Kreis Kaiserslautern Arbeit für mehr Lebensqualität

Nicht heilen, aber das Leben unheilbar Kranker so gut wie möglich zu gestalten, das ist Ziel der Palliativmedizin. Mit wachsendem Erfolg. Seit zehn Jahren auch im St. Johannis-Krankenhaus in Landstuhl. Hier wurde am 1. April 2004 die erste Palliativstation der Westpfalz eröffnet – und ist es bis heute geblieben. Ein wichtiges Modell moderner Medizin, das auf ganzheitliche Behandlung, individuelle Betreuung und eine Atmosphäre der Geborgenheit setzt.
„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Die Worte der englischen Ärztin und Gründerin der Hospizbewegung, Cecily Saunders, sind zum Leitbild der Palliativmedizin geworden. Die Menschen, die auf der Palliativstation aufgenommen werden, haben unheilbare Krankheiten, vom bösartigen Tumor bis zu gutartigen Lungenleiden. Ihnen kann im klassischen Sinn nicht mehr geholfen werden. Aber auf andere Weise. „Unser Schwerpunkt liegt darauf, die Lebensqualität unserer Patienten zu erhalten oder zu verbessern“, sagt Chefarzt Dr. Stefan Kniele. Kniele ist der Mann der ersten Stunde, hat an der Seite seines Vorgängers Dr. Hans-Jürgen Gabriel die Station zu dem gemacht, was sie heute ist. Ein Schiff, auf dem die Patienten als Passagiere ein Stück durch die Zeit reisen. Manche gehen von Bord, nachdem sie neue Kraft getankt haben, für andere ist es die letzte Überfahrt. Aber keiner reist allein, sondern umsorgt von Ärzten, Pflegekräften, Seelsorgern und einer Psychologin. Ein multiprofessionelles Team, das alles tut, um den Patienten den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Bis hin zum Tod. Er gehört auf der Palliativstation zum Alltag. „Und wird deshalb auch zum Thema gemacht“, sagt Kniele. In den Fokus stellen möchte er ihn trotzdem nicht. „Denn bei uns geht es nicht in erster Linie ums Sterben. Unsere Arbeit zielt vorrangig darauf ab, Patienten die Rückkehr in ihre gewohnte Umgebung zu ermöglichen, um dort weitgehend beschwerde- und schmerzfrei ihre Zeit verbringen zu können.“ Das trifft heute mehr denn je zu. „Die Palliativmedizin konzentriert sich längst nicht mehr allein auf weit fortgeschrittene Krebserkrankungen. Auch Patienten mit gutartigen Erkrankungen profitieren vom palliativen Fachwissen.“ Über 3000 Patienten wurden seit 2004 auf der Landstuhler Palliativstation behandelt, mit jährlich steigender Tendenz. Waren es 122 im ersten Jahr, kletterte 2013 die Zahl auf knapp 500. Verkürzt haben sich dagegen die Liegezeiten von zehn auf etwa sieben Tage. „Das ist dem kontinuierlich wachsenden Netzwerk mit Haus- und Fachärzten, Pflegediensten, stationären Hospizen und anderen Einrichtungen zu verdanken“, erklärt der Chefarzt. Eine wichtige Rolle spielen auch die hohe Fachkompetenz der Mitarbeiter und die geringe Fluktuation innerhalb des Palliativteams. Drei der zehn Pflegekräfte, die eine Weiterbildung in Palliativ Care absolviert haben, sind neben dem Chefarzt und der Diplom-Psychologin Claudia Stemmer von Beginn an auf der Station tätig. „Palliativmedizin funktioniert nur im Team. Je besser alle Beteiligten aufeinander eingespielt sind, desto effektiver lässt es sich arbeiten“, sagt die Psychologin. Dem ganzheitlichen Ansatz folgend, wird der Blick auch auf die Bedürfnisse der Patienten gerichtet. „Wir nehmen seine Wünsche ebenso ernst wie seine Sorgen und Ängste“, so Stemmer. Sie bietet Unterstützung – ganz im Sinne der „sprechenden Medizin“ – durch Krisenintervention und Gespräche. Manchmal auch nonverbal. „In bestimmten Momenten sagt eine Berührung mehr als jedes Wort, in anderen hilft es, einfach nur da zu sein.“ Auch für die Angehörigen, die stets mit einbezogen werden, „weil sie zum vertrauten Umfeld des Patienten gehören, teils auch selbst Entlastung in solch schweren Situationen brauchen.“ Deshalb steht ihnen auf der Station jederzeit die Tür offen, auf Wunsch auch eine Übernachtungsmöglichkeit. Individuelle Angebote, die die Palliativstation von anderen abhebt. Denn gut ist, was dem Patienten gut tut. Diesem Motto möchte Chefarzt Stefan Kniele auch weiterhin treu bleiben. „Mit Wahrhaftigkeit und Empathie.“