Wochen-Spitze Zwischen Kunstwerk und Schmiererei
Wer kennt es nicht, das Mädchen mit dem Ballon? „Girl with Balloon“, wie es im Original heißt, ist ein Graffito des Street-Art-Künstlers Banksy und nicht nur in London zu bestaunen, wo das kleine Mädchen, das seine Hand ausstreckt, um einen roten, herzförmigen Luftballon fliegen zu lassen, erstmals auftauchte. Sicherlich ist Banksy eine außergewöhnliche Figur in der Sprayer-Szene. Niemand wird bezweifeln, dass es sich bei den Graffiti des – vermutlichen – Briten um große Kunst handelt. Die Sprayer-Szene ist groß, auch in Deutschland. Und nicht jeder, der mit einer Spraydose bewaffnet um die Häuser zieht, ist mit künstlerischer Begabung gesegnet, was immer wieder für Ärger sorgt.
In jeder größeren Kommune gibt es heutzutage Graffiti. Oft sind es kunstvoll gestaltete Stromkasten – in diesen Fällen ist davon auszugehen, dass sich die Künstler für deren Verschönerung zuvor eine Erlaubnis eingeholt haben. Manchmal sind auch Wände verziert, etwa von öffentlichen Toiletten. Nicht jedem gefällt das, aber das ist ja normal. Ob ein Kunstwerk gefällt oder nicht, liegt ja immer am persönlichen Geschmack des Betrachters. So weit, so gut.
Zwei grüne Kringel
Schwieriger wird es, wenn Hauswände beschmiert werden. Etwa mit sinnfreien Parolen oder Beleidigungen gegen Personen oder Fußballvereine aus der badischen Nachbarschaft. Oder einfach nur mit bunten Kringeln. Mit Kunst hat das dann natürlich nichts mehr zu tun.
Auch in Kandel gibt es zahlreiche Graffiti zu bestaunen. Nicht nur im Bereich der Schulen oder des Bahnhofs. Aber auch in Kandel gibt es leider sinnlose Schmierereien. Etwa am Wohnhaus der Familie Seither. Zwei grüne Kringel wurde auf die helle Hauswand gesprüht. „Was sind das für Menschen, die in Kandel unterwegs sind und fremdes Eigentum beschädigen beziehungsweise beschmieren?“, fragen sich die Hausbesitzer zurecht. „Sind es Menschen mit Frust, Langeweile, oder haben die nichts Besseres zu tun?“
Tja, schwer zu sagen. Um die Frage beantworten zu können, müsste man die Übeltäter erst einmal erwischen. Das Sprühen auf nicht genehmigten Flächen ist selbstverständlich illegal, es stellt eine Sachbeschädigung im Sinne des Strafgesetzbuches dar. Verschärfend kommt hinzu, dass der oder die Sprayer das Grundstück der Familie betreten haben müssen, um die Wand zu verunstalten. In diesem Fall ist dann auch noch der Tatbestand des Hausfriedensbruchs erfüllt.
Ausbildung zum Maler?
Ärgerlich sind die Schmierereien für die Hausbesitzer auf jeden Fall. Denn die Kringel zu entfernen, kostet Zeit und Geld. Entfernen lassen sich Graffiti mit einem Hochdruckreiniger oder einem Sandstrahler, je nach Untergrund.
Für die Schmierfinken haben die Seithers noch einen Tipp parat. Überall im Handwerk bestehe ein Mangel an Fachkräften, vielleicht wäre da für die illegalen Sprayer doch eine Ausbildung im Bereich Maler oder Lackierer geeignet.
In der Tat werden Maler und Lackierer gesucht, Ausbildungsplätze sind auch in der Region vorhanden. Der Job ist durchaus anspruchsvoll. Saubere Arbeit wird erwartet. Immer wieder darf man auch Hauswände bemalen. Und in manchen Fällen ist auch Kreativität gefragt. Dann kann man vielleicht sogar ein Mädchen mit einem Luftballon auf eine Wand zaubern.
Ein schönes Wochenende