Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Wirt hört auf, Vereinslokal geht weiter

 Alois Heyer und seine Ehefrau verlassen Deutschland.
Alois Heyer und seine Ehefrau verlassen Deutschland.

Nach einem Vierteljahrhundert in der Gastronomie in der Südpfalz geht Alois Heyer in den Ruhestand. Und nicht nur das. Er zieht um in ein neues Land.

In den vergangenen 13 Jahren war er Wirt der Vereinsgaststätte des FC Bienwald Kandel, zuvor hatte er in Hagenbach die „Fischerhütte“ und das „Wachthäusel“ sowie den „Waldblick“ in Steinfeld gepachtet. Damit verschwindet wieder ein Gastronom, der im südlichen Landkreis Germersheim eine bürgerliche Küche anbot. Sein Lokal war stets gut gefüllt. „Ich habe meinen Beruf mit Leidenschaft und Herzblut ausgeübt“, sagt Heyer. „Gier war mir fremd. Ich wollte das Essen zu erschwinglichen Preisen anbieten, weil die Leute für ihr Geld arbeiten müssen.“

Der gelernte Metzger hat sein Fleisch stets selbst zubereitet und verarbeitet. Dafür hat er zu Beginn in Kandel einen Schiedsrichter- und einen Partyraum zu einer Produktionsstätte umgebaut. Der damalige Vereinspräsident Charly Geiger holte ihn als Pächter nach Kandel. Sein Arbeitstag hatte meist mehr als 16 Stunden. Er spüre den Verschleiß am Körper, erzählt Heyer. Dem 63-Jährigen wurden schon zwei neue Hüftgelenke implantiert. An seiner Seite wirkte stets Ehefrau Emilia, die für den Servicebereich verantwortlich zeichnete.

Als Akkordausbeiner in vielen Schlachthöfen

Hoyer wurde 1958 in der Nähe von Wittlich in der Eifel geboren. Seine Eltern betrieben Landwirtschaft und zählten zu den ersten Selbstvermarktern in der Region. Auf Wunsch seines Vaters lernte er Metzger. Der sagte: „Gegessen und getrunken wird immer“. 1983 legte Heyer die Meisterprüfung ab, in Saarlouis betrieb er mehrere Jahre eine eigene Metzgerei. Danach war er als Kopfschlächter und Akkordausbeiner in Schlachthöfen in ganz Deutschland und Österreich tätig.

Den Mietvertrag für das Haus in Freckenfeld hat das Paar zum Jahresende gekündigt. In den nächsten Tagen beginnt der Umzug nach Polen, der Heimat seiner Frau und deren Kinder. Künftig wohnen die Heyers im niederschlesischen Swidnica, dem früheren Schweidnitz. „Ich habe mir nichts Festes vorgenommen. Ich möchte zunächst einfach nur Land und Leute kennenlernen“, erzählt er. Angst vor der Sprachbarriere habe er nicht, es werde dort viel Deutsch gesprochen.

Der FC Bienwald hat bereits eine italienische Familie als Nachpächter gefunden, die in Kandel nicht unbekannt ist. Sie hat zu Beginn des Jahrtausends rund zehn Jahre lang das „Mediterrano“ in der Frankenhofpassage betrieben. Nach der Renovierung möchten die neuen Pächter mediterrane und pfälzische Küche anbieten.

Das Clubhaus, in dem die beiden 13 Jahre wirkten, wird von einer italienischen Familie weiterbetrieben.
Das Clubhaus, in dem die beiden 13 Jahre wirkten, wird von einer italienischen Familie weiterbetrieben.
x