Landtagswahl
AfD-Kandidat Sven Simer: „Zurück zum dreigliedrigen Schulsystem“
Sven Simer ist gerne Lauterer. „Ich wollte nie weg“, erzählt er. Ein dauerhafter Umzug sei für ihn kein Thema gewesen – auch wenn ihn sein beruflicher Weg seit mehreren Jahren in die Schweiz führt. „Ich bin heimatverbunden, Freunde und Familie sind mir sehr wichtig“, erzählt der 52-Jährige, der in Erfenbach lebt.
Nach dem Hauptschulabschluss absolvierte Simer bei Pfaff eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Doch glücklich sei er damit nicht geworden. Er holte das Fachabitur nach, fasste im Vertrieb Fuß, ehe er als Reisebusfahrer arbeitete. Seit sieben Jahren fährt er nun für die Verkehrsbetriebe in Luzern. Mit dem Zug pendelt er regelmäßig von der Schweiz nach Kaiserslautern, auch um an den Stadtratssitzungen teilzunehmen. „In den viereinhalb Stunden lässt sich gut die Büroarbeit erledigen“, sagt er. In manchem Ausschuss lasse er sich allerdings vertreten.
Simer ist seit 2017 Mitglied der AfD, die Kritik am Euro, aber auch an der Zuwanderungspolitik und den offenen Grenzen habe ihn dazu veranlasst, sich politisch zu engagieren. „Es hieß immer, dass die AfD so furchtbar fremdenfeindlich ist. Das hat mich dazu gebracht, mir die Partei mal von innen anzuschauen.“ Bestätigen könne er diesen äußeren Eindruck nicht, sagt Simer – nun nach einigen Jahren in der Partei, die vom Verfassungsschutz bundesweit als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft wurde. „Für mich ist die Diskussion über Rechtsextreme in der Partei befremdend, irreführend“, sagt Simer, der für die AfD seit 2019 im Kaiserslauterer Stadtrat sitzt. Weder im Kreisverband noch auf Landesebene habe er entsprechende Menschen kennengelernt.
Für verpflichtende Grundschulempfehlung und mehr Polizisten im Land
Am 22. März will Simer in den Landtag einziehen. Dafür müsste er das Direktmandat holen, denn auf der Landesliste seiner Partei steht er nicht. In Mainz will er sich vor allem um das Thema Bildung kümmern: „Die Hauptschulen wurden abgeschafft, aber wir wollen zurück zum dreigliedrigen Schulsystem“, sagt Simer. Denn diejenigen, die eine Ausbildung, beispielsweise in der Industrie oder im Handel gemacht haben, seien früher von der Hauptschule gekommen. Genau in diesen Bereichen fehlten heute Auszubildende. „Ich bin auch dafür, dass im Unterricht nur die sitzen, die ausreichend Deutsch können. Wenn sie die Sprache noch nicht können, sollten die Kinder erst ein, zwei Jahre Deutsch lernen und dann dazustoßen“, sagt Simer. Zu viele Kinder gingen heute aufs Gymnasium, „deshalb bin ich für eine verpflichtende Grundschulempfehlung für weiterführende Schulen. Aufs Gymnasium kann nur, wer von der Schule empfohlen wird“, sagt er.
Auch beim Thema Sicherheit will Simer, der im Wahlkreis 46 (Kaiserslautern Land) antritt, etwas tun. Seine Heimatstadt Kaiserslautern sei ein Beispiel dafür, dass immer mehr Menschen die Innenstädte als nicht sicher empfinden. „Es geht auch um Rückführungen derjenigen, die kein Bleiberecht haben“, sagt Simer. Für den gesetzlichen Rahmen beim Thema Abschiebungen ist allerdings der Bund verantwortlich, die Landespolitik kann darauf keinen direkten Einfluss nehmen. Was will Simer also in Rheinland-Pfalz tun? „Die Regelungen, die es gibt, werden nicht durchgesetzt. Der Wille der Regierung muss dafür da sein“, sagt er. Die AfD wolle den Flughafen Hahn zum Abschiebezentrum machen, erzählt Simer. Zudem müsse die Landespolizei personell aufgestockt werden, um die Sicherheit im öffentlichen Raum zu erhöhen.
Zu viele Kommunen im Land
„Außerdem wollen wir die Bürokratie reduzieren. Man muss auch Stellen in den Verwaltungen abbauen“, sagt Simer. Denn in den vergangenen Jahren sei immer mehr Personal eingestellt worden – ohne die finanziellen Mittel dafür. „Die Kommunen haben jahrzehntelang schlecht gewirtschaftet, aber man erkennt keine Bestrebungen, dagegen zu steuern. Stattdessen wird mit dem Aufgabenbedarf argumentiert und weiter Leute eingestellt“, sagt Simer. Das müsse sich ändern, auch wenn dann vielleicht längere Bearbeitungs- oder Wartezeiten auf Ämtern die Folge seien. Durch Umverteilung lassen sich die Aufgaben erledigen, ist Simer überzeugt. Auch würde er die Anzahl der Kommunen in Rheinland-Pfalz reduzieren, „wir müssen zur Not zwingen, zu fusionieren“, sagt Simer.
Er glaubt an ein gutes Wahlergebnis seiner Partei, rechnet mit über 20 Prozent. Dass die Diskussionen um Vetternwirtschaft innerhalb der AfD seiner Partei schaden könnte, „denke ich nicht“, sagt er. Der Kritik daran müsse man sich aber stellen. Die AfD hatte ihrerseits in den vergangenen Jahren immer wieder den Filz in anderen Partei hart kritisiert.
Zur Sache: Der Wahlkreis 46
Der Wahlkreis 46 Kaiserslautern-Land umfasst die Verbandsgemeinden Bruchmühlbach-Miesau, Landstuhl, Ramstein-Miesenbach und Weilerbach.