Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Auf Schule und Kirche folgt später ein Supermarkt

Ansichtskarte aus dem Jahr 1929: Sowohl im Schulhaus (vorne) als auch im Gebäude dahinter, das als Kirche diente, wurde früher u
Ansichtskarte aus dem Jahr 1929: Sowohl im Schulhaus (vorne) als auch im Gebäude dahinter, das als Kirche diente, wurde früher unterrichtet.

Gestern und heute: Kaum zu glauben, dass die beiden Aufnahmen im Ramstein-Miesenbacher Stadtteil Miesenbach vom nahezu gleichen Standort der Fotografen in Blickrichtung Mackenbacher Straße gemacht worden sind. Hier hat die Zeit für heftigen Wandel gesorgt.

Das alte Bild ist einer dreiteiligen Ansichtskarte entnommen, die 1929 erschienen ist. Die beiden Häuser im Vordergrund, die auf dem Foto mit Schulhaus und Kirche beschrieben werden, sind wesentlich früher erbaut worden. Ganz links ist ein Schuppen zu sehen, der zum alten Schulgebäude gehörte. Rechts daneben steht das alte Schulhaus und dahinter die alte Kirche, die zuvor ebenfalls Schulhaus gewesen ist.

„Über die Anfänge des Schulwesens ist wenig bekannt“, ist in dem 2005 erschienenen Miesenbacher „Historischen Lesebuch“ nachzulesen. Man erfährt darin weiter, dass „die katholischen Kinder von Miesenbach seit Beginn des 18. Jahrhunderts die katholische Schule in Ramstein besucht haben dürften“. Die reformierten Miesenbacher Kinder hätten im 18. Jahrhundert lange Zeit den Unterricht in Steinwenden besuchen können. „Es darf angenommen werden, dass später, um 1790, der Steinwendener Lehrer zum Unterricht der reformierten Kinder nach Miesenbach kam und die Kinder in einem Privathaus unterrichtete.“

Betsaal statt Lehrsaal

Das alles änderte sich erst, als um 1820 die politische Gemeinde in Miesenbach ein Schulhaus errichtete. Neben diesem ersten Schulgebäude „wurde in den Jahren 1885 bis 1889 ein neues Schulgebäude erbaut, das einen Schulsaal im Obergeschoß und eine Lehrerwohnung im Erdgeschoß erhielt“, berichtet das „Historische Lesebuch“. Dieser Bau sei durch die steigende Anzahl der Kinder notwendig geworden. Doch schon bald genügte auch dieses Gebäude wegen des weiteren Zuwachses nicht mehr. Also wurde um 1900 in der Dorfmitte ein neues, großes Schulhaus errichtet, das „drei Lehrsäle im Erdgeschoß und zwei Lehrerwohnungen im Obergeschoß enthielt“.

Da das alte Schulhaus nun frei geworden war, beschloss der Gemeinderat im Jahr 1903, das Gebäude an den protestantischen Kirchenbauverein für die Einrichtung eines Betsaales abzutreten. Durch Entfernung der Zwischenwände und Decken, den Einbau einer Empore und bunter Glasfenster wurde das Gebäude im Inneren so verändert, dass es die protestantische Kirchengemeinde als Raum für den Gottesdienst nutzen konnte. Diesem Zweck diente das alte Schulhaus bis zur Errichtung der protestantischen Kirche auf dem Matzenberg 58 Jahre lang. Die Räume des daneben stehenden zweiten alten Schulhauses wurden von der Gemeinde für Wohnzwecke vermietet.

Gedenkplatte erinnert an Kirche

Beide Gebäude wurden 1965 abgerissen und der Marktplatz somit vergrößert. Heute erinnert nur noch eine Gedenkplatte, die auf einem Stein an der Zufahrt zu dem neuen Einkaufsmarkt angebracht ist, an den Standort der früheren protestantischen Kirche.

Die Serie: Gestern und heute

Wie haben frühere Generationen unsere Gemeinden gesehen? Was hat sich seitdem verändert? Diese Fragen nimmt unsere Serie „Gestern und heute“ in den Blick und stellt alte und neue Ansichten einander gegenüber.
Heute sind beide Gebäude verschwunden. Ein Parkplatz und ein Einkaufsmarkt sind hier entstanden.
Heute sind beide Gebäude verschwunden. Ein Parkplatz und ein Einkaufsmarkt sind hier entstanden.
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