Leimersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wunschbaum: Schnell noch Wünsche von Menschen im Ahrtal erfüllen

Ingrid Müller möchte dieses Jahr Menschen im Ahrtal beschenken.
Ingrid Müller möchte dieses Jahr Menschen im Ahrtal beschenken.

Wer kurz vor dem Weihnachtsfest noch eine gute Tat begehen möchte, kann das im Restaurant „Müllers“ in Leimersheim machen. Seit zehn Jahren steht dort jede Winter ein Wunschbaum – das ist ein Weihnachtsbaum, in dem Wunschzettel von notleidenden Menschen stecken. In diesem Jahr spielt Ingrid Müller die Weihnachtsfrau für die Flutopfer im Ahrtal.

Wer in Not ist, dem können auch kleine Gesten eine große Freude machen. Die Menschen im Ahrtal haben in der Flutkatastrophe oft fast alles verloren. Darunter fallen nicht nur Häuser und Autos, sondern auch die vielen kleinen Dinge, die mit ihnen weggespült wurden. Auch wenn der Wiederaufbau der zerstörten Dörfer noch lange dauern und nur mit Hilfe des Staats möglich sein wird, kann jeder von uns einem betroffenen Mitmenschen mit wenig Aufwand ein bisschen helfen. Hier setzt die Hilfsaktion des Leimersheimer Restaurants Müller an.

An einem großen Weihnachtsbaum vor dem Restaurant hängen kleine Zettel. Auf denen steht zum Beispiel „Annegret, 55 Jahre, wünscht sich eine Fritteuse.“ Oder „Sebastian, 12 Jahre, wünscht sich einen Fussball.“ Wer einen Wunsch erfüllen möchte, nimmt sich den Zettel, besorgt das Geschenk, und bringt es weihnachtlich verpackt zum Restaurant.

Mit Weihnachtsgeschenken unterwegs ins Ahrtal

Die Inhaberin Ingrid Müller bringt die Pakete am 20. Dezember in das Katastrophengebiet. Es wird die zweite Tour, die Müller innerhalb weniger Wochen ins Ahrtal macht. Auch beim ersten Mal hatte sie Geschenke im Gepäck. „Es war ergreifend und im negativen Sinne beeindruckend, was ich da gesehen habe“, erzählt Müller. „Da war ein kleines Bächlein, vielleicht 20 Zentimeter tief, das bei der Flut im Juli so angeschwollen war, das es alles weggerissen hat. Man kann das kaum glauben.“

Von der noch immer allgegenwärtigen Not der Menschen ganz zu schweigen. Kontakt zu den Flutopfern hat Müller über Facebook aufgenommen, sie arbeitet mit einer ehrenamtlichen Seelsorgerin und einer Pastoralreferentin, die beide vor Ort sind, zusammen. Die haben auch die Wünsche der Betroffenen gesammelt, insgesamt rund 200, von denen bereits 120 erfüllt werden konnten. „Ein großer Teil der Wunschkarten kommt von Menschen, die über 50 sind“, erzählt Müller. „Die wünschen sich einfache Dinge wie ein Waffeleisen, eine Blumenvase oder Kosmetikprodukte. Viele wünschen sich auch einfach einen Amazongutschein.“

Auch Restaurantgutscheine sind wichtig

Ein großer Anteil der Geschenke machen auch Restaurantgutscheine aus. Da wird so mancher erstmal stutzig. Müller hat schon ein ums andere Mal die Frage gehört, warum die Leute denn in ein Restaurant gehen wollen, wenn es doch am nötigsten fehlt. Das hat zwei Gründe. Zum einen sei es durchaus verständlich, dass die Flutopfer nach all den Entbehrungen auch mal wieder einen schönen Abend beim Essen gehen erleben wollen, um den Kopf frei zu bekommen. „Das Ganze hat aber auch einen konkreten Hintergrund. Es gibt zwei Hotels, ’Zur Traube’ in Altenahr und die ’Kalenborner Höhe’ in Kalenborn, die die Flut relativ unbeschadet überstehen konnten. Sie haben unmittelbar nach der Katastrophe ihre Türen für Menschen geöffnet, die nicht mehr in ihr Zuhause konnten. Den Leuten, die sich die Restaurantgutscheine wünschen, geht es vor allem darum, sich bei diesen Betrieben zu bedanken.“ Müller hat mit den beiden Hotels eine unbürokratische Vereinbarung getroffen: Sie bringt den Beschenkten einen Gutschein ihres eigenen Restaurants, die dann in der Traube oder der Kalenborner Höhe eingelöst werden können. Die beiden Hotels bekommen natürlich das dafür gespendete Geld ausgehändigt.

Geschenke können noch länger abgegeben werden

Auch wenn die Hilfsaktion vielleicht nie nötiger war als in diesem Jahr, so wurde sie nicht erst für die Flutopfer ins Leben gerufen. Bereits 2011 stand der Wunschbaum zum ersten Mal bei Müllers. Die Idee war aus einer ganz banalen Situation heraus entstanden. „Wir wollten einen Weihnachtsbaum aufstellen, hatten aber keine Lust, ihn nur mit herkömmlichen Kram zu schmücken. So sind wir auf die Idee mit den Wunschzetteln gekommen“, erklärt Müller. Im ersten Jahr wurde die Mannheimer Organisation „Aktion Aufwind“ bedacht, die sich gegen Kinderarmut engagiert. In den folgenden Jahren gab es unter anderem Weihnachtsgeschenke für die Tafeln in Speyer und Germersheim oder für das Frauenhaus in Speyer. Die diesjährige Aktion soll eigentlich am Montag zu Ende gehen. Wer sich noch beteiligen will, sollte sich sputen. „Wenn sich aber durch diesen Bericht noch der ein oder andere zu eine Spende motivieren lässt, dann fahre ich auch gerne noch ein drittes Mal ins Ahrtal“, betont Müller.

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