Kreis Germersheim Wohncontainer-Siedlung steht leer

Knapp 1 Million Euro hat die Containersiedlung im Klammengrund gekostet. 48 Flüchtlinge sollten dort untergebracht werden. Seit Ende April ist die Anlage fertig, seitdem steht sie leer. Die Stadt Wörth würde sie gerne anders nutzen. Die Baugenehmigung erlaubt dies aber nicht.
Drei Vorschläge für eine Zwischennutzung gebe es, um die leerstehenden Container doch noch irgendwie in Gebrauch zu nehmen, sagt der Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD): Einmal habe die Wörther Tafel vorgeschlagen, dort Beratungsgespräche für ihre Kunden anzubieten; Arbeitsagentur, Sozialamt und andere Behörden und Institutionen wären damit für die Betroffenen leichter erreichbar. Denn diese kommen einmal in der Woche aus dem ganzen südlichen Landkreis nach Wörth zur Tafel, die sich nur wenige hundert Meter entfernt im Gewerbegebiet Niederwiesen befindet. Zum zweiten könnten die Container alle zusammen an einen Hotelier vermietet werden, der darin Monteure günstig unterbringen kann. Oder – das wäre die dritte Möglichkeit – die Container werden in Karlsruhe als Studentenunterkunft angeboten; dort werden händeringend Wohnungen für Studenten gesucht. Die Not ist groß: Ein WG-Zimmer mit 12 Quadratmetern kann dort schon mal 400 Euro kosten. Aus alledem wird aber nichts. Denn der Bau der Containersiedlung war nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich. Deren Grundlage sind Regelungen, die in den Jahren 2014 und 2015 ins Baugesetzbuch aufgenommen wurde und sich ausschließlich auf die Unterbringung von Flüchtlingen beziehen. Das bedeutet: Die Kreisverwaltung kann eine andere Nutzung nicht genehmigen, wie sie auf Anfrage der RHEINPFALZ deutlich machte. Vorstellbar sei aus ihrer Sicht aber, dass in Wörth Flüchtlinge aus anderen Verbandsgemeinden untergebracht werden, beispielsweise aus Kandel. Der Leerstand bedeutet im übrigen nicht, dass weniger Flüchtlinge in den Landkreis Germersheim gekommen sind. Stand Oktober waren es im Jahr 2015 knapp 680, im laufenden Jahr waren es rund 610, also nur etwa 70 beziehungsweise rund 10 Prozent weniger. Grund für diese verzögerte Entwicklung dürfte sein, dass die zentralen Aufnahmelager nur langsam geleert wurden. Erwartet wurde allerdings 2015, dass im Folgejahr die Flüchtlingszahlen noch einmal deutlich steigen. Dies kann allerdings durchaus noch der Fall sein, wenn die Türkei wie bereits angedroht das Flüchtlingsabkommen kündigen sollte. |lap