Kreis Germersheim Wo bleiben die Gelben Säcke?

Die Rollen mit den Gelben Säcken sind heiß begehrt.
Die Rollen mit den Gelben Säcken sind heiß begehrt.

Im Dezember sollten sie verteilt werden. Doch noch immer warten viele Haushalte auf ihre Gelben Säcke. Und das nicht zum ersten Mal. Woran liegt’s?

So langsam geht selbst in den Bürgerbüros oder bei der Stadtverwaltung in Wörth der Vorrat an Gelben Säcken zur Neige. Denn in den vergangenen Tagen waren die dünnen, gelblich transparenten Kunststoffsäcke so nachgefragt wie Schoko-Nikoläuse am 6. Dezember. Viele Bürger haben schlicht keine Säcke mehr daheim. Dabei hatte die Kreisverwaltung Mitte Dezember angekündigt, dass die Gelben Säcke noch im Dezember an die Haushalte verteilt würden. Doch die Schuld für die Mangelwirtschaft beim Kreis zu suchen, ist nicht korrekt. „Die Abfallwirtschaft des Landkreises weist darauf hin, dass das Sammelsystem Gelber Sack nicht in der Zuständigkeit der Kreisverwaltung liegt und somit die Kreisverwaltung auf die Ausgabe und Sammlung der Gelben Säcke leider keinen maßgeblichen Einfluss hat“, teilt die Kreisverwaltung auf Anfrage mit.

Duales Systeme verantwortlich

Mit dem Gelben Sack werden Verpackungsabfälle erfasst, für deren Rücknahme und Verwertung die privatwirtschaftlich betriebenen Dualen Systeme verantwortlich sind. Der Kreis weist darauf hin, dass „die Dualen Systeme als eigenständige Organisation eigens dafür geschaffen wurden, die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Verpackungen zu organisieren“. Betreiber der Dualen Systeme sind die Hersteller der Verpackungsmaterialien, die in der Regel private Entsorgungsfirmen mit der Sammlung und Verwertung der Verpackungsabfälle beauftragen. Im Gebiet des Landkreises Germersheim hat die Firma PreZero als Subunternehmer den Auftrag zur Umsetzung des Sammelsystems erhalten. PreZero ist ein international tätiger Umweltdienstleister mit rund 30.000 Mitarbeitern an über 485 Standorten in Europa und Nordamerika, einer davon ist in Rülzheim. Das Unternehmen ist Teil der Schwarz-Gruppe.

Erhöhter Krankenstand

„Die Firma PreZero hat demnach die Bereithaltung/Verteilung der Gelben Säcke und die ordnungsgemäße Sammlung in eigener Verantwortung im Auftrag der Dualen Systeme zu organisieren und zu gewährleisten“, informiert die Kreisverwaltung. Eine direkte Vertragsbeziehung mit PreZero über die Stellung und Entsorgung der Gelben Säcke gebe es nicht. Folglich werden die Kosten für Sammlung und Entsorgung der Gelben Säcke auch nicht über die Müllgebühren finanziert. Die Kosten der Sammlung tragen die Hersteller der Verpackungen, die zur Finanzierung einen entsprechenden Preisaufschlag beim Verkauf von verpackten Produkten erheben.

Erhöhter Krankenstand

Laut PreZero gab es in den vergangenen Wochen aufgrund von Grippewelle und Corona einen erhöhten Krankenstand, was zu Verzögerungen bei der Auslieferung der Gelben Säcke geführt habe. Bis Freitagmittag, 12. Januar, waren in folgenden Gemeinden und Stadtteilen noch keine Säcke verteilt worden: Sondernheim, Maximiliansau, Wörth, Hagenbach, Neuburg, Hördt und Lingenfeld. In der Stadt Germersheim hätten etwa 50 Prozent der Haushalte die ihnen zustehenden Rollen mit Wertstoffsäcken bereits erhalten. Die Krankheitswelle ebbt allmählich ab, deshalb sei PreZero zuversichtlich, bis Ende Januar mit der Grundverteilung der Gelben Säcke abschließen zu können, teilt die Kreisverwaltung mit.

Bürger bevorzugen die Tonne

Im vergangenen Jahr hatte es ähnliche Probleme gegeben. Damals war die Firma Süd-Müll mit ihrer Niederlassung in Landau für die Verteilung der Säcke im Landkreis Germersheim verantwortlich. Süd-Müll hatte die Verzögerung mit Personalengpässen und einem ebenfalls hohen Krankenstand begründet.

Die immer mal wieder auftretenden Lieferengpässe bei den Wertstoffsäcken waren mit ein Grund, warum im Kreis im vergangenen Jahr intensiv über die Einführung der Gelben Tonne diskutiert wurde. Ein anderer Grund war die mangelhafte Reißfestigkeit der Plastiktüten. Eine Online-Umfrage, an der sich immerhin rund 7000 Bürger beteiligt hatten, ergab, dass sich eine knappe Mehrheit von 51,5 Prozent für den Umstieg auf die Tonne aussprach. Eingeführt wird diese allerdings nicht, vor allem weil das Duale System Deutschland nach wie vor den Gelben Sack präferiert. Immerhin soll sich die Qualität der Wertstoffsäcke ab 2025 verbessern, was sich ein Großteil der Bürger wünschte.

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