Kreis Kaiserslautern
Ärger um Kunstrasenplätze – Vereine sehen keinen Grund zur Panik
Im Kampf gegen Mikroplastik hat die EU auch Kunstrasen-Granulat im Visier. Sollte dieses verboten werden, wären auch einige Fußballvereine im Landkreis Kaiserslautern betroffen. Grund zur Panik sehen diese allerdings nicht. Diejenigen, die Plätze in öffentlicher Hand nutzen, müssen sich wohl gar keine Sorgen machen.
Vorneweg: Derzeit untersucht die Europäische Chemikalienagentur die Auswirkungen von Mikroplastik. Das findet sich eben auch auf den Kunstrasen im Landkreis. Nämlich beim Granulat. Schlimmstenfalls könnte jedoch wohl lediglich das Nachfüllen dieses Kunststoffgranulats durch die EU verboten werden. Ein sofortiges Ende für den Kunstrasen wäre das keineswegs – aber womöglich ein vorzeitiges. Allerdings erklären die befragten Verantwortlichen für die Kunstrasenplätze im Landkreis, dass ohnehin wenig Granulat verloren gehe und dementsprechend auch kaum Nachfüllbedarf bestehe.
Granulat wird gereinigt und wieder verwendet
„Bei uns ist jeden Tag Trainings- und Spielbetrieb“, verdeutlicht der zweite Vorsitzende des VfB Reichenbach, Mark Rheinheimer, dass der robuste Kunstrasenplatz dringend gebraucht wird. Dessen Pflege übernimmt eine Fachfirma. Einmal im Jahr werde das Granulat aufgesaugt, gereinigt und dann wieder aufgebracht. Granulat nachfüllen sei also kaum notwendig. „Erstmal abwarten“, meint Rheinheimer. Den EU-Vorstoß, dem Mikroplastik zu Leibe zu rücken, hält er grundsätzlich für sinnvoll. Es gehe eben nur darum, auch für die Vereine vernünftige Lösungen zu finden. „Der Platz wird jeden Tag genutzt“, verdeutlicht auch der Jugendleiter des FV Olympia Ramstein, Ralf Hechler, die Bedeutung des Kunstrasens. Etliche Jugendmannschaften, Aktive und Alte Herren sind hier in Aktion. Und das zu jeder Jahreszeit und bei fast jedem Wetter. Als der Kunstrasen 2011 angelegt wurde, war Hechler Vereinsvorsitzender. Von daher hat er alles, was den Platz betrifft, gut im Blick. Natürlich gehe kontinuierlich etwas Granulat verloren – das beispielsweise an Schuhen oder Kleidern hängen bleibt. Bisher habe allerdings nur ein einziges Mal „eine einzige Tonne“ nachgefüllt werden müssen. Knapp 30 Tonnen liegen insgesamt auf dem 6200 Quadratmeter großen Kunstrasen. Einmal im Jahr kommt eine Fachfirma und kümmert sich um die Rasenpflege – Granulat absaugen, reinigen und wieder aufbringen. Zehn Jahre dürfte der Kunstrasen seinen Dienst noch tun, meint Hechler. Dann stünde wohl eine Erneuerung an. So habe der Verein auch geplant, der dann etwa 150.000 Euro in die Hand nehmen müsste. Vom Kunststoffgranulat ganz wegzukommen, wäre in diesem Zuge wohl kein Problem. Für den SV Otterberg wäre ein Bestandschutz für bereits bestehende Plätze unerlässlich. Erst vor zwei Jahren wurde hier ein Kunstrasenplatz angelegt – auf dem Kunststoffgranulat verwendet wird. „Das ist unser einziger Platz“, betont Vorsitzender Timo Günther. Ein schnelles Verbot von Kunststoffgranulat könne das Ende für den Verein bedeuten, der dann eventuell in absehbarer Zeit keine Spiel- und Trainingsstätte mehr hätte – falls kein Granulat zum Nachfüllen mehr verfügbar wäre. Günther betont, dass kaum Granulat verloren geht. Fast alles bleibe auf dem Platz. Das Sportgelände mit Tartanbahn und Kunstrasenplatz, auf dem auch Schulsport betrieben werde, soll schon bald an die Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg übertragen werden. Der SV Otterberg werde dann einen Pachtvertrag mit der VG auf 30 Jahre schließen.
