Schallodenbach RHEINPFALZ Plus Artikel 2,20 Meter lange Boa constrictor auf Feldweg entdeckt

Die Boa constrictor, die Knochen brechen kann, war aufgrund der Kälte träge und konnte von den Tierrettern Kindsbach eingefangen
Die Boa constrictor, die Knochen brechen kann, war aufgrund der Kälte träge und konnte von den Tierrettern Kindsbach eingefangen werden.

Eine 2,20 Meter lange Boa constrictor wurde am frühen Sonntagabend auf einem Feldweg zwischen Schallodenbach und Mehlbach von einem Spaziergänger entdeckt. Aufgrund der Kälte war die Würgeschlange träge und konnte von den Tierrettern des Tierschutzvereins Kindsbach eingefangen werden.

Auf seiner Runde mit dem Hund entdeckte der Spaziergänger die stattliche Schlange und alarmierte die Polizei. „Rund zwanzig Minuten nach deren Anruf waren wir vor Ort“, berichtet Kai Zöller, zweiter Vorsitzender des Tierschutzvereins. Der Finder war in der Nähe der Schlange geblieben, so dass Zöller und seine Kollegin das Tier recht schnell fanden. Da auch für die erfahrenen Tierretter ein Reptil dieser Größe nicht an der Tagesordnung ist, holten sie sich telefonisch Hilfe von der Reptilienhilfe Saar. „Aufgrund des Fotos, das ich geschickt bekam, war mir sofort klar, dass es sich um eine Boa constrictor handelt“, berichtet Expertin Manuela Pfleger, die zusammen mit Hans-Peter Kaup seit über 20 Jahren ehrenamtlich die Reptilienhilfe in Friedrichsthal betreibt.

„Die brechen Knochen“

„Boas sind wechselwarme Tiere, die ihre Körpertemperatur nicht allein hochfahren können. Erst bei 26 bis 30 Grad sind sie agil, bei den Temperaturen am Sonntag jedoch sehr träge“, konnte Pfleger leichte Entwarnung für die Kindsbacher geben. Ansonsten kann eine solche Schlange „Knochen brechen und hat zum Beispiel eine Ratte in rund 25 Sekunden erdrückt“, verrät Zöller.

So stülpten die beiden eine Rettungsweste über die Schlange, packten sie am Kopf und konnten sie in einem Kopfkissenbezug abtransportieren. „Wir sind dann mit ihr nach in Ramstein gefahren und haben sie am vereinbarten Treffpunkt der Reptilienhilfe Saar übergeben“, berichtet Zöller weiter. Außerdem informierte er noch das Ordnungsamt und Veterinäramt, „denn vermutlich wurde das Tier ausgesetzt“.

Für Manuela Pfleger ist dies „100-prozentig klar, denn sonst hätte man das Tier schon früher gesehen“. Bei den aktuellen Temperaturen sei eine Boa derart langsam, dass sie die von Zöller geschätzten zwei Kilometer von Schallodenbach nicht so schnell hätte zurücklegen können. Doch generell sei Vorsicht geboten: „Aus Angst oder Hunger kann eine Boa zubeißen und die Zähne, die nachwachsen, bleiben in der Wunde stecken.“

Eine XXL-Ratte zum Dinner

Nun ist die Boa constrictor vorerst bei der Reptilienhilfe „in Quarantäne“, wie Pfleger sagt. Heute bekommt sie das erste Mal Futter, „eine XXL-Ratte“. Dieses „Frostfutter“ sei im Reptilienhandel und Internet erhältlich und muss „handwarm“ serviert werden. Pfleger wird dann den Kot zur Analyse einschicken, um Krankheiten wie innere Parasiten feststellen zu lassen. „Außerdem bekommen Boas bei der feuchten Kälte leicht eine Lungenentzündung, die jedoch mit Antibiotika gut zu behandeln ist.“ Da der neue Gast aber keine Symptome wie Bläschen an Maul und Nase zeige, ist Pfleger guter Dinge, dass das Tier den Aufenthalt draußen gut überstanden hat.

Pfleger und Kaup beherbergen derzeit neben zwei kleineren Boas noch zwei Pythons, Kornnattern, fünf Skorpione und acht Vogelspinnen, die außer einer Kornnatter dauerhaft dort bleiben. „Eine Boa hatten wir in den letzten Jahren schon öfter, aber nicht von der Größe.“ Leider komme es immer öfter vor, dass Reptilien ausgesetzt werden, weil die Tiere dem Halter zu groß oder im Unterhalt zu teuer werden. Der Besitzer sei dann nicht leicht ausfindig zu machen, denn eine Boa sei nicht mehr meldepflichtig. „Es ist paradox: Hochgiftige Tiere sind teils nicht meldepflichtig, eher ungefährliche hingegen schon.“

Da es sich um eine grobe Fahrlässigkeit bei einer freilaufenden Boa handele, müsste der Besitzer dies eigentlich anzeigen, sagt Pfleger, „und er müsste beweisen, dass sie ihm abgehauen ist – was sehr unwahrscheinlich ist“. Sollte sich ein Nachbar melden, dann würde sie Anzeige gegen den Halter erstatten. „Und ohne gründliche Vorkontrolle würden wir das Tier auch niemandem geben.“ Deshalb wird sie die Boa letztlich vermutlich ins Reptilium Landau geben.

Ein Spaziergänger entdeckte die 2,20 Meter lange Schlange auf einem Feldweg und alarmierte die Polizei.
Ein Spaziergänger entdeckte die 2,20 Meter lange Schlange auf einem Feldweg und alarmierte die Polizei.
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