Kreis Kaiserslautern
Ärzte im Landkreis finden oft keine Nachfolger
Im Landkreis passieren etwa 50 Prozent der Allgemeinmediziner innerhalb der nächsten zehn Jahre das Rentenalter oder stehen kurz davor. Knapp ein Drittel ist bereits 61 Jahre und älter. Diese Zahlen beinhaltet das Antwortschreiben der Landesregierung vom November 2019 auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten im Mainzer Landtag Marcus Klein (CDU). Daraus geht ebenfalls hervor, dass nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz in den vergangenen fünf Jahren im Landkreis Kaiserslautern 15 Hausärztinnen und Hausärzte aus der vertragsärztlichen Versorgung ausgeschieden sind, acht hausärztliche Praxen geschlossen wurden und keine neu eröffnet hat. „Das sind beunruhigende Fakten. Sie zeigen, dass schon jetzt für viele Hausärzte die Nachfolger-Suche zur Zitterpartie wird, weil Interessenten Mangelware sind. Teils praktizieren die Mediziner noch über das Rentenalter hinaus, um ihre Patienten nicht im Stich zu lassen. Aber das ist natürlich nur eine kurzfristige Lösung und packt das Problem nicht bei der Wurzel“, sagt Marcus Klein.
Das Lautertal wird zum Problem
Einen Engpass in puncto Hausärzte sieht auch die Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg auf sich zu kommen. „Das liegt vor allem daran, dass die Verbandsgemeinde zusammen mit der Stadt Kaiserslautern einen ärztlichen Versorgungsbezirk bildet und als gut versorgt gilt“, erklärt die Otterberger Stadtbürgermeisterin Martina Stein (SPD). „Das mag für Kaiserslautern stimmen. Aber selbst in Otterberg, wo wir mit Ärzten noch ganz gut aufgestellt sind, ist der Kampf um Nachfolger mühsam.“ In ländlichen Regionen, wie etwa dem Lautertal, sehe die Realität schon jetzt recht düster aus. „Da kann von einer guten Versorgung nicht die Rede sein, je weiter die Orte von der Stadt weg sind, desto größer der Ärztemangel“, sagt der Erste Beigeordnete Martin Müller. „Deshalb appellieren wir seit Jahren an die KV, die Zuordnung zu Kaiserslautern aufzuheben. Doch es tut sich einfach nichts. Wir haben noch keinen Weg gefunden, um stärker Druck zu machen“, so der SPD-Politiker.
Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Daniel Schäffner setzt sich zusammen mit seinem Kollegen Thomas Wansch für die Sache ein. „Solange die Zuordnung nicht neu geregelt ist, wird sich kaum etwas ändern. Denn innerhalb des Bezirks tendieren die Ärzte eher nach Kaiserslautern.“
Mangelnder Nachwuchs von den Universitäten
Dazu kämen noch andere Ursachen für den Landarztmangel. Allen voraus mangelnder Nachwuchs von den Universitäten. Dem soll eine Erhöhung der Medizin-Studienplätze in Mainz entgegenwirken, als Teil der „Landarzt-Offensive“ der Landesregierung. Sie umfasst auch die Einführung einer Landarztquote. „Dabei werden Studienplätze für Bewerber reserviert, die sich verpflichten, im Anschluss an das Studium sich zum Allgemeinmediziner ausbilden zu lassen und zehn Jahre als Hausärztin oder Hausarzt in ländlichen Regionen von Rheinland-Pfalz zu praktizieren.“ Mit diesen Maßnahmen nehme die Regierung Geld in die Hand, um dem drohenden Landarztmangel zu begegnen.
„Aber man hätte schon früher aktiv werden müssen. Denn bis die Aufstockung der Studienplätze und die Landarztquote greifen, vergehen Jahre“, sagt CDU-Landtagsabgeordneter Klein. „Und es ist nicht gesagt, dass die Mediziner im Rahmen der Landarzt-Quote auch dauerhaft auf dem Land bleiben“, gibt Daniel Schäffner zu bedenken. „Denn noch immer verdienen sie nicht so viel wie Fachärzte, haben dafür oft eine 80-Stunden-Woche und stehen quasi rund um die Uhr auf Abruf. Das kommt für viele junge Ärzte nicht in Frage, sie legen Wert auf eine möglichst stimmige Work-Life-Balance.“
Künftig mehr Gemeinschaftspraxen
Deshalb seien Gemeinschaftspraxen und medizinische Versorgungszentren mit angestellten Ärzten und geregelten Arbeitszeiten auf dem Vormarsch. Das könne in Einzelfällen jedoch bedeuten, dass ein zugelassener Arzt seine Praxis schließt, aber seine vertragsärztliche Tätigkeit andernorts als angestellter Arzt fortführt. Dennoch seien die Modelle ärztlichen Zusammenschlusses eine gute Möglichkeit, junge Ärzte zu gewinnen, die das finanzielle Risiko scheuen, allein eine Praxis zu gründen oder zu übernehmen.
Auch in Queidersbach verfolge man diese Idee. „Dort sind noch zwei Ärzte aktiv und gut ausgelastet. Aber auch sie werden irgendwann aufhören. Damit keine Versorgungslücke entsteht, wäre die alte Schule prädestiniert für eine Praxis oder ein MVZ. Aber mit diesem Vorschlag ist man bis jetzt bei der KV nicht weitergekommen“, sagt Schäffner und befürchtet, dass sich trotz aller Maßnahmen und Bemühungen die ärztliche Versorgung vor Ort nicht überall und auf Dauer realisieren lässt.
Dann könne die Telemedizin einen Ausweg bieten. Die ist bis dato aber noch kein alltägliches Mittel. Deshalb gilt es weiter, dicke Bretter zu bohren. „Und die Hoffnung nicht aufzugeben“, sagt auch Martin Müller.