Neuhemsbach
250 Festmeter heimisches Holz auf dem Weg nach China
„Natürlich ist die Holzwirtschaft kommerziell orientiert“, führt Revierleiter Tim Diekmann während der Verladung der Baumstämme aus. Zu seinen Aufgaben als Revierleiter gehöre auch die Vermarktung der Hölzer. Speziell die Eiche sei ein weltweit eher seltenes Holz. Und warum gehen die Hölzer ausgerechnet nach China? Dort zahle man fast 40 Prozent mehr dafür als die hiesigen Vermarkter, sagt der Förster. In Deutschland läge der Preis für einen Festmeter Eichenholz zwischen 100 und 200 Euro.
Überwiegend C- und D-Ware
Die Eichen, die nun abtransportiert wurden, sind etwa 180 Jahre alt. „Eichenholz ist im Trend“, so Diekmann. Im Gegensatz zur dunkleren Eiche rustikal von vor 30 Jahren sei heute die helle Holzfarbe begehrt. In China stelle man aus den besten Stämmen Möbel her. Dielen für Echtholzfußböden würden aus dem Rest geschnitten. Bekannte Möbelhäuser in Deutschland hätten diese dann wieder in ihrem Sortiment.
Das hier verladene Holz sei qualitativ eher schlechtes Eichenholz. Die Qualitätsmerkmale staffelten sich von A – für das Beste – über B, C und D für die minderwertigste Qualität. „Das Holz hier ist überwiegend C- und D-Ware“, erklärt Diekmann. Doch das bereite den Verarbeitern im Reich der Mitte keine Probleme. „In China ist jegliches Holz begehrt.“ Sogar Stämme mit vielen Ästen würden dort noch zu Möbeln verarbeitet. Die Mühe mache sich in Deutschland niemand mehr – wohl auch aufgrund der höheren Lohnkosten.
„Europäisches Projekt“
„Insgesamt kann der Transport mehrere Monate dauern“, prognostiziert Diekmann. Er hat jeden der Stämme einzeln mit einem weißen Nummernplättchen versehen. Anhand dieser Markierung können Herkunft, Zielort, Baumart und die Größe zurückverfolgt werden. „Das ist ein europäisches Projekt“, scherzt Spediteur Werner Kalff aus Belgien, während er die Stämme in die Container schiebt. Und er hat Recht.
Die Vermarktung läuft über einen Holzhändler aus den Niederlanden. Das in Deutschland gewachsene Holz aus den Wäldern um Enkenbach-Alsenborn und Flörsheim-Dalsheim wird von einem Belgier in Container verladen und verplombt und von einer französischen Spedition nach Luxemburg gefahren. Von dort aus geht es per Zug weiter zum Hafen in Antwerpen/Belgien. Hier erfolgt die Verladung auf Frachtschiffe, welche letztendlich die chinesische Hafenstadt Shanghai anlaufen. In China wird ein Sägewerk vor Ort sich um die weitere Verarbeitung der Hölzer kümmern. Bevor die Ladung an Bord des Schiffes geht, wird sie noch mit einem Mittel gegen Schadinsekten behandelt. Das gehöre bei derlei Transporten zum Standard, erklärt Diekmann. „In manchem Eichenholz – auch in frischem – kann der Eichenprachtkäfer sitzen.“
So gehen die Container nicht leer zurück
Diekmann kennt die Bedenken gegenüber langen Transportwegen und schlechten Arbeitsbedingungen in China. Er erläutert, dass der Mehraufwand in diesem Fall lediglich den Transport vom Bahnhof in Luxemburg zum Hafen in Belgien betreffe. Die Container, die mit Waren wie Smartphones oder Kameras aus China kämen, gingen ansonsten leer zurück, was auch nicht sinnvoll sein könne. „Der globale Handel gehört zu unserem Alltag“, resümiert er.
Ein Holztransport aus der Pfalz nach China sei dennoch nichts Alltägliches, auch nicht für Tim Diekmann. Wahrscheinlich, so vermutet er, fand ein solcher Transport von der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn aus sogar zum ersten Mal statt. Es lohne sich nur, wenn eine große Menge an Eichen- oder Buchenholz zur Verfügung stünde. Für Kiefer und Fichte sei der Aufwand derzeit zu groß. Diekmann meint, dass in Zukunft wohl öfter pfälzische Bäume die Reise in das Reich der Mitte antreten könnten.