Kreis Germersheim Zuerst Erlenbach, dann die Partei

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Erlenbach. Das Dorf mit seinen Strukturen hat es ihm angetan. Aber auch er prägte seine Gemeinde auf vielfältige Weise: Als Fußballer, Sänger, Chorleiter, Feuerwehrmann und vor allem auch als Kommunalpolitiker. Sein ganzes Leben hat er gewissermaßen neben seiner Familie auch Erlenbach gewidmet. Heute darf Lothar Pfalzgraf seinen 70. Geburtstag feiern, losgelöst von (fast) allen Ehrenämtern und Funktionen, nur noch Privatmann.

Schon bald hatte der in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsene junge Mann erfahren, was es heißt, sich für die Gemeinschaft einzusetzen. In dieser Richtung war ihm sein Vater Richard bereits ein großes Vorbild, als Beigeordneter von Erlenbach und auch als langjähriger Vorsitzender des Gesangvereins. Sohn Lothar zog es zunächst allerdings auf den Fußballplatz, wo er einige Jahre lang das Tor für die zweite Mannschaft hütete. Schon 1960 fand er den Weg in die Singstunde, die für junge Menschen damals auch eine Art Bereicherung der Freizeitgestaltung darstellte. Alternativen dazu waren rar im kleinen Dorf Erlenbach in den 50er Jahren. Aber Lothar Pfalzgraf blieb dem Chorgesang nicht nur bis heute treu, wofür er die Goldene Ehrennadel des Deutschen Chorverbandes erhielt, sondern er erwarb schon sehr früh das Chorleiter-Diplom. Bald darauf dirigierte er seinen Gesangverein nicht nur vertretungsweise, sondern für 12 Jahre dann auch regulär. Daneben war es für ihn, der sich mit seinem Landwirtschaftsbetrieb früh schon auf Gemüsebau spezialisierte, selbstverständlich, sich auch bei der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren. Dass er 1973 Wehrführer von Erlenbach wurde, war nur die konsequente Folge seiner Einsatzfreude und der Bereitschaft zur Fortbildung. Und folgerichtig war wohl auch sein Eintritt in die Kommunalpolitik. Erstmals 1974 wurde er in den Ortsgemeinderat von Erlenbach gewählt. Kurz zuvor waren die Verbandsgemeinden gebildet worden. 1984 folgte seine Wahl zum Ersten Beigeordneten, 1989 wurde er Ortsbürgermeister von Erlenbach, was er 20 Jahre bleiben sollte. In dieser Zeit wurde in Erlenbach sehr viel bewegt, wie er sich im Gespräch mit der RHEINPFALZ erinnert. Stolz ist Pfalzgraf noch heute auf die in Eigenleistung vieler Bürger erbaute Grillhütte am Sportplatz. Nur kurz danach nahm man den Bau des Bürgerhauses in Angriff, das heute als „gute Stube“ von Erlenbach gilt und das einen würdigen Rahmen bietet für so viele Veranstaltungen der Vereine und der Ortsgemeinde. Zu nennen wären hier nur die Theateraufführungen oder die Konzerte. Der Storchenbrunnen ziert den Platz vor dem Bürgerhaus und verleiht diesem eine ganz besondere Note. Erlenbach, vor den Toren von Kandel gelegen, hatte nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem Einwohnerrückgang zu tun, und so war die Ausweisung neuer Baugebiete nur richtig. In der Amtszeit von Pfalzgraf wurden die Neubaugebiete „Am Eselspfad“ und „Im Storchennest“ umgesetzt. Der agile Kommunalpolitiker, immer mit hohen Ergebnissen wieder gewählt, fand seine politische Heimat in der FDP, für die er auch 30 Jahre lang im Verbandsgemeinderat Kandel vertreten war, dort allerdings in erster Linie die Interessen seines Heimatdorfes zu wahren wusste. Zuerst kam Erlenbach, dann die Partei! Zehn Jahre lang gehörte er als zweiter Beigeordneter zur Verwaltungsspitze der Verbandsgemeinde. Kandel. Das jahrzehntelange kommunalpolitische Engagement trug Pfalzgraf auch eine Reihe von Ehrungen ein. Genannt sei hier nur die Auszeichnung mit der Freiherr-vom-Stein-Medaille des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz. Nach seinem Rückzug aus der Politik widmete er sich nur noch einem Ehrenamt, das ihm sehr ans Herz gewachsen ist. So folgte er 1994 Friedemann Wüst als Vorsitzender des Gesangvereins. Wohler wäre es ihm, wenn dessen Bestand gesichert wäre. Ein dörfliches Leben ohne Musik und Gesang könne er sich nicht so recht vorstellen, es wäre auf jeden Fall viel ärmer. So freut es ihn, dass Tochter Liane gleich in zwei Musikvereinen aktiv ist und dass Sohn Jens sogar Vorsitzender des Musikvereins Steinweiler ist. Der älteste Sohn Stephan führt den auf Gemüsebau spezialisierten Landwirtschaftsbetrieb weiter. Pfalzgraf indes hält es nicht in der Stube, er muss immer raus in die Natur. Nur an der frischen Luft fühle er sich richtig wohl, pflichtet auch seine Frau Irene bei. Allerdings müsse er morgens erst die RHEINPFALZ gelesen haben. Heute dürfte Pfalzgraf allerdings eher daheim anzutreffen sein, erst am Wochenende werde mit der Familie, zu der zwischenzeitlich auch vier Enkel und ein Urenkel zählen, gefeiert. – Pfalzgraf hat viel geleistet, auf das er zu Recht stolz sein darf: Auf ein Leben für Erlenbach, gewissermaßen, und in dieser intensiven Ausprägung wohl eher selten.

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