Kreis Kaiserslautern Ökologischer und wirtschaftlicher Schatz

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Jetzt kann’s losgehen: Auf einer Versammlung am Donnerstagabend in Vogelbach gaben die privaten Waldbesitzer grünes Licht für die Waldflur-Bereinigung auf der „Sickinger Stufe“. Damit kann das Verfahren zur Neuordnung einer rund 220 Hektar großen Waldfläche beginnen, die sich von den Ortslagen von Vogelbach und Bruchmühlbach im Süden bis zur Höhe des Poßbergs auf der Gemarkung von Lambsborn im Norden erstreckt.

Wieder war das Interesse der privaten Eigentümer an der Zukunft ihrer Wald-Parzellen groß: Mehr als 100 Menschen kamen zur offiziellen „Aufklärungsversammlung“, die das rheinland-pfälzische Flurbereinigungsgesetz zum Beginn eines solchen Verfahrens vorsieht, in das Dorfgemeinschaftshaus von Vogelbach. An einem ersten Informationstreffen, das bereits Mitte Februar vergangenen Jahres auf Einladung der Verbandsgemeinde stattfand, hatten sich sogar rund 150 Teilnehmer eingefunden (wir berichteten). Ziemlich groß ist allerdings auch die Aufgabe, vor der Bruchmühlbach, Vogelbach und Lambsborn gemeinsam mit dem „Dienstleistungszentrum Westpfalz“ (DLZ) stehen. Es geht um die Neuordnung einer rund 275 Hektar großen landwirtschaftlichen Fläche, davon etwa 220 Hektar Wald. Ein ökologischer und wirtschaftlicher Schatz, der bislang allerdings kaum genutzt wird. Denn der Privatwald gehört rund 300 einzelnen Eigentümern, die Parzellen haben durch Jahrhunderte lange Erbteilung oft nur die Größe eines Handtuchs. „In dieser kleinteiligen Struktur lässt sich der Wald nicht pflegen“, betonte Horst Semar, der zuständige Abteilungsleiter beim DLZ. „Viele Parzellen sind für die Eigentümer gar nicht zugänglich. Manche wissen nicht einmal, wo genau ihr Waldstück sich befindet. Es gibt keine genaue Kartierung und es fehlen Erschließungswege, die sich auch für Spaziergänger und Wanderer nutzen lassen. Wir wollen eine Neuordnung des Gebiets, von der am Ende alle Beteiligten profitieren.“ Semar hatte eine gute Nachricht für Waldeigentümer: „Die Landesregierung hat im Mai unserem Vorschlag zugestimmt, in diesem Gebiet ein vereinfachtes Flurbereinigungsverfahren durchzuführen. Das bedeutet konkret, dass es einen Zuschuss in Höhe von 85 Prozent für alle Kosten gibt, die noch in diesem Jahr entstehen.“ Beginne man dagegen erst im Jahr 2015, sinke der öffentliche Zuschuss auf 75 Prozent. „Es gibt also gute Gründe, mit dem Verfahren möglichst bald anzufangen.“ Es folgten konkrete Rechenbeispiele: „Wenn wir mit Verfahrenskosten von rund 1000 Euro pro Hektar Waldfläche rechnen, bleiben für den Eigentümer in diesem Jahr 150 Euro Eigenleistung. Weil viele Parzellen jedoch kleiner als ein Hektar sind, ist die finanzielle Belastung überschaubar.“ Werde der Wald jedoch künftig bewirtschaftet, gebe es bei den jetzigen Holzpreisen durchaus gute Ertragsaussichten: „Unter dem Strich wird für die meisten ein Plus stehen, sowohl für die Selbstwerber als auch für Holzverkäufer.“ Das sahen die meisten Teilnehmer, die sich in der anschließenden Diskussion zu Wort meldeten, ähnlich. Sie hatten sich offenbar längst über das Verfahren kundig gemacht und stellten sehr konkrete Fragen: Wann denn der Vorstand gewählt werde, der die Interessen der Eigentümer vertritt? „Wenn es heute keinen Widerspruch gibt, können wir das schon vor den Herbstferien machen“, antwortete Semar. Und wann die Vermessung und Wertfeststellung der einzelnen Parzellen beginne? „Das wird dann der übernächste Schritt. Erst einmal müssen wir das Verfahren offiziell einleiten.“ Zwischendurch musste Semar die Eigentümer sogar daran erinnern, dass ein Flurbereinigungsverfahren seine Zeit dauert: „Rechnen Sie bitte damit, dass wir damit nicht vor dem Jahr 2020 abschließen können. Dafür müssen einfach zu viele private, wirtschaftliche und ökologische Interessen abgewogen werden. Und die Träger öffentlicher Belange haben auch noch ein Wörtchen mitzureden.“ Nach anderthalb Stunden stellte der DLZ-Experte dann die Gretchenfrage: „Liebe Leute, wollen wir die Sache angehen?“ Das Publikum spendete zustimmenden Beifall. (mibo)

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