Kreis Germersheim
Wenn Kinder zu Tätern werden
Das Interesse an minderjährigen und strafunfähigen Tätern wurde in den vergangenen Monaten vor allem durch den Mord an Luise aus Freudenberg geweckt. Die Debatte über die Herabsetzung der Strafmündigkeit auf 12 Jahre löste Diskussionen aus. Wie aus den Kriminalstatistiken der Polizeiinspektionen Germersheim und Wörth hervorgeht, steigt auch im Kreis die Kriminalität unter Minderjährigen. Aufsehen erregt vor allem der Anstieg der Zahlen im Bereich Kinderpornografie. Hier werden immer mehr pornografische Inhalte unter Kindern und Jugendlichen ausgetauscht. Die Polizei geht davon aus, dass der frühe Umgang von Kindern mit dem Internet eine entscheidende Rolle in dieser Entwicklung spielt. Denn die Verbreitung der pornografischen Schriften erfolgt meist über Messenger Dienste wie „WhatsApp“ und geschieht nicht selten in sogenannten Chatgruppen.
Präventive Gespräche
Wie wichtig es ist, Präventionsarbeit zu leisten, das weiß Heike Keller. Sie ist seit 2013 Schulsozialarbeiterin an der Richard-von-Weizsäcker-Realschule in Germersheim. Auch bei ihnen gibt es Fälle von Kinderpornografie an der Schule, bei denen Schüler das Gespräch mit der Schulsozialarbeiterin suchen. Doch das oft eintretende Schamgefühl sorgt womöglich dafür, dass die Dunkelziffer hoch ist. Durch Gespräche wird herausgefunden, ob die Täter Schüler der Schule sind oder Fremde und wie man die betroffene Person bestmöglich unterstützen kann.
Mit Hilfe eines Präventionsteams versucht die Weizsäcker-Realschule schon bei den Kleinen der Schule durch Aufklärung Präventionsarbeit zu leisten. Hier stehen Themen wie Cybermobbing oder der Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen im Mittelpunkt. So soll den Schülern Mut gemacht werden, sich bei der Schulsozialarbeiterin Heike Keller zu melden. Doch auch die Mitarbeit der Eltern ist gefragt. Auf Elternabenden werden Eltern darüber informiert, wie wichtig es ist festzustellen wo im Internet sich ihr Kind bewegt und wie sie ihre Kinder vor der Gefahr im Netz schützen können. Hier verweist die Schulsozialarbeiterin auch auf die EU-Initiative „Klicksafe“. Die Schulsozialarbeiterin verdeutlicht nochmals die Wichtigkeit der Prävention. Die Carl-Benz Gesamtschule in Wörth äußerte sich auf Anfrage zu dem Thema nicht.
Steigende Fallzahlen
Aussagen zur Kriminalitätsentwicklung bei Kinderpornografie erfolgen stets auf Grundlage der polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS). Angezeigt wurden im vergangenen Jahr 79 Fälle im nördlichen Landkreis. Bei 38 der Tatverdächtigen handelt es sich um unter 18-Jährige. Das entspricht rund 48 Prozent. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die Polizei Wörth im südlichen Landkreis: Hier wurden 24 der 55 Taten von Minderjährigen begangen, was rund 47 Prozent entspricht. Die Aufklärungsquote ist trotz des meist anonymen Tatorts Internet recht hoch. Die PI Germersheim konnte 96,2 Prozent der Fälle aufklären, die PI Wörth 87,3 Prozent.
Doch trotzdem bleibt die Frage offen, wie Kinder zu Tätern werden. Die pornografischen Inhalte stammen meist aus dem Internet. Der genaue Ursprung ist nur schwer zu ermitteln. Auch ist davon auszugehen, dass viele der jungen Täter aus Unwissenheit handeln. Während bei Kindern unter 14 Jahren zwar die Eltern und das zuständige Jugendamt informiert werden, doch aufgrund der Schuldunfähigkeit keine Strafe erfolgt, wird bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren das Jugendgesetz beachtet. Hier steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Die meisten Fälle von Kinderpornografie werden durch die Nichtregierungsorganisation NCMEC (National Center for Missing & Exploited Children) aufgedeckt, sie durchsuchen das Internet nach verdächtigen Inhalten und melden diese an staatliche Stellen weiter. Aber auch Meldungen durch Eltern, Lehrer oder von Kindern selbst sind dabei.
Prävention der Polizei
Um Präventionsarbeit zu leisten, verweist die Polizei auf eine Kampagne der Kriminalprävention des Bundes und der Länder gegen die Verbreitung von Kinderpornografie: „Sounds Wrong“. Hier werden die drei wichtigsten Punkte im Umgang mit Kinderpornografie verdeutlicht und erklärt: nicht teilen, melden und aufklären. Gerade Eltern sind dazu aufgerufen, ihre Kinder für das Thema zu sensibilisieren und so zur Präventionsarbeit beizutragen. Die Kriminalprävention weist zudem auf ihrer Website auf das richtige Verhalten mit Verdachtsfällen und Beweisen hin, denn bereits der Besitz von kinder- und jugendpornografischen Inhalten ist strafbar. Die Polizei bittet um Mithilfe, um weitere Fälle zu verhindern.