Ratgeber
Ameisen-Invasion im Haus? Das hilft
Ameisen schlafen anscheinend nie. Jetzt im Sommer haben sie es offensichtlich besonders eilig. Wohlgeordnet flitzen ganze Legionen über den Boden oder an Pflanzen auf und ab, was an Autoschlangen auf der Autobahn erinnert. Wild und wirr wirkt das Getümmel auf Ameisenhaufen. Mit überdimensionierter Beute geht es über Stock und Stein, immer auf der Suche nach Fressbarem. Die Kolonie samt Nachwuchs will schließlich versorgt sein. Unersättlich, kraftstrotzend und zielstrebig präsentieren sich diese Lebewesen im Miniaturformat. Gerade übertreiben sie es aber, zumindest aus der Sicht der Menschen, marschieren in ganzer Truppenstärke mitten durch die Häuser. Wo genau sie reinkommen, bleibt meist ihr Geheimnis.
Köderdose muss nicht sein
„Ameisen sind wirklich nervig, wenn sie so in ihren Straßen durchs Haus laufen“, gibt Gärtnermeister Sabine Günther, Vorsitzende im Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine Kaiserslautern, zu, dass sie den Nützlingen, zu denen Ameisen mit Recht zählen, in der Wohnung so gar nichts abgewinnen kann. Die bekannte Köderdose auszulegen, sei möglich und helfe, da die Ameisen das Gift mit in den Bau nehmen und dort auch die Königin vernichten. Das müsse aber nicht sein, es gehe schonender, freundlicher und ohne Gift.
Was im Haus auftaucht, ist meist die Schwarze Wegameise, eine von etwa 115 Arten, die es in Deutschland gibt. Weltweit sind über 13.000 Arten bekannt. Eine geflügelte Ameisenart ist nicht dabei. Allerdings finden sich für eine kurze Zeitspanne in einer Ameisenkolonie neben Königin und Arbeiterinnen auch geflügelte Geschlechtstiere. Die schwirren uns dann mitunter wie aus dem Nichts aus Blumentöpfen oder Beeten entgegen.
Ein „Restaurantbesuch“
Die Schwarze Wegameise wohnt nicht im Haus. Für sie ist der Ausflug in unser Domizil eher „Restaurantbesuch“, den sie in Reih und Glied vornimmt. Ameisen lassen sich von offenen Marmeladengläsern, Zuckerkrümeln oder dem Geruch von Katzen- oder Hundefutter anlocken. Ihre Kolonien siedeln im Rasen, in Mauerspalten oder unter Steinen und müssen mit Nahrung versorgt werden. Im Garten, aber vor allem auf Wiesen lebt zudem die Gelbe Wiesenameise, unser insgesamt am häufigsten vorkommendes Insekt. Das lichtscheue Tier baut Erdnester mit oder ohne Erdhügel und es hält sich Haustiere. Die Gelbe Wiesenameise züchtet Wurzelläuse und ernährt sich von deren Ausscheidungen, dem sogenannten Honigtau.
Kaum einer weiß, dass die Ameisen neben uns Menschen die vorherrschenden Landorganismen sind – jedenfalls was die Biomasse angeht. Zwar wiegt eine Ameise nicht mehr als ein bis 15 Milligramm, alle Ameisen weltweit zusammengerechnet – hier gehen die Experten von einer Gesamtpopulation von 10.000 Billionen aus – erreichen das Gewicht aller Menschen. Die flinken Gliederfüßer haben zudem einen enormen Einfluss auf die restliche Tier- und Pflanzenwelt. Sie sind die Hauptfeinde der Insekten und Spinnen und schleppen mehr als 90 Prozent der toten Tiere als Futter in ihre Nester. Sie sind also sozusagen die Friedhofsarbeiter in der Tierwelt. Obendrein sind sie für die Verbreitung einer großen Anzahl von Pflanzenarten verantwortlich und bewegen mehr Erde als Regenwürmer.
Essig, Kaffeesatz und Kreidestriche
Im Haus stören sie hingegen. Köderdose oder Ameisenspray und damit Gift sollten trotzdem nicht das erste Mittel der Wahl sein. Es geht auch schonender, sagt Sabine Günther. „Ameisenstraßen mit Essig oder Duftölen besprühen, das mögen sie nicht“, gibt die Expertin einen Tipp, um die Ameisen zu vertreiben. Nur einmal sprühen helfe nicht. Es dauere ein bisschen. Auch Kaffeesatz oder Kreidestriche an vermeintlichen Einstiegsstellen helfen, die Tierchen umzuleiten. Das gilt auch für Terrasse und Rasen. Dort können sich Ameisenbauten im Erdreich unangenehm auswirken – beispielsweise im Absinken von Platten oder in gelben Flecken im Rasen. „Ein bisschen Chili- oder Kaffeepulver kann die Ameisen zum Umsiedeln bewegen“, sagt Günther.