Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Züchten gegen das Artensterben

Frisches Futter für gesunde Tiere.
Frisches Futter für gesunde Tiere.

Tauben, Hühner, Wasservögel: Die Züchter fühlen sich verpflichtet, zumindest bei den geflügelten Nutztieren das Artensterben zu verhindern. Wegen der Pandemie geschah das zuletzt ohne Öffentlichkeit. Wie groß ist jetzt das Interesse an einer Geflügelschau?

Hinter der Maske von Joachim Gottschang formt sich ein breites Lächeln, als er zu einer Stellungnahme bezüglich des ununterbrochenen Krähens in der Halle aufgefordert wird. Schließlich ist der Sonnenaufgang, zu dem Hähne nach fester Laienüberzeugung auf sich aufmerksam zu machen pflegen, doch schon längst vorbei. „Das ist einerseits ein Zeichen, dass sie topfit sind.“ Und andererseits seien auch weibliche Tiere in der Halle, oft im Käfig gegenüber. „Und wenn auch nur ein Hahn damit anfängt, dann findet unter allen sofort ein Wettbewerb um die Aufmerksamkeit statt“, gibt er eine nur allzu menschliche Erklärung.

Insgesamt seien 1167 Tiere bei der „Landesverbandsrassegeflügelschau“ in der Bienwaldhalle, sagt er. In der Regel aus Rheinland-Pfalz, aber einige auch aus Baden-Württemberg. Zusammengefasst seien hier Schauen von Landes- und Kreisverband, der Landesjugend aber auch Sonderschauen. Erst im Oktober habe man wegen der Coronaverordnungen mit der Organisation beginnen können. Unter normalen Umständen wären bestimmt auch Tiere aus dem Ahrtal dabei.

Im Ahrtal sind auch Tauben und Hühner verendet

Gottschang wird nachdenklich, zückt sein Handy und zeigt Fotos vom Hochwasser. Verendete Tauben und Hühner, dazu Stallanlagen, von denen nur noch die Dächer aus dem Wasser herausragen. „Es war grauenhaft, man kann sich das überhaupt nicht vorstellen“, sagt er. Sobald es die Situation wieder erlaube, werde der Verband mit neuen Zuchttieren helfen“, kündigt er an: „Wir Züchter halten auf jeden Fall zusammen!“ Also solche fühle man sich einem jahrhunderte-, wenn nicht jahrtausendealten Kulturgut verpflichtet.

Aus aller Welt seien hier Nutztierrassen versammelt. „Wenn eine Musikverein Pause macht, dann sind die Notenblätter später immer noch da. Aber ausgestorbene Arten kann man nicht mehr zurückholen.“ Einfach sei es heutzutage nicht mehr, diese Leidenschaft auszuleben. Vogelgrippe, eingeschränkte Erlaubnisse zur Tierhaltung in Misch- und Neubaugebieten oder auch explodierende Futterpreise machten gerade Einsteigern zu schaffen. Immerhin, da zuletzt viele Schauen ausgefallen seien, ist das Interesse an der Wörther Veranstaltung sehr groß.

Ein Huhn zum Kuscheln, ein Kämpfer zum Fürchten

Und es ist ja auch spektakulär, was die Besucher zu sehen bekommen. Gleich am Eingang steht eine Voliere mit zwei Felsentauben, von denen alle anderen Taubenarten abstammen, darunter die prächtige Lockentauben. Und erst die Hühner. Hier das Seidenhuhn zum Knuddeln und Kuscheln, dort ein Zwerg-Kämpfer zum Fürchten. Das Ehepaar Nussen aus Hatzenbühl schaut sich alles interessiert an. Sie sind im dortigen Vorstand der Wörther Kollegen und haben Sohn Lukas dabei. Man müsse den Nachwuchs ja auch vom Handy wegkriegen, lacht er. Der mag das Hobby der Eltern, auch wenn er das Füttern und Hingehen zu der gefiederten Brut „manchmal nervig“ fände. Im Sommer haben man eine Überproduktion, um alle Freuden, Nachbarn und Verwandte zu versorgen, im Winter hingegen müsse man Eier bei Bedarf zukaufen, sagen die Nussens.

Auch Vincent Wenninger aus Dudenhofen ist mitsamt einem befreundeten Pärchen aus Minfeld gekommen. Patricia Bechthold beschäftigt sich wie er selbst mit eher seltenen Rassen, die sich selbst hier nicht finden. Sie heißen Alt Steyrer und Ayam Cemani. Wie schaut Wenninger auf den veganen Hype dieser Tage? „Vegan ist ein Extrem und für mich auf Dauer nicht überlebensfähig, weil am Ende doch zu viele Nährstoffe fehlen. Vegetarier wiederum finden diese Ausgewogenheit“, differenziert er die Gemengelage.

Es wäre ja auch schade um das bunte und lebhafte Bild in der Halle. Neben den Urtauben finden sich beim Zugang noch weitere Urahnen heutiger Rassen. Zum Beispiel zwei kanadische Wildputen, auf die Gottschang stolz verweist. Für die Massenhaltung ihrer modernen Artgenossen hat Joachim Gottschang nichts Gutes übrig: „Die können mit ihren dicken Schenkeln ja bald nicht mehr stehen, obwohl es ja eigentlich so schlanke und elegante Tiere sind“. Und es würde hierzulande wohl nur wenige Menschen geben, die jemals eine solche Wildpute gesehen haben. Wer sich aber die Landesverbandsrassegeflügelschau angesehen haben wird, wird sich künftig zu den wenigen Auserwählten zählen lassen dürfen.

In jedem Käfig tummelt sich anderes Rassegeflügel.
In jedem Käfig tummelt sich anderes Rassegeflügel.
...und ab und zu wird laut gekräht.
...und ab und zu wird laut gekräht.
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