Germersheim Willkommen im Club: Im „Fröhlichen Hecht“ gehören die Gäste zur Familie
Viele Vereine haben Schwierigkeiten, für ihre Vereinslokale die passenden Pächter zu finden. Oft wechseln diese nach relativ kurzer Zeit, auch Leerstände über einen längeren Zeitraum sind keine Seltenheit. Nicht so beim „Fröhlichen Hecht“, der Vereinsgaststätte des Angelsportvereins Germersheim. Seit mehr als 30 Jahren führt Iva Drange das Lokal, das sich rund 200 Meter vom Rhein entfernt in der Heilbronner Straße 5 befindet. „Zu uns kommen teilweise seit Jahrzehnten Stammkunden, aber auch Ausflügler“, erzählt sie. Wegen seines großen und freundlich gestalteten Außenbereiches ist das Lokal zudem ein perfekter Ort, um Hochzeiten, Taufen, Firmenjubiläen, Geburtstage oder andere Events zu feiern. Auch ein kleiner abgetrennter Bereich für Kinder ist vorhanden.
Iva Drange wurde vor 54 Jahren im Altvatergebirge im tschechischen Sudetenland geboren. Nach der Schule arbeitete sie dort in einem Postamt und beschloss damals, aus ihrer Heimat herauszukommen und die Welt zu sehen. So wie es dann lief, hatte sich Iva Drange ihre Zukunft wohl nicht ganz vorgestellt: Denn die ganze Welt ist es nicht geworden. Aber in der Pfalz hat sie ihr Glück sowohl beruflich als auch privat gefunden.
Fische auf der Karte nicht von Anglern gefangen
Zunächst zog es die junge Frau als Au Pair nach Österreich, wo sie aber nicht lange blieb. Über Baden, wo sie ihren zukünftigen Mann Klaus Drange kennen lernte, erreichte sie schließlich die Pfalz. Der heute 71-jährige Klaus Drange, ein gelernter Koch, sorgt dafür, dass das vielfältige Angebot, das sich natürlich im Laufe der Jahre immer wieder verändert hat, den Kunden weiterhin schmeckt.
Neben den typischen „Vereinsheim-Gerichten“ wie verschiedene Schnitzelsorten vom Schwein oder Rumpsteak in verschiedenen Variationen bietet „Zum Fröhlichen Hecht“ – wie könnte es in einem Anglerheim anders sein – auch einige Fischgerichte wie Zander, Merlan oder Calamares an. „Die sind aber gekauft und nicht von den Anglern gefangen“, sagt Iva Drange lächelnd. Und Pfälzer Saumagen, Leberknödel, Saure Nieren, Sauerbraten, eine Schlachtplatte und weitere Pfälzer Spezialitäten dürfen natürlich auch nicht fehlen. Verschiedene Salate und Desserts runden das Angebot ab.
Tochter Emmelie im Lokal groß geworden
Auch Vegetarier müssen nicht hungrig nach Hause gehen, selbst wenn hier das Angebot neben Salaten mit überbackenem Camembert oder Ziegenkäse sowie Pfifferlingen oder Käsespätzle überschaubarer ist. Für Kinder gibt es spezielle Gerichte und für Senioren kleinere Portionen. Daneben bietet „Zum fröhlichen Hecht“ von 11.30 bis 14 Uhr werktags außer am Ruhetag Montag wechselnde Mittagsgerichte für 10,50 Euro an. Freitags ist das beispielsweise immer Fisch.
Iva Drange liebt ihre Arbeit und besonders den Kontakt zu ihren Kunden. Wenn mal Zeit ist, setzt sich die Wirtin auch zu den Stammkunden, hört sich ihre Sorgen und Probleme, aber auch ihre Freuden an. „Viele sind seit Jahrzehnten treu und kommen aus der ganzen Region“, erzählt Iva Drange. „Ein Stammtisch ist schon 22 Jahre da.“ Wenn es voll ist, geht natürlich der Service vor. Neben der Hilfe ihres Mannes hat die Chefin noch eine festangestellte Teilzeitkraft und bei Bedarf Minijobber. Und außerdem ist da noch ihre 16-jährige Tochter Emmelie. Sie ist quasi im Lokal groß geworden, kam nach der Schule immer mit dem Bus in die Gaststätte und machte dort ihre Hausaufgaben. Schon mindestens, seit sie zehn Jahre alt war, hilft die Tochter mit, erzählt ihre Mutter. Und wenn mal was schief ging, meinte Emmelie stets nur: „Mama, wir schaffen das.“
Familie Drange will noch Weile weitermachen
Emmelie ist bei allen Stammgästen bekannt und unterhält sich mindestens genau so oft mit ihnen wie ihre Mutter. „Ich habe ja auch fast die gesamten Schulferien im Lokal verbracht“, erzählt sie. Aber das mache sie gerne und habe dabei auch viel fürs Leben gelernt. Sie hilft nicht nur beim Bedienen, in der Küche oder beim Aufräumen, sie macht auch die Buchhaltung. Obwohl sie die Gaststätte und das Leben dort vermissen wird, will sie das Lokal nicht übernehmen. Ihre Lebensplanung sieht anders aus: Sie will studieren und Verwaltungswirtin werden.
Da auch die zweite Tochter Vanessa das Lokal nicht übernehmen wird, muss sich der Angelsportverein Germersheim irgendwann vielleicht doch einen neuen Pächter oder eine Pächterin suchen. Das werde aber hoffentlich noch eine ganze Weile dauern, sagt Iva Drange. Solange es geht, wollen sie und ihr Mann das Lokal führen. Denn: „Wir sind hier alle eine große Familie“, sagt die Chefin und schließt dabei ihre Gästen mit ein. Und die möchte sie nicht missen.
Info
Vereinsgaststätte des Angelsportvereins Germersheim, „Zum Fröhlichem Hecht“, Heilbronner Straße 5, Telefon 07274 2592, E-Mail: iva-drange@t-online.de. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag ab 10 Uhr, Küche 11.30 bis 14 Uhr und 17 bis 20 Uhr. Internet: https://restaurant-zum-froehlichen-hecht.metro.rest/
Die Serie
Seit dem großen Kneipensterben sind Vereinsheime in vielen Dörfern der Südpfalz die letzten Anlaufpunkte geworden für die Geburtstagsfeier der Oma, die Schafkopfrunde, den Bundesliga-Nachmittag. Manche von ihnen sind verpachtet. Wir wollen diese für die Ortschaften bedeutsamen Clubhäuser vorstellen, vor allem ihre Pächter. Welche Speisen und Getränke bieten sie an? Warum haben sie sich entschieden, ein Vereinsheim zu führen? Was macht ihnen das Leben schwer? Und was ist auch schön am Dasein als Clubhauswirt? Dem wollen wir in unserer Serie „Willkommen im Club“ nachgehen – empathisch, informativ, südpfälzisch.