Kreis Germersheim Zuchtanlage soll Zoo werden

Endlich wieder plantschen! 120 verschiedene Rassen, Arten und Farbenschläge tummeln sich auf der Anlage.
Endlich wieder plantschen! 120 verschiedene Rassen, Arten und Farbenschläge tummeln sich auf der Anlage.

Knapp fünf Monate lang mussten die Wörther Rassegeflügelzüchter ihre 540 Tiere in geschlossenen Ställen halten. Hintergrund war, dass Anfang Januar in sieben Proben ein Vogelgrippevirus nachgewiesen worden war. Nun hat der Verein beantragt, als Zoo anerkannt zu werden. Damit soll für die Zukunft vorgebeugt werden. Denn noch so eine Quarantäne würde der Verein wohl nicht überstehen, sagt der Vorsitzende, Joachim Gottschang.

Mitte Mai waren die fünf Monate Stallpflicht vorbei, die Tiere durften wieder an die frische Luft. Dabei waren die Reaktionen oft anders, als erwartet, erinnert sich Gottschang. „Manche haben sich viel zu früh gemausert, andere sind tagelang nicht mehr in die Teiche gegangen.“ In den abgeriegelten Ställen waren einige Rassen mit Rotlicht bestrahlt worden, andere Vögel mussten gestopft werden, weil sie unter dem Stress die Nahrung verweigert hatten. Manche Tiere seien auf den Gelenken gegangen, andere hätten noch heute Gefiederschäden, sagt Gottschang bei einem Rundgang auf der Anlage. Dort musste seit Januar eine Rund-um-Versorgung gewährleistet sein. „Die Arbeitgeber hatten zum Glück verständnis.“ Innerhalb dieser fünf Monaten wurden 80 Ballen Stroh aufgebraucht, „das brauchen wir sonst in fünf bis sechs Jahren“. Dass der Verein das überhaupt stemmen konnte, lag auch an der überwältigenden Unterstützung, betont Gottschang. Über Facebook hatte sich die Lage der Geflügelzüchter, die sich vehement gegen eine Keulung ihrer Tiere stemmten, verbreitet. Aufmunterung und Spenden kamen aus Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Ein Futtermittelhersteller aus den Niederlanden hatte spontan zu einem Ausflug samt Betriebsführung eingeladen. Die Altersstruktur im Verein – die meisten Mitglieder sind zwischen 25 und 50 Jahre alt – war wohl ein weiterer Vorteil. Sonst hätte man vielleicht schneller resigniert, überlegt Gottschang. In Wörth werden Besucher jetzt wieder mit Gequake und Geschnatter begrüßt. Der Antrag des Vereins, als Zoo anerkannt zu werden, soll dafür sorgen, dass das so bleibt. „Man darf uns nicht in die gleiche Schublade stecken, wie die Wirtschaftsgeflügelbetriebe“, betont Gottschang. In als Zoo deklarierten Vogelparks auf der anderen Rheinseite seien zwar hochpathogene Viren nachgewiesen worden, von Stallpflicht war aber nicht die Rede. Bei der Anerkennung als Zoo geht es um die Gehegegröße, den Tierbestand, das Gesamtbild, zählt Gottschang auf. Käfige müssten mit Hinweisschildern versehen werden, die Anlage der Öffentlichkeit offen stehen, die Kooperation mit Kindergärten und Schulen ausgebaut werden. Der Antrag liegt derzeit bei der Kreisverwaltung. Die gibt keine detaillierten Auskünfte: Es handele sich um ein laufendes Verfahren, auch würden noch Abstimmungsgespräche mit dem Umweltministerium geführt, heißt es auf Anfrage. Während geprüft wird, hat der Verein eine Mission: „Wir kämpfen jetzt erst recht gegen die Einstallung“, sagt Gottschang, selbst Vorsitzender in der Tierschutzkommission der rheinland-pfälzischen Rassegeflügelzüchter. Bei einem niedrigpathogenen Virus, wie er in Wörth entdeckt wurde, sei eine Quarantäne ja in Ordnung. „Nach drei Wochen waren die Tiere auch ohne Medikamente wieder gesund.“ Häufiger Wasser ablassen, Teiche leeren und austrocknen lassen, um den Kreislauf zu unterbrechen, sei sinnvoll. „Aber die Tiere brauchen Tageslicht.“ Was ihn noch immer ärgert: Von der Landesuntersuchungsanstalt Koblenz war nie jemand von Ort, „die haben immer nur Erprobungspläne bestellt“. Termin Heute, ab 16 Uhr, auf der Geflügelzuchtanlage „Erfolgsfeier“ mit Speis und Trank sowie Infos rund um die Aufstallung.

Joachim Gottschang mit einem Madagaskar Kämpfer
Joachim Gottschang mit einem Madagaskar Kämpfer
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