Sembach RHEINPFALZ Plus Artikel Abgelegene Haushalte in Sembach bekommen jetzt auch Glasfaser

M-EA-N-S-Vorstand Hartwig Pulver zeigt die Glasfaserstränge am Point-of-Presence-Gebäude – dem Zugangsknoten – in der Sembacher
M-EA-N-S-Vorstand Hartwig Pulver zeigt die Glasfaserstränge am Point-of-Presence-Gebäude – dem Zugangsknoten – in der Sembacher Hauptstraße 34 A, das auch als Bushaltestelle dient.

„Weiße Flecken“ sind Haushalte, die bisher noch nicht an schnelles Internet angeschlossen sind. Aufgrund ihrer Lage lohnt sich ein privatwirtschaftlicher Ausbau oft nicht. Wie diese Lücken in Sembach jetzt geschlossen werden.

Am Freitag ist in Sembach der Startschuss für die Bauarbeiten am Glasfasernetz gefallen. Dort wird die M-EA-N-S, eine gemeinsame kommunale Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) Leitungen an rund 55 Gebäude verlegen, die derzeit noch über weniger als 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) an Datenleistung verfügen. Die großen Buchstaben stehen für die Gemeinden Mehlingen, Enkenbach-Alsenborn, Neuhemsbach und Sembach.

Gefördert wird die Maßnahme über das sogenannte „Weiße-Flecken-Programm“. An den Kosten beteiligt sich der Bund zu 50 Prozent und das Land zu 40 Prozent. Auch die Haushalte, die bereits jetzt schon etwas schneller surfen können und an der Strecke der Gebäude liegen, werden laut M-EA-N-S-Vorstand Hartwig Pulver von dem Ausbau profitieren und mitangeschlossen werden. Im Fachjargon werden diese als Beifang bezeichnet.

Gesamtkosten betragen rund eine Million Euro

In Sembach betrifft der Ausbau laut Pulver jetzt den östlichen Teil der Hauptstraße, den südlichen und nördlichen Teil der Kaiserstraße (Ziegelhütte) und den Längstlerhof. Die Kosten liegen bei insgesamt einer Millionen Euro inklusive der Hausanschlüsse, der Glasfaserarbeiten und der Ingenieurleistungen, so der Vorstand. Davon hat M-EA-N-S zehn Prozent zu tragen. Pulver schätzt, dass der Ausbau in Sembach in etwa neun Monaten abgeschlossen sein wird. Danach käme Neuhemsbach an die Reihe. Haushalte in Enkenbach-Alsenborn und Mehlingen sind in den vergangenen beiden Jahren bereits über das Förderprogramm an die moderne Technik angeschlossen worden.

Eigens zu dem Zweck der Breitbanderschließung haben die Ortsgemeinden Enkenbach-Alsenborn, Mehlingen, Neuhemsbach und Sembach die M-EA-N-S AöR vor vier Jahren gegründet. Den Beschluss, den Breitbandausbau in Eigenregie durchzuführen, habe die alte VG Enkenbach-Alsenborn bereits vor 16 Jahren gefasst. Das sei eine Besonderheit gewesen und von anderen Kommunen interessiert beobachtet worden, sagte Pulver beim Spatenstich. Das Engagement der VG sei nicht nur ein Beitrag zu einer zukunftsorientierten Versorgungssicherheit, sondern auch ein wesentlicher Beitrag zur regionalen Wertschöpfung und Wirtschaftsförderung.

Baufirmen aus der Region

Im Auftrag der AöR werden Rohrleitungen und Glasfaser verlegt. Dies passiere oft auch schon dann, wenn die Straße beispielsweise wegen der Kanalerneuerung aufgerissen werde, unterstreicht Pulver, dass Synergieeffekte genutzt werden. M-EA-N-S beauftrage ausschließlich Baufirmen aus der Region. „Die haben in der Vergangenheit sehr gute Arbeit gemacht und es gab keine Beschwerden von den Bürgern“, so der Vorstand. Ein großer Vorteil sei, dass der jeweiligen Ortsgemeinde die Infrastruktur, das Glasfasernetz, gehöre. Das schaffe eine große Sicherheit und Unabhängigkeit von Fremdanbietern in einer der bedeutendsten Zukunftstechnologien.

Das Glasfasernetz für die Kunden nutzbar machen wird der Telekommunikationsdienstleister Vega-Net, der 2010 von der alten Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn gegründet wurde.

Nach Abschluss des „Weißen-Flecken-Programms“ werden laut Pulver von rund 4800 Gebäuden und Wohnungen im alten Teil der VG Enkenbach-Alsenborn rund 2600 mit Glasfaserdirektanschlüssen versorgt sein. Inklusive der bereits vorhandenen 900 Anschlüsse entspreche dies einer Anschlussquote von rund 55 Prozent. „In Sembach werden davon nach Abschluss der Arbeiten rund 270 Liegenschaften – davon 55 im geförderten Ausbau – mit Glasfaser erschlossen sein, was einer Anschlussquote von rund 70 Prozent entspricht“, führte Pulver aus.

Er konnte auch gleich eine gute Nachricht verkünden: Die Verbandsgemeinde habe jetzt den vorläufigen Förderbescheid über eine Million Euro in Berlin für den Gigabit-Ausbau für das sogenannte „Graue-Flecken-Programm“ des Bundes erhalten. Einen entsprechenden Förderantrag habe M-EA-N-S im vergangenen Jahr gestellt.

Leßmeister: „Schnelles Internet kein Luxus“

Schnelles Internet sei heute kein Luxus mehr, sondern Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Zusammenleben, für die Bildung und das Wirtschaftsleben, sagte Landrat Ralf Leßmeister (CDU). Der Breitbandausbau im Kreisclusterprogramm sei abgesehen von zwei Ausbaubereichen abgeschlossen. Jetzt gehe es nahtlos mit einer weiteren Bundesförderung, dem „Grauen-Flecken-Programm“ weiter, kündigte Leßmeister an. Diese Ausbaustufe orientiere sich an keiner Aufgreifschwelle mehr im Gegensatz zum „Weiße-Flecken-Programm“, wo verschiedene Anschlüsse bestimmte Voraussetzungen erfüllen mussten, so der Landrat. Die Markterkundung laufe, die verantwortlichen Gremien hätten alle Beschlüsse gefasst. „So wäre es möglich, alle Bereiche bis zur letzten Milchkanne auszubauen.“

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