Kreis Germersheim Wochen Spitzen:

Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Oder aber: Wahlkampf macht’s möglich. Diese Woche jedenfalls legten sich die drei Kreisbeigeordneten mächtig ins Zeug, um ihren in Urlaub weilenden Chef, Landrat Fritz Brechtel, aus der Schusslinie der Kritiker vom Fahrgastverband Pro Bahn zu nehmen. Und ausgerechnet da passiert es. Brechtels CDU-Parteigenossen, der im Landtagswahlkampf befindliche Martin Brandl und Bundestagsabgeordneter Thomas Gebhart, unterstützen am selben Tag ausdrücklich die Forderung der Pro Bahner und widerlegen das Argument der Beigeordneten, für eine S-Bahn bis nach Wörth sei kein Geld da. Wahlkampfhektik? Abstimmungsprobleme? Dem Landrat wär`s wahrscheinlich nicht passiert. Aber wenn die Katze aus dem Haus ist ... Eine Stadtbahn-Geschichte, die sich bereits am Fasnachtssonntag ereignete, flatterte uns diese Woche ins Haus. Dass es überfüllte Züge gab, die an manchen Haltepunkten gar nicht mehr stoppten, haben wir samt dem entsprechenden Ärger der Bürger bereits berichtet. Jetzt kommt noch die Geschichte vom Geisterzug dazu, auf den viele warteten, der aber nie kam. Es hätte so gut gepasst, um 11.52 Uhr Richtung Bellheim zum Umzug zu fahren. So jedenfalls verspricht es der Fahrplan – wenn nur das Kleingedruckte nicht wäre. Denn diese 11.52-Uhr-Bahn entpuppt sich als Geisterzug, der nur einmal im Jahr fährt, am Dreikönigstag. So steht’s im Kleingedruckten des ohnehin klein gedruckten Fahrplanes an der Haltestelle. Ob dieser Einmalzug tatsächlich auf den ohnehin eng bedruckten Aushang muss? Manchmal ist weniger mehr. In der nagelneuen, millionenteuren Sporthalle der Richard-von-Weizsäcker-Realschule-plus in Germersheim gibt es Schimmel und undichte Türen und Fenster. Schlimm genug. Noch schlimmer, dass Bauherr Landkreis Germersheim die Fenster- und Türen-Firma nicht zu Nachbesserung vergattern kann – sie ist pleite. So kommen auf die Steuerzahler weitere Zigtausend Euro zu, um den Schaden zu beheben. Wer Schuld hat an dem Malheur? Außer der Baufirma wahrscheinlich niemand. Höchstens die Politiker, die schon vor Jahren aus falscher Sparsamkeit beschlossen haben, dass bei Bauausschreibungen das billigste Angebot zu nutzen ist. Früher einmal konnte mit Rücksicht auf den Ruf einer Firma oder sonstige mögliche Risiken das plausibelste Angebot angenommen werden, auch wenn’s nicht das billigste war. Ob es den Schaden an der Sporthalle vermieden hätte, ist damit nicht garantiert. Aber die Schadensabwicklung wäre mit großer Wahrscheinlichkeit einfacher und billiger. Gier frisst Hirn heißt es, wenn Spekulanten riskante Geschäfte eingehen – und am Ende alles verloren haben. Gier frisst Hirn gilt leider auch für Wahlkämpfer, denen, berauscht vom Willen nach Macht, als Wahlkampfargument nichts besseres einfällt, als den politischen Gegner zu diffamieren. Wie das in Hose gehen kann, erlebte dieser Tage die CDU im Kreis, die ihre Junge Union die SPD-Kandidatin Barbara Schleicher-Rothmund verhöhnen ließ – wegen eines Druckfehlers im Wahlprospekt. Dass die SPD der CDU umgehend die Druckfehler ihrer Wahlkampfpropaganda um die Ohren schlug – besonders heftig alles in den sozialen Netzwerken – war zu erwarten. Wen wundert’s, dass viele Bürger die Nase voll haben von solchem Polit-Establishment? Schönes Wochenende