Gegenüber RHEINPFALZ Plus Artikel Zensus: Herr über die Statistik

 Franz Rauschenberger zog vor elf Jahren das erste Mal mit einem Packen von 200 Fragen los.
Franz Rauschenberger zog vor elf Jahren das erste Mal mit einem Packen von 200 Fragen los.

Franz Rauschenberger kennt sich mit dem Mikrozensus genau aus. Seit mehr als zehn Jahren ist er als Interviewer für das Statistische Landesamt ehrenamtlich unterwegs. Jetzt schießt sich für ihn ein Kreis.

„Ziehen Töchter früher aus dem Elternhaus aus?“, „Sind Männer häufiger übergewichtig als Frauen?“ Derlei Fragen werden statistisch erhoben. Der gesetzliche Rahmen ist der sogenannte Mikrozensus, auch als kleine Volkszählung bezeichnet. Die Befragung soll Daten zur Bevölkerungsstruktur sowie zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Bevölkerung bereitstellen. Franz Rauschenberger ist Erhebungsbeauftragter.

Eigentlich wollte der aktive Ruheständler bei der großen Volkszählung im Jahr 2011 mitmachen und bewarb sich auf eine Anzeige im Kandeler Amtsblatt. Es wäre eine überschaubare Zeit, die ihn ein solches Ehrenamt kosten würde. Und auf Menschen zugehen, ist dem Pfälzer sowieso ein Bedürfnis. Als Radsportler war er lange Kampfrichter im Radsportclub Kandel und er ist aktiv im RSC Wörth.

Im Ruhestand wollte sich der Techniker nicht aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen. Acht Tage nach seiner Bewerbung teilte ihm jedoch die Kreisverwaltung mit, dass sie seine Dienste nicht bräuchte. Wochen später schickte das Statistische Landesamt eine Mail und fragte, ob der pensionierte Telekommitarbeiter nicht beim Mikrozensus mitmachen wolle. Er sagte zu und zog vor nunmehr elf Jahren mit einem Packen von 200 Fragen los.

Zur Verschwiegenheit verpflichtet

„Ich hatte immer zwei bis drei Auswahlbezirke gleichzeitig, das waren zwischen 15 und 18 Haushalte.“ Nach mathematisch- statistischen Regeln war eine Zufallsauswahl von Gebäuden getroffen worden. In den ausgewählten Wohnungen werden bis zu viermal im Jahr die Fragen erhoben. Danach werden dem Interviewer andere Gebiete des Regierungsbezirks zugewiesen. Nach der Rotation werde es vielleicht 100 Jahre dauern, bis alle Einwohner von Rheinland-Pfalz einmal zu einem Mikrozensus-Thema befragt worden wären, schätzt Franz Rauschenberger. Auskunftspflichtig sind alle volljährigen Haushaltsmitglieder, so steht es im Gesetz. Nur Fragen zur Gesundheit können freiwillig beantwortet werden

Die Antworten sind anonym und der Interviewer ist zu Verschwiegenheit verpflichtet. Gleichwohl waren einige Einwohner, die mit einem amtlichen Schreiben für den Mikrozensus verpflichtet worden waren, erst mal nicht begeistert. „Beim ersten Treffen hat sich eine gewisse Skepsis gezeigt“, erinnert sich Franz Rauschenberger. Mit 27 Personen war ihm einmal ein Rekordhaushalt zugewiesen worden. Zwischen zehn Minuten und einer Stunde dauerten die Befragungen. Der direkte Kontakt mit den Mikrozensus-Befragten habe ihm Spaß gemacht, denkt der 74-jährige Ruheständler gern zurück.

Zensus nur alle zehn Jahre

Seit zwei Jahren werden die Befragungen nur noch per Telefon vorgenommen. Mittlerweile werde alles über den Computer abgewickelt. Die Daten gehen direkt an das Statistische Landesamt in Bad Ems. Der Erhebungsbeauftragte muss nun „nur noch“ im Vorfeld prüfen, ob die ausgewählten Einwohner noch in den statistisch erhobenen Gebäuden wohnen.

Für Franz Rauschenberger schließt sich in diesem Jahr ein Kreis. Denn jetzt hat die Kreisverwaltung nachgefragt, ob er bei der großen Volkszählung, dem Zensus – der in den kommenden Wochen bevorsteht – mitwirken will. Ganz klar ja, hat der erfahrene Interviewer geantwortet.

Der Zensus, findet turnusmäßig alle zehn Jahre statt. Fällig wäre diese Erhebung bereits 2021 gewesen. Wegen Corona wurde die Volkszählung auf dieses Jahr verschoben.

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