In Miesau gerade komplett ausgetauscht
Der Kunstrasenplatz in Miesau gehört der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach Miesau und wird nicht nur für den Schulsport genutzt. Gleich mehrere Fußballmannschaften – Elschbach, Miesau, Bruchmühlbach, Vogelbach – können hier trainieren und spielen. Daran wird sich nichts ändern, sagt Bürgermeister Erik Emich (CDU). Derzeit wird das alte Granulat, da es verklumpte, komplett durch neues ersetzt. 82.000 Euro kostet das die VG. 32 Tonnen Granulat kommen auf den 8000 Quadratmeter großen Platz, der 2002 angelegt wurde. Dass noch mal eine große Menge Granulat aufgebracht werden muss, erwartet Emich nicht. Ein Gutachter habe dem gut gepflegten Platz im vergangenen Jahr noch eine Lebenzeit von sechs bis sieben Jahren eingeräumt. Damit stünde eine Erneuerung wohl ohnehin 2024/2025 an. Jetzt heiße es erstmal abwarten, welche Richtlinien vorgegeben werden. Danach müsse die VG mögliche Varianten für den Platz prüfen – egal ob Kork, Mischung zwischen Kunst- und Naturrasen oder anderes. Eines sei klar: Der Platz bleibe erhalten. Für den Kunstrasen am Rothenborn in Landstuhl ist die Stadt verantwortlich. TuS und SSC Landstuhl spielen und trainieren dort. Und auch für so manch anderes Fußball-Event wird er laut dem Ersten Stadtbeigeordneten, Boris Bohr, genutzt. „Abwarten, was kommt und dann sehen, was wir machen“, lautet Bohrs Aussage mit Blick auf das im Raum stehende Verbot von Kunststoffgranulat. Aber natürlich solle der 2009 angelegte Landstuhler Kunstrasen erhalten bleiben. „Ich wüsste nicht, dass da viel verloren geht“, betont Bohr. Was an Granulat neben den Platz gelange, werde aufgekehrt und wieder verwendet. Ein bis zweimal im Jahr kümmere sich die Stadtgärtnerei um die Pflege des Kunstrasens. Also: Granulat absaugen, reinigen, wieder aufbringen. Neues Granulat sei nur einmal im Jahr 2015 aufgebracht worden – 8,5 Tonnen wurden damals benötigt.
Neue Plätze sowieso ohne Kunststoffgranulat geplant
Da das Gelände, auf dem derzeit der neue Kunstrasenplatz des SV Rodenbach entsteht, in einem Wasserschutzgebiet liegt, habe die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd ohnehin kein Granulat erlaubt, erläutert der dortige Vereinsvorsitzende Peter Degen. Also seien Vereinsvertreter zur TSG Hoffenheim gefahren, hätten sich den dortigen Kunstrasen angeguckt und sich für diese Variante entschieden. Jene kommt komplett ohne Granulat aus. Allerdings sei sie auch etwa fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter teurer. Glück im Unglück, sagt Degen. Denn die Diskussion um Kunststoffgranulat muss den SV Rodenbach nun überhaupt nicht interessieren. Auch beim SV Kottweiler-Schwanden stand bereits vor dem EU-Vorstoß gegen Mikroplastik fest, dass auf Kunststoffgranulat verzichtet wird. „Wir sind schon in der Planungszeit komplett umgeschwenkt“, sagt Vorsitzender Christopher Völker. Und zwar weg von Kunststoff- hin zu Korkgranulat. „Weil wir nicht wussten, was in Zukunft ist“, erklärt Völker diese Entscheidung, die dem SV Kottweiler-Schwanden nun Sorgenfreiheit beschert.