt waren“, sagt eine ältere Damen beim Betrachten einer Bilderserie, während ihr männlicher Begleiter schmunzelnd kommentiert, dass ihm die Arbeit nach dem ersten Schnaps am frühen Morgen eigentlich immer Spaß gemacht habe.

Vom Bolzenschussapparat bis zur Wurstdose

Die Sonderausstellung will bewusst nicht nur die schönen, schmackhaften Seiten der Tradition der Hausschlachtung beleuchten, sondern insbesondere auch darstellen, mit welchem Aufwand sie verbunden war und welche Probleme sie mit sich brachte – auch wenn es zur Begrüßung der Gäste vom Band einen Schlager von Kurt Dehn über die Metzelsupp gibt. Museumsleiter Mario Aulenbacher verdeutlicht, dass die Exponate der Ausstellung so angeordnet seien, dass sie den Ablauf eines Schlachttags in der Westpfalz darstellen. Noch heute habe er einen ganz bestimmten Geruch in der Nase, wenn er an Wellfleisch und „Worschdsupp“ denkt.

Der Bruder seiner Großmutter sei Metzger in der Nordwestpfalz gewesen, weshalb Hausschlachtungen zum festen Bestandteil seiner Kindheitserinnerungen zählten. „Geschlachtet wurde in der Regel im Winter, am Schlachttag mussten alle sehr früh aufstehen, denn es gab jede Menge zu tun“, erzählt Aulenbacher. Anschaulich schildert er die einzelnen Arbeitsschritte, die im Museum mit den entsprechenden Exponaten dokumentiert sind, und die vom Bolzenschussapparat über den Wurstkessel bis hin zu einer Maschine reichen, mit der die Wurstdosen verschlossen werden. Beleuchtet werden auch die hygienischen Bedingungen, die bei einer Hausschlachtung hohe Standards erreichten, und insbesondere medizinische Aspekte. So sind dem Thema Fleischbeschau zwei Vitrinen voller Bücher und Untersuchungsgeräte gewidmet.

Werk vieler Hände stärkt Zusammengehörigkeit

„Die Idee zur aktuellen Sonderausstellung entstand in einer privaten Gesprächsrunde“, erläutert Roland Paul, der Vorsitzende des Förderkreises Heimatmuseum. Die Idee sei anschließend nicht nur auf große Begeisterung beim Förderkreis gestoßen, sondern habe bei einem Aufruf, mit dem man nach Exponaten suchte, eine wahre Welle des Interesses ausgelöst. „Selten hatten wir im Vorfeld einer Ausstellung eine derart große Resonanz“, betont der Historiker und berichtet von zahlreichen Gesprächen und Begegnungen – unter anderem mit Metzgern und Fleischbeschauen, die mit Ausstellungsstücken und vor allem ihren Erinnerungen die Ausstellung bereichert haben.

Wie Paul und Aulenbacher ausführen, gibt es begleitend zur Ausstellung am 19. März einen Vortrag speziell zum Thema Fleischbeschau und am 22. März einen kulinarisch-literarischen Abend rund um das Thema. „De beschde Kuche is immer noch e Schnitzel“, kommentiert Verbandsbürgermeister Ralf Hechler, der sich in seiner humorvoll gehaltenen Begrüßung sichtlich über die zahlreichen Besucher zur Ausstellungseröffnung freut. Auch Hechler schildert seine persönlichen Kindheitserinnerungen an die Hausschlachtung, die als ein Werk vieler Hände die Zusammengehörigkeit nicht nur innerhalb der Großfamilie, sondern auch der Dorfgemeinschaft gestärkt habe. „Man hat sich damals gegenseitig geholfen und wenn wir Kinder die ,Worschdsupp’ ausgetragen haben, hatte das ganze Dorf etwas von der Hausschlachtung.“

Info

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 2. Juli, im Museum im Westrich zu sehen. Das Museum hat immer mittwochs und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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