Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Aus Freiwilligendienst wird internationale Liebesgeschichte

 Familienglück: Daniel Benitez Perez mit den beiden Kindern Valentina und Cayetana Benitez Alcarcon und seiner Frau Jessica Alca
Familienglück: Daniel Benitez Perez mit den beiden Kindern Valentina und Cayetana Benitez Alcarcon und seiner Frau Jessica Alcarcon.

Daniel Benitez kam 2015 als erster europäischer Freiwilligendienstler nach Deutschland – genauer: ins Jugendbüro Ramstein. In diesem einen Jahr traf er seine heutige Ehefrau. Inzwischen ist das Familienglück perfekt. Nur die Wohnsituation ist noch nicht endgültig geklärt.

Benitez ist gebürtiger Spanier und stammt mitten aus dem sonnigen Süden des Landes: aus Andalusien. Jessica Alcarcon ist Amerikanerin mit kolumbianischen Wurzeln und kommt aus der sonnigen Kult-Stadt Miami. Benitez ist eigentlich von Haus aus Musiker. In seiner Heimat gab er viele Konzerte an der Gitarre. Daneben jobbte er in Hotels. Jessica Alcarcon ist Krankenschwester bei der US Army, wo sie mittlerweile einen Kapitänsrang innehat. Sie wurde 2012 an die US-Base in Deutschland versetzt. 2015 kam Benitez ganz zufällig nach Deutschland. Während seiner Arbeit in einem spanischen Hotel erfuhr er von dem Programm des Europäischen Freiwilligendiensts (heute Europäisches Solidaritätskorps). Das Angebot: Ein freiwilliges soziales Jahr in Deutschland zu absolvieren, bei dem Kost und Logis vom Bund übernommen werden. Benitez war der erste, der dieses Programm im Jahr 2015 antrat – da war er 27.

Erster Funke am Bildschirm

Zu seinen Aufgaben gehörte es, Kindern aus den Nato-Staaten beim Deutschlernen zu helfen und sie bei Schulaufgaben zu unterstützen. Er gab den Kindern aber auch Gitarrenstunden und spielte mit ihnen Fußball in den Pausen. Seine weiteren Aufgaben waren, den vielen Geflüchteten in Deutschland bei der Integration zu helfen, ein Ferienprogramm für die Kinder zu gestalten und Ähnliches. „Ich habe in dieser Zeit auch viel über mich selbst gelernt. Ich bin, wie man so schön sagt, in einem behüteten Nest aufgewachsen. Ich wusste nicht, was es bedeutet, alleine zu sein und solche schrecklichen Erfahrungen durchlebt zu haben, wie es die Menschen tun mussten, die ich während meines Jahres in Ramstein kennengelernt hatte. Also versuchte ich zuzuhören, zu helfen und es ihnen so angenehm wie möglich in diesem Land zu machen.“

Im Mai 2015 trafen sich Jessica Alcarcon und Daniel Benitez zum ersten Mal. Benitez lebte zu dieser Zeit in Ramstein, Jessica Alcarcon in Landstuhl. Gefunden haben sie sich jedoch über die Sozialen Medien. Er schrieb sie an, sie schrieb zurück. Der erste Funke sprang über den Bildschirm. Das erste wirkliche Treffen fand kurz darauf am Bahnhof in Ramstein-Miesenbach statt, an der ehemaligen „Paradox“-Lounge. „Es war vielleicht nicht Liebe auf den ersten Blick, aber es war eine starke Anziehung und viel Chemie auf den ersten Blick“, sagt die 34-jährige Jessica heute.

Langfristige Beziehung nicht geplant

Eine langfristige Beziehung hatten beide zu diesem Zeitpunkt nicht im Auge. „Wir wussten, dass wir Deutschland irgendwann verlassen müssen – ich musste zurück in die Staaten, er zurück nach Spanien. Uns war also klar, dass wir nicht für immer zusammen sein könnten. Also versuchten wir, in dem Moment zu leben und nicht darüber nachzudenken.“ Das ging so bis September 2015. Im Oktober kam jedoch die große Überraschung: Jessica Alcarcon war schwanger mit Valentina. Daniel wollte nicht, dass die Mutter seines Kindes über den Ozean hinweg alleine bleibt und das Kind ohne ihn zur Welt bringt. Nach kurzer Zeit und viel Bürokratie-Kram wurde auf Gibraltar geheiratet, am 19. Februar 2016.

Nach einer Familienfeier in Spanien verließ Daniel Benitez seine Heimat und zog zu seiner Frau nach Miami – mit nichts weiter als einem Koffer und einer Gitarre. „Als ich sie das letzte Mal sah, war ihr Bauch noch klein. Als ich aber dann in die Staaten zog, war er schon riesengroß“, erinnert er sich. Als die kleine Valentina ein Jahr und drei Monate alt war, klopfte der Storch wieder an die Tür der Familie: das zweite Töchterchen Cayetana war unterwegs. Nach einigen Stationen – Atlanta/Georgia und Sacramento/Kalifornien – hatte Jessica die Möglichkeit, nach Deutschland versetzt zu werden.

Deutschland soll die Heimat werden

Seit August 2021 lebt die Familie nun wieder dort, wo für sie alles begann: In Ramstein-Miesenbach, in einem Mietshaus mit ruhiger Nachbarschaft, in der viele amerikanische Familien angesiedelt sind. „Es ist ein sehr anderes Leben hier. Aber ich würde es für nichts auf der Welt eintauschen wollen“, schwärmt Jessica. Doch die Familie ist erstmal nur für eine begrenzte Zeit hier. Für drei Jahre. Und die enden im August 2024. „Aber wir haben vor, nach den zwei Jahren, die meine Frau in den Staaten ableisten muss, wieder hierher zu ziehen“, sagt Daniel Benitez. Denn sie liebten alles an Deutschland – von den Menschen über die Sauberkeit auf den Straßen bis hin zu den strikten Verkehrsordnungen. „Autofahren in Amerika ist, wie im Dschungel ums Überleben zu kämpfen“, bestätigt die Amerikanerin.

„Aus einer amerikanischen Perspektive ist es der absolute Gipfel, wenn man in Deutschland leben darf“, sagt sie. Deshalb genießen die vier hier jeden Moment miteinander und bereiten sich vor. Daniel Benitez studiert aktuell Betriebswirtschaftslehre per Online-Studium. Seine Frau hofft darauf, dass sie irgendwann in dem sich derzeit im Bau befindlichen US-Militärhospital eine festen Platz bekommt. Dann könnte die Familie endlich in ihrem Traumland bleiben.

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