Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Weniger heizen und Licht aus fürs Klima

Beleuchtete Gebäude wie hier die Kirche von Hagenbach sind eine Zierde für jeden Ort. Aber ist das in Zeiten des Klimawandels no
Beleuchtete Gebäude wie hier die Kirche von Hagenbach sind eine Zierde für jeden Ort. Aber ist das in Zeiten des Klimawandels noch in Ordnung?

Alle reden vom Klimawandel, vom Klimaschutz, vom Energie sparen. Prinzipiell ist jeder dafür. Aber was wird dafür zum Beispiel auf öffentlicher Seite getan? Wir haben uns bei Städten und Verbandsgemeinden umgehört.

Eine Stunde im Jahr das Licht auszuschalten, wird die Klimakrise nicht verhindern. Trotzdem beteiligen sich jährlich weltweit zahlreiche Städte, Dörfer und Menschen in ihren eigenen vier Wänden an der Aktion „Earth Hour“. Am letzten Samstag im März wird bei der „Stunde der Erde“ ein Zeichen für den Klimaschutz gesetzt. Die Naturschutzorganisation WWF hat die Aktion 2007 ins Leben gerufen. Abends wird für eine Stunde das Licht ausgeschaltet. Dieses Jahr wurde die symbolische Stunde auch dazu genutzt, ein Zeichen für Frieden in der Ukraine zu setzen.

Im Kreis Germersheim hat sich keine Verbandsgemeinde an der Aktion beteiligt. Das ergab eine Umfrage der RHEINPFALZ. Als Grund wurde genannt, dass man keine dauerhaft beleuchteten Gebäude besitzt. Dass in einigen Orten bei Dunkelheit Gebäude angestrahlt werden, Gotteshäuser zum Beispiel, und sei es nur für wenige Stunden, dafür sind die Kirchen verantwortlich. Die Stadt Kandel hingegen hat sich beteiligt.

Landau hat sich dieses Jahr mit mehreren Gebäuden, darunter das Rathaus und die Villa Streccius, an der Aktion des WWF beteiligt. Durch das Ausschalten der Beleuchtung wollte die Stadt ein öffentliches Zeichen für mehr Klimaschutz setzen, erklärte Alexandra Pfirrmann, Mitarbeiterin der Stadt Landau. Die Stadt hatte 2019 den Klimanotstand ausgerufen.

Gemeinden tun etwas

Unabhängig von der symbolischen Aktion bemühen sich einige Gebietskörperschaften im Kreis Germersheim darum, mit speziellen Maßnahmen die Umwelt zu schützen. Die Verbandsgemeinde Lingenfeld verzichte dank nachhaltig erzeugter Energie komplett auf durch fossile Brennstoffe erzeugten Strom. „Der Strombedarf der Gemeinde liegt jährlich bei knapp 32,5 Millionen kWh (Kilowattstunden; Anmerkung der Redaktion), die erzeugte Strommenge aus erneuerbaren Energien beträgt 62,2 Millionen kWh“, erklärt Verbandsbürgermeister Frank Leibeck. Die Stromgewinnung erfolge durch Biogasanlagen, Solarzellen und Windräder. Somit könne die Verbandsgemeinde ihren Bedarf an Strom eigenständig durch erneuerbare Energie stämmen.

Auch die Verbandsgemeinde Bellheim hat nach Auskunft der Verwaltung auf allen öffentlichen Gebäuden Photovoltaikanlagen installiert. Allerdings könne der erzeugte Strom nicht direkt genutzt werden, sondern werde in das Stromnetz eingespeist.

Die Stadt Wörth setze seit Jahren auf den Öko-Strom-Tarif der Pfalzwerke AG. Dadurch wird laut Christoph Gröger, Abteilungsleiter Facility Management der Stadt Wörth, der gesamte Stromverbrauch nachhaltig gedeckt. „Bei Vertragsabschluss bestand der Energiemix großteils aus skandinavischer Wasserkraft“, erklärt Gröger weiter. Auch die Schulen im Landkreis sind bemüht, Energie zu sparen. So sind fast alle Schulen im Kreis Teil des sogenannten „Fifty-Fifty“ Projekts, erklärt Annika Weiss, Klimaschutzmanagerin des Kreises Germersheim. Dadurch reduziere jede Schule nach Angaben des Unabhängigen Institus für Umweltfragen jährlich den eigenen Stromverbrauch um 8000 kWh. Der schuleigene Kohlendioxid-Ausstoß werde somit jedes Jahr um durchschnittlich 25 Tonnen reduziert. Diese Einsparungen würden durch einfache Methoden wie das Herrunterdrehen der Heizungen oder das Ausschalten der Lichter erzielt, solange sie nicht benötigt werden.

Energie sparen senkt Kosten

Auch die Stadt Germersheim ist bemüht, in öffentlichen Gebäuden den Stromverbrauch und die Heizenergie zu reduzieren. Das geht aus deren Energiebericht hervor, der vor Kurzem im Stadtrat vorgestellt wurde. Der Bericht wurde beim Projekt Energiecontrolling und -management der Energieagentur Rheinland-Pfalz verfasst. Hierfür wurden Verbraucherdaten städtischer Gebäude von 2017 bis 2019 gesammelt und ausgewertet. Die Zahlen sollen zeigen, in welchen Gebäuden es Verbesserungspotenzial gibt und wo Sanierungen bereits Wirkung zeigen. Die Stadtverwaltung Germersheim betreut 82 Gebäude, darunter Kitas, Schulen und Verwaltungsgebäude. Der Bericht bezieht sich auf sechs Gebäude. Ziel sei es, die Einsparpotenziale auszunutzen und somit das Klima zu schützen und die Kosten zu senken, wird Bürgermeister Marcus Schaile im Bericht zitiert.

Die Ziele der Bundesregierung stehen fest: Bis 2030 sollen die Treibhausemissionen im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent gesenkt werden. Zudem soll der Anteil an erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2030 auf 65 Prozent erhöht werden. Nach Ansicht der Regierung spielen die Kommunen eine entscheidende Rolle bei diesem Vorhaben. Wichtig ist es laut Bund, eine Vorbildfunktion einzunehmen, um so das Umweltbewusstsein der Bürger zu stärken.

Fokus auf Verbrauch

Der Energiebericht der Stadt Germersheim fokusiert sich vor allem auf den Verbrauch von Heizenergie und Strom und die dadurch entstandenen Kosten. Bei der Summe der Heizkosten aller Gebäude wurde in den drei Jahren von 2017 bis 2019 keine spürbare Veränderung festgestellt. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch klar, dass vor allem die alten Gebäude einen großen Teil der aufgewendeten Energie benötigten. Die Stadt hat deshalb beschlossen, Sanierungen an den Gebäudehüllen und den Heizanlagen vorzunehmen, heißt es im Energiebericht. Bei den Stromkosten hingegen seien theoretische Ersparnisse in Höhe von knapp 4200 Euro festgestellt worden. „Theoretisch“ deshalb, da sich der Strompreis in den letzten Jahre immer weiter erhöht habe und somit kein korrekter Vergleich möglich gewesen sei. Insgesamt wurden trotzdem 11.000 Kilowattstunden (kWh) von 2017 bis 2019 eingespart. Laut dem Energiebericht der Stadt Germersheim ist die Umstellung auf LED-Beleuchtung in einigen Gebäuden dafür verantwortlich. Folglich hätten die seit 2019 umgesetzten Sanierungen den Energieverbrauch reduziert und somit zum Klimaschutz beigetragen.

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