Berlin / Rülzheim / Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Zur Bundespräsidentenwahl mit Schlips

Martin Brandl. Eine Krawatte trägt er der CDUler nur noch selten. Aber bei der Wahl des Bundespräsidenten wird er eine umbinden.
Martin Brandl. Eine Krawatte trägt er der CDUler nur noch selten. Aber bei der Wahl des Bundespräsidenten wird er eine umbinden.

1472 Wahlleute werden am Sonntag Deutschlands Staatsoberhaupt wählen. Zwei davon sind Martin Brandl und Alexander Schweitzer. Wie sie sich vor der Wahl fühlen. Wie sie sich darauf vorbereiten. Wen sie wählen wollen.

Martin Brandl (CDU) und Alexander Schweitzer (SPD) sind zwei der 1472 Wahlleute, die am Sonntag als Bundesversammlung im Paul-Löbe-Haus in Berlin zur Bundesversammlung zusammentreten und den Bundespräsidenten wählen werden – oder eine Bundespräsidentin. Denn unter den vier Bewerbern von SPD, Linke, FWG und AfD ist auch eine Frau.

Der Rülzheimer Brandl ist zum ersten Mal dabei. Vor fünf Jahren hätte er zwar schon mitwählen können, musste aber aus Termingründen absagen. Nun dabei sein zu dürfen, bezeichnet er als „große Ehre“. Die CDU-Fraktion im Landtag hat laut Brandl für die Wahl zwölf Personen auswählen dürfen: Als Parlamentarischer Fraktionsgeschäftsführer sei es auch seine Aufgabe gewesen, die Personen zu benennen, die in die Bundeshauptstadt entsendet werden. Acht Mitglieder des Fraktionsvorstandes und vier Nicht-Politiker: die Vorsitzende des neuen Kita-Fachverbandes, eine Intensivkrankenschwester, ein Pastor aus dem Ahrtal und den BASF-Chef Martin Brudermüller.

Wegen Stau Zug verpasst

Während Brandl am Freitagmittag am Telefon erzählt, sitzt er im Zug und hat bereits zwei Stunden Verspätung gegenüber seinem Zeitplan. Schuld daran ist aber nicht die Deutsche Bahn. Vielmehr stand er am Morgen im Stau auf der B9 zwischen Rülzheim und Bellheim, die wegen eines Unfalls in Fahrtrichtung Germersheim komplett gesperrt war. Deshalb verpasste er dort den Zug.

Mittlerweile entspannt erzählt er, dass er ganz gespannt auf das vor ihm Liegende ist: Es sei schon etwas Besonderes, wenn der Bundestag mit den Fraktionsspitzen aus den Ländern und den Ministerpräsidenten zusammentrifft. Brandl freut sich auf die Begegnungen „trotz der Corona-Beeinträchtigungen“. Schade sei, dass die Wahl nicht wie üblich im Reichstagsgebäude stattfindet, sondern im benachbarten Abgeordnetenhaus, dem Paul-Löbe-Haus. Außerdem entfalle das sonst übliche Rahmenprogramm. Bei der Bundesversammlung gilt laut Brandl eine strenge 3G-Regel. So stehe am Samstag ab 15 Uhr Testen auf dem Programm, um 17 Uhr eine Fraktionssitzung, in der über die Wahl gesprochen werde, danach folge ein Abendessen der CDU-Landesgruppe. Der Sonntagmorgen beginne mit einem ökumenischen Gottesdienst um 8.30 Uhr. Von 12 bis gegen 15 Uhr werde die Bundesversammlung abgehalten. Danach habe Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zu einem Empfang in die rheinland-pfälzische Landesvertretung eingeladen. Am Montag gehe es dann wieder auf die Heimreise. Er habe bewusst einen Zeitpuffer eingeplant. Das habe sich bereits gelohnt, meint er im Hinblick auf den Stau am Morgen.

Über Garderobe Gedanken gemacht

Und wie hat er sich auf diese Wahlveranstaltung vorbereitet? Macht man sich besondere Gedanken über die Garderobe? Ja, räumt Brandl ein. Aber als Mann habe man es da mutmaßlich einfacher als Frauen. „Anzug, schickes Hemd.“ Außerdem gesteht er ein, eine Krawatte eingepackt zu haben. „Obwohl ich nur noch sehr selten eine trage.“

Und wen wird er wählen? Den Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier (SPD), der von SPD, CDU/CSU, Grünen und FDP nominiert wurde? Brandl bittet um Verständnis, dass es sich um eine geheime Wahl handelt, mit der sich am Samstag noch einmal die Fraktion bei einer Tagung befassen wird. „Aber von den anderen werde ich keinen wählen.“

Wird ein besonderer Tag

Noch weniger als Brandl macht Alexander Schweitzer kein Geheimnis aus seiner Wahlentscheidung. Der Sozialdemokrat hat gearbeitet – er meldet sich nach einer Bundesratssitzung. Er werde seine Stimme dem amtierenden Bundespräsidenten Steinmeier geben. „Das ist sicher auch keine Überraschung.“ Steinmeier habe das Amt sehr gut und würdig ausgefüllt, sagt der amtierende Superminister für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung. Gerade Steinmeiers diplomatisches Auftreten hebt der Bad Bergzaberner Schweitzer hervor. Der Präsident habe gerade in der Corona-Pandemie und bei der Impffrage stets den Dialog gesucht. „Es ist ein Amt, in dem es um Verbindendes geht.“

Für Schweitzer ist es die zweite Bundesversammlung – er war bereits 2012 dabei, als Joachim Gauck gewählt wurde. Bei der letzten Wahl habe er seinen Platz jemand anderem zur Verfügung gestellt. Nervös sei er nicht, sagt Schweitzer, denn „es ist erwartbar, dass es nicht knapp ausgeht“. Aber ein gewisser Respekt vor der Versammlung schwingt schon mit, wenn Schweitzer mehrfach betont, dass ein „großer Tag für die Demokratie“ anstehe und davon auszugehen ist, „dass es wahrscheinlich ein erhabener Moment“ an einem „besonderen Tag“ sein wird.

Alexander Schweitzer. Gegen die Kälte trägt der SPDler in Berlin gewiss auch einen Schal. Und eine Krawatte darunter?
Alexander Schweitzer. Gegen die Kälte trägt der SPDler in Berlin gewiss auch einen Schal. Und eine Krawatte darunter?
Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier (SPD).
Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier (SPD).
Kandidatin der FWG: Stefanie Gebauer.
Kandidatin der FWG: Stefanie Gebauer.
Kandidat der Partei Die Linke: Gerhard Trabert.
Kandidat der Partei Die Linke: Gerhard Trabert.
Kandidat der AfD: Max Otte.
Kandidat der AfD: Max Otte.
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