Kreis Germersheim Wohnraum für Flüchtlinge knapp

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Husein A. sitzt niedergeschlagen auf dem einzigen Stuhl in seinem tristen Zimmer in Maximiliansau. Die ehemals weißen Wände sind schmutzig und mit Kugelschreiber verkritzelt. An einer Stelle ist die Tapete zerfetzt. Seine Habseligkeiten hat der 19-Jährige in ein paar Plastiktüten verstaut. Lebensmittel stapeln sich auf der Fensterbank. Einen Schrank oder ein Regal gibt es nicht, nur einen kleinen Tisch. Eine Matratze liegt auf dem blanken Steinboden, das Bett in Einzelteilen daneben. Ein deprimierender Ort.

Seit über zwei Wochen sei er hier untergebracht, erzählt der Asylbewerber aus Somalia in gebrochenem Englisch. Eine eigene Toilette, Wasch- oder Kochgelegenheit hat A. nicht, auch keinen Kühlschrank. All das befindet sich in der Wohnung im Obergeschoss des Mehrfamilienhauses. Dort hat die Sadt Wörth weitere fünf Asylbewerber aus Afrika einquartiert. Einen Schlüssel für die Wohnungstür habe er nicht, klagt A. Also müsse er klingeln, wenn er Hunger hat oder zur Toilette muss. Früher, in Wörth, wo er seit August vergangenen Jahres wohnte, sei er besser untergebracht gewesen, sagt A. „Da war es schön.“ Als er von einem zwei Monate währenden Aufenthalt in Mainz bei Verwandten oder Freunden zurückkehrte, sei seine Wohnung aber anderweitig vergeben gewesen. Warum, versteht er nicht. „Ich musste hier mal raus. Ich habe hier niemanden, keine Familie, keine Freunde“, sagt er und kämpft mit den Tränen. Harald Seiter sitzt am Besprechungstisch seines Bürgermeisterbüros im Wörther Rathaus und macht ein leicht resigniertes Gesicht. Gegenwärtig müsse die Stadt Wohnraum für rund hundert Flüchtlinge und fünfzig Obdachlose zur Verfügung stellen, erklärt der Christdemokrat. Die Zahl der Asylbewerber habe sich seit dem vergangenen Jahr verdoppelt, seit 2010 gar vervierfacht. Seiters Beamte rechnen damit, dass es im kommenden Jahr 160 sein werden. Der organisatorische Aufwand für die Unterbringung der Menschen sei groß: „Die Stadt ist Makler, Vermieter, Hausmeister und Mieter; alles in einem“, sagt Seiter. „Wir richten gerade noch zwei stadteigene Wohnungen her.“ Eine weitere Unterkunft in Schaidt für bis zu 17 Bewohner sei gerade angemietet worden. Danach müsse man weitersehen. Denn die Wohnraumsituation sei inzwischen „drastisch angespannt“, stadteigene Wohnungen nicht mehr frei. Zwar sei es Ziel, die Menschen auch weiterhin dezentral zu beherbergen, das fördere die Integration und verhindere Konflikte sowohl mit der Bevölkerung als auch unter den Betroffenen. Allerdings könne er nicht mehr ausschließen, dass Asylbewerber zukünftig wieder in Containersiedlungen untergebracht werden müssten wie in den 80er- und 90er-Jahren. Nicht leichter wird die Aufgabe für die Kommunen durch die kurze Vorlaufzeit, mit der sie Flüchtlinge zugewiesen bekommen. Sie beträgt drei Tage. „Wir hatten auch schon Leute, die ohne Vorankündigung mit einem Karton unter dem Arm vor der Rathaustür standen“, erzählt Seiter. So ähnlich sei es bei Husein A. gewesen, sagt Peter Haubold, Leiter der Ordnungs- und Sozialverwaltung. Der Mann sei Mitte September plötzlich aus Wörth verschwunden und erst Ende November unerwartet wieder aufgetaucht. Sofort verfügbar gewesen sei einzig das Zimmer in Maximiliansau. Normalerweise werde das nur als Durchgangsunterkunft für kurzfristig obdachlos gewordene Menschen genutzt, die dort nur zwei, drei Tage blieben, ergänzt Seiter. Weil man lediglich ein Bett vorrätig gehabt habe, hätten Mitarbeiter am gleichen Tag noch schnell Matratze, Bettwäsche, Tisch und Stuhl für A. besorgt, sagt Haubold. Möbel unmittelbar zu beschaffen, sei schwierig, da in der Regel Lieferzeiten bestünden. Das Bett sei auch nicht zusammengebrochen, wie man vielleicht annehmen könnte, A. habe es gar nicht erst aufgebaut. „Er hat uns eine Woche später mitgeteilt, er könne das nicht und schlafe auf dem Boden.“ Inzwischen sei das Bett überhaupt nicht mehr da. „Jetzt müssen wir erst wieder ein neues besorgen“, sagt Haubold mit gequältem Blick. A. sei ein Einzelfall, sagt Seiter. Neuankömmlinge würden von einer Sozialarbeiterin empfangen, beschreibt er das Aufnahmeprozedere. Sie erkläre lokale Bräuche, wie Mülltrennung und unterstütze beim Umgang mit Behörden. Dann bekämen die Flüchtlinge ihre Unterkünfte, entweder Einzelwohnungen oder Wohngemeinschaften mit Doppelzimmern, zugewiesen. Diese würden alle zwei, drei Monate von städtischen Mitarbeitern besucht. Probleme gebe es kaum. Über die gesetzlichen Leistungen wie Heizung und Kleidung hinaus, leiste die Stadt auch regelmäßig Hilfe zur Selbsthilfe. „Wenn einer einen Eimer Farbe braucht, bringt den der Bauhof sogar nach Hause. Er muss uns das aber schon sagen.“ Würden die Betroffenen indes selbst nicht aktiv, sei Hilfe schwierig. Gleichwohl bekomme A. eine andere Unterkunft, sobald eine Wohnung frei ist. (fex)

